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Machtwechsel oder neuer Tabubruch?

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 10:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bleibt Ulf Kristersson Schwedens MinisterprĂ€sident - oder kehrt seine VorgĂ€ngerin, die Sozialdemokratin Magdalena Andersson, ins Amt zurĂŒck? Am heutigen Sonntag wĂ€hlen die Schwedinnen und Schweden ein neues Parlament.

Rund acht Millionen Menschen sind aufgerufen, abzustimmen.

Lange vor der Wahl hatte die Opposition in Umfragen weit vorn gelegen. Nun zeichnet sich aber ein engeres Rennen um die Macht ab als erwartet. Im Wahlkampf ging es unter anderem um die Herausforderungen des Landes mit der Migration, um BandenkriminalitÀt und hÀrtere Strafen. Aber auch um die Frage, ob die Rechtspopulisten in Schweden erstmals Teil einer Regierung werden könnten.

Kristersson und der Kampf gegen die Banden

Kristerssons Koalition aus seinen Konservativen, Christdemokraten und Liberalen regierte in den vergangenen Jahren bereits mit UnterstĂŒtzung der rechtspopulistischen Schwedendemokraten. Die Regierung hatte sich vor vier Jahren auf die Fahnen geschrieben, der tödlichen Bandengewalt Einhalt zu gebieten. Und sie spricht jetzt von einer Erfolgsbilanz: Die Zahl der Schießereien ist zurĂŒckgegangen.

Dennoch will der sogenannte konservative Parteien-Block entsprechende Gesetze weiter verschĂ€rfen und tritt fĂŒr hĂ€rtere Strafen ein als der von Andersson angefĂŒhrte linksgerichtete Block. Auch die Sozialdemokraten haben zwar versprochen, die BandenkriminalitĂ€t zu bekĂ€mpfen - bekommen aber in Bezug auf die hĂ€rtesten Maßnahmen Gegenwind von den Linken und GrĂŒnen.

Uneins sind der konservative und der linke Block etwa in Bezug auf die Energieversorgung. WĂ€hrend Andersson sich fĂŒr einen Ausbau der Windkraft einsetzt, meint Kristersson: "Mehr Wind ist nicht die Antwort auf Schwedens Problem. Kernkraft ist die Lösung."

Auch die BekĂ€mpfung der Arbeitslosigkeit, das Gesundheitssystem und die Lebenshaltungskosten haben im Wahlkampf eine grĂ¶ĂŸere Rolle gespielt.

Rechtspopulisten könnten erstmals Teil der Regierung werden

Mehr als zwei Millionen Schwedinnen und Schweden haben ihr Kreuzchen bereits vorab gemacht. Traditionell sind die Sozialdemokraten mit Abstand stÀrkste Kraft in Schweden. Welche Koalition am Ende aber die Nase vorn haben wird, lÀsst sich vor der Wahl schwer voraussagen. Den Parteien droht ungeachtet des Ergebnisses eine komplizierte Regierungsbildung, denn auch innerhalb der Blöcke gab es zuletzt Zoff.

MinisterprĂ€sident Kristersson hatte zudem in Aussicht gestellt, dass die Schwedendemokraten Teil seiner kĂŒnftigen Regierung werden könnten. Bereits bei der vergangenen Wahl 2022 hatten die Probleme des Landes mit der BandenkriminalitĂ€t der Partei in die Karten gespielt. Mit einem Rekordergebnis hatten die Rechtspopulisten damals Kristerssons Moderaterna erstmals als zweitstĂ€rkste Kraft im Parlament ĂŒberholt - und die konservative Minderheitsregierung seitdem als Mehrheitsbeschaffer unterstĂŒtzt.

Eine Regierungsbeteiligung der Schwedendemokraten wĂ€re ein absolutes Novum in Schweden. Ein großer Umbruch sei deshalb aber nicht zu erwarten, sagte der Politologe und Nordeuropa-Experte Tobias Etzold: "Der eigentliche Tabubruch hat vor vier Jahren stattgefunden, als die konservativen Parteien gesagt haben: Wir arbeiten als Minderheitsregierung mit den Schwedendemokraten zusammen."

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