'Mein Schiff 3' soll in Werft - Ermittlungen gegen KapitÀn
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 15:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(neu: mehr Details und Hintergrund)
BREMERHAVEN (dpa-AFX) - Nach der folgenschweren Kollision des Kreuzfahrtschiffes "Mein Schiff 3" mit zwei weiteren Schiffen in Bremerhaven ermittelt die Polizei gegen den KapitĂ€n des Ozeanriesen. Es sei ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen ihn eingeleitet worden, teilte eine Polizeisprecherin auf Anfrage mit. "Es wird geprĂŒft, ob er gegen die Sorgfaltspflicht verstoĂen hat." Zuvor hatte der Sender RTL berichtet.
Die Polizei schĂ€tzt den entstandenen Sachschaden auf eine Millionensumme. Die Reise des Kreuzfahrtschiffes wurde abgesagt. "Die festgestellten SchĂ€den machen kurzfristige Reparaturarbeiten in einer Werft erforderlich", sagte eine Sprecherin der Reederei Tui DE000TUAG505 Cruises. UrsprĂŒnglich sollte das nahezu voll besetzte Schiff am Sonntagabend zu den Kanaren aufbrechen.
Am spĂ€ten Sonntagabend waren bei dem ZusammenstoĂ insgesamt drei Schiffe im Hafen beschĂ€digt worden. Auslöser fĂŒr den Unfall war nach Angaben der Polizei eine Windböe. Demnach wurde die "Mein Schiff 3" beim Auslaufen von Schleppern unterstĂŒtzt, als die Böe sie erfasste. Das Schiff sei daraufhin auf zwei Containerschiffe zugetrieben, die am Containerterminal Stromkaje ankerten. Die weiteren Ermittlungen der Wasserschutzpolizei dauern an.
Dem RTL-Bericht zufolge hatten Ermittler noch in der Nacht zum Montag mit den SchiffsfĂŒhrern auf allen drei Schiffen gesprochen. Weitere Angaben, etwa worauf genau sich der mögliche Sorgfaltspflicht-VerstoĂ des KapitĂ€ns des Kreuzfahrtschiffes bezieht, machte die Polizei zunĂ€chst nicht.
Kein Wassereinbruch, keine Verletzten
An dem kleineren Containerschiff sei ein leichter Schaden entstanden, bei dem gröĂerem ein erheblicher. "Durch den ZusammenstoĂ wurde die Backbordseite des groĂen Containerschiffs auf mehreren Metern aufgerissen und ContainerfĂŒhrungen deformiert", teilte die Polizei mit. Auch das Tui-Schiff wurde erheblich beschĂ€digt. Auf Bildern waren SchĂ€den an Rettungsbooten und der BrĂŒcke zu sehen.
Die SchĂ€den befĂ€nden sich jeweils mehrere Meter ĂŒber der Wasserlinie. Bei keinem der Schiffe sei es zu einem Wassereinbruch oder Verletzten gekommen. Das Kreuzfahrtschiff fuhr nach dem Unfall zurĂŒck zum Kreuzfahrterminal. Alle drei am Unfall beteiligten Schiffe wurden mit einem Auslaufverbot belegt. "Das ist die ĂŒbliche Vorgehensweise", sagte dazu ein Sprecher des Bremer Hafenressorts.
Reederei: "einzig verantwortungsvolle Entscheidung"
Direkt nach dem Unfall seien bereits Technikexperten an Bord gegangen, um den Schaden zu untersuchen, sagte eine Tui-Sprecherin. Die Fachleute stellten demnach fest, dass das Schiff zur Reparatur in eine Werft muss. Die 20-tĂ€gige Kanaren-Reise sei daraufhin abgesagt worden. Die Absage sei "die einzig verantwortungsvolle Entscheidung". Die Sicherheit von GĂ€sten und Crew habe "höchste PrioritĂ€t". Jetzt kĂŒmmere sich die Reederei darum, die GĂ€ste zu betreuen.
Fallen weitere "Mein Schiff 3"-Reisen aus?
BefĂŒrchtungen ĂŒber eine Reiseabsage hatten Passagiere bereits direkt nach dem Unfall. "Ich glaube, das war es mit der Reise", sagte etwa eine Frau in einem von der Deutschen Presse-Agentur verifizierten Augenzeugenvideo vom Abend. Das Video zeigt, wie das Kreuzfahrtschiff einem an der Hafenmauer liegenden Containerschiff immer nĂ€her kommt und mit ihm zusammenstöĂt.
Zum Unfallzeitpunkt waren nach Angaben der Reederei 2.428 GĂ€ste und 922 Crewmitglieder an Bord. Alle konnten vorerst an Bord bleiben. Ob weitere fĂŒr dieses Jahr geplante Reisen mit der "Mein Schiff 3" nach der Reparatur stattfinden können, war laut der Reederei zunĂ€chst unklar.
Auf den Hafenbetrieb in Bremerhaven hatte der Unfall zunÀchst keine Auswirkungen. "Nach aktuellem Kenntnisstand beeintrÀchtigen möglicherweise ins Wasser gefallene Schiffsteile den Schiffsverkehr nicht", sagte der Sprecher des Bremer Hafenressorts.
