Mercedes-Benz Aktie: 87% BEV-Wachstum in Europa
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 20:28 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Auf der einen Seite feiert Mercedes-Benz Absatzrekorde bei Elektroautos in Europa und Nordamerika. Auf der anderen Seite rollen an diesem Donnerstag 250 Fahrzeuge im Protestkorso durch Stuttgart. Die Aktie notiert bei 44,01 Euro und verliert 1,29 Prozent – ein Kurs, der zeigt, wie stark der Konflikt zwischen Belegschaft und Management inzwischen auf die Stimmung drückt.
Starkes Quartal im Westen
Im zweiten Quartal 2026 hat Mercedes-Benz weltweit 511.900 Fahrzeuge verkauft. Das sind 2 Prozent mehr als im Vorquartal. Nordamerika legte um 13 Prozent zu, Europa um 4 Prozent, Deutschland um 6 Prozent.
Der eigentliche Wachstumstreiber liegt bei den Elektroautos. Der globale BEV-Absatz kletterte um 50 Prozent auf rund 63.000 Einheiten. In Europa fiel das Plus noch deutlicher aus: 87 Prozent mehr vollelektrische Fahrzeuge, der BEV-Anteil stieg dort auf 26 Prozent. Besonders gefragt waren die elektrischen Varianten von GLC, CLA und GLB sowie die neue S-Klasse.
Belegschaft protestiert gegen Sparkurs
Diesen positiven Zahlen steht ein handfester Tarifkonflikt gegenüber. Die IG Metall organisierte unter dem Motto „Jetzt zählt's! Vorfahrt für Solidarität" den Autokorso durch Stuttgart. Der Grund: Mercedes-Benz hat Sonderzahlungen für rund 90.000 Mitarbeiter auf 2027 verschoben.
Zusätzlich fordert das Management offenbar eine 40-Stunden-Woche ohne vollen Lohnausgleich. Gewerkschaftsvertreter wehren sich deutlich. Die Beschäftigten dürften nicht als „Sparschwein" der Industrie dienen, so die Kritik.
China bleibt das Kernproblem
Der Grund für den Sparkurs liegt vor allem in China. Dort brach der Absatz im zweiten Quartal um 30 Prozent auf 98.600 Fahrzeuge ein. Im gesamten ersten Halbjahr verkaufte Mercedes-Benz weltweit nur noch 1,01 Millionen Fahrzeuge, ein Minus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Gewinn war bereits im ersten Quartal um 17,2 Prozent gesunken. Diese Kombination aus schwachem China-Geschäft und sinkenden Margen erklärt, warum das Management jetzt an der Kostenschraube dreht.
Aktie nah am Jahrestief
Der Kurs zeigt die Belastung deutlich. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 28,61 Prozent verloren, auf Monatssicht ging es um 8,16 Prozent nach unten. Aktuell notiert das Papier nur 3,21 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 42,64 Euro, erreicht Ende Juni.
Zum 52-Wochen-Hoch von 62,30 Euro aus dem Dezember 2025 klafft eine Lücke von fast 30 Prozent. Auch die gleitenden Durchschnitte signalisieren Schwäche: Der Kurs liegt 8,46 Prozent unter dem 50-Tage-Schnitt und 19,42 Prozent unter dem 200-Tage-Schnitt. Der RSI von 38,4 deutet auf eine angeschlagene, aber noch nicht überverkaufte Aktie hin.
Refinanzierung läuft technisch weiter
Parallel zum operativen Stress läuft im Hintergrund eine technische Umstellung. Ab dem 15. Juli 2026 übernimmt die Mercedes-Benz International Finance B.V. die Rolle der Emittentin für mehrere Anleihen der Mercedes-Benz Group AG. Betroffen sind Schuldverschreibungen im Gesamtvolumen von 3,5 Milliarden Euro mit Laufzeiten bis 2029, 2030 und 2034.
Die Garantien der Mercedes-Benz Group AG für diese Anleihen bleiben unverändert bestehen. Diese Maßnahme ist rein organisatorischer Natur und berührt die Bonität der Papiere nicht.
Die kommenden Wochen entscheiden, wie tief der Konflikt mit der Belegschaft die Produktion an deutschen Standorten belastet. Sollte sich die Tarifsituation weiter zuspitzen, dürfte das die operativen Erfolge im BEV-Segment und in Nordamerika überschatten.
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