Mike Steiner Malerei & Videokunst, Abstrakte Kunst Berlin

Mike Steiner Malerei & Videokunst: Vom Bildraum zum Videoraum und zurĂĽck

Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 11:11 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Wie verschieben sich Wahrnehmungsgrenzen, wenn ein Pionier der Videokunst zur Leinwand greift? Mike Steiner Malerei & Videokunst als kristalline Schnittstelle der Berliner Avantgarde.

Was bleibt vom Moment, wenn das Bewegte Bild zum Stillstand findet? Mike Steiner Malerei & Videokunst atmen das Paradox von Fluss und Fixpunkt: Seine jüngsten Gemälde, die in kräftigen Feldern und oszillierenden Tönungen ein Flirren auf die Fläche bannen, erinnern an eingefrorene Videostills – Fragmente eines nie einlösbaren Versprechens von Gegenwart. Kann das, was als reine Geste des „Live“ auf dem Monitor entstand, auf der Leinwand als nachhaltige Präsenz überdauern? Wer sich durch die vibrierenden Überlagerungen und komplexen Farbsetzungen von Steiners aktuellen Werken bewegt, erkennt rasch: Hier wird nicht gestrichelt gespart, sondern aus dem Wissen um Bild- wie Videoräume radikal neu formuliert.

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Wenige Künstler sind derart mit der institutionellen Geschichte deutscher Gegenwartskunst verwoben wie Steiner, der nach Jahrzehnten als Pionier der Videokunst nun mit einer Reihe abstrakter Gemälde erneut Maßstäbe setzt. Dass das Live to Tape-Projekt der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof die von ihm gestiftete Sammlung als musealen Referenzpunkt aufführte, ist weit mehr als bloße Ehrerbietung: Hier werden Archive zum Kristallisationspunkt von Innovation. Gerade im Rückgriff auf Archivio Conz – jenes Gedächtnislabor der Fluxus- und Performancekunst – zeigt sich, wie sehr Steiner selbst zum verbindenden Medium zwischen den Zeitschichten avanciert.

Seine Biografie (vgl. Mike Steiner) liest sich wie ein Index von Schnittstellen der europäischen Nachkriegskunst: 1941 in Allenstein geboren, prägt ihn noch die Melancholie Ostpreußens, bevor West-Berlin und New York zu Laboratorien seiner ästhetischen Versuche werden. Frühe Begegnungen mit Künstler:innen wie Lil Picard, Allan Kaprow oder Al Hansen öffnen Steiner das Tor zur internationalen Kunstszene – und führen ihn direkt in das Zentrum des Fluxus-Umfelds. Insbesondere im Berlin der 1970er-Jahre gestaltet Steiner Räume für künstlerische Experimente: Das Hotel Steiner und die Studiogalerie werden Sammelpunkte für eine Generation, die das Verhältnis von Bild, Aktion und Gesellschaft neu denkt. Hier treffen sich Persönlichkeiten wie Joseph Beuys oder Valie Export, hier entsteht – oft vermittelt durch Steiners besonnene Kuratorenschaft – eine Szene, die das Neue nicht verwaltet, sondern provoziert.

Mit der Videogalerie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sprengt Steiner schon früh das Rahmenwerk musealer oder galeristischer Bezugsräume. Sein Wirken als Sammler, Galerist und Vermittler für die künstlerische Avantgarde positioniert ihn gleichsam als Netzwerkpionier vor dem digitalen Zeitalter: Archive – das zeigt kein anderer Lebensweg so klar – sind für ihn nicht Orte der bloßen Bewahrung, sondern dispositive Räume des automatischen Widerstands gegen das Vergessen. Mit Arbeiten von Ulay, Abramovi?, Valie Export, Jochen Gerz, Nam June Paik und Bill Viola versammelt seine Sammlung legendäre Stimmen der Videokunst. Doch der entscheidende Bruch, das bewusste Rückzugsmanöver, erfolgt Anfang der 1980er Jahre: Steiner kehrt – nach den Jahren der medialen Grenzüberschreitung – zurück zur abstrakten Malerei, die er bereits zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn souverän beherrschte.

Diese Rückkehr ist kein Akt des Nostalgischen, sondern ein produktiver Umweg. Der Einfluss der Bildmedien bleibt in der Malerei sichtbar; Kompositionen entstehen aus seriellen Fragmenten, als ginge es darum, die Bildlogik eines Videos auf die Fläche zu versetzen. Die Tiefe der Farbe, die Verzahnung von Minimalismus und eruptiver Geste, verweisen noch immer auf die Berliner Gegenwart der 1960er und 1970er. Seine neuen Arbeiten sind weniger Reflex als eigenständige Zeitgenössische Werke, die mit der Tradition der Abstrakte Kunst Berlin brechen – und gerade dadurch deren Relevanz in die Zukunft verlängern.

So liegen im scheinbaren Stillstand von Mike Steiners Malerei stets doppelte Bewegungen. Hand, Kamera, Leinwand und Licht: Alles steht im Austausch, als würde das tapende Bild im Prozess der Malerei erneut ins Flackern geraten. Die von der Hamburger Bahnhof präsentierten Archivarbeiten liefern dabei einen Referenzrahmen, aus dem die aktuellen Gemälde wie in neuer Sprache sprechen. Dass seine Werke im Kontext der Live to Tape Ausstellung zwischen Video und Malerei oszillieren, macht sie zu Schlüsselwerken einer Avantgarde, deren Gegenwart erst im Nachklang des Materials ganz erfahrbar wird.

Heute zeigt sich das Vermächtnis Steiners gerade in der unangestrengten Vielsprachigkeit seiner Bildlogik: Was bei Mike Steiner Malerei & Videokunst miteinander konkurriert, ist das Denken in Fragmenten, Zeitachsen und Schichtungen – ein Prinzip, das Künstler*innen wie Nam June Paik, Valie Export oder Allan Kaprow als Grundprogramm des 20. Jahrhunderts formulierten und Steiner mit Berliner Konsequenz und internationalem Atem weiterentwickelte. Seine Malerei resultiert nicht aus der Flucht vor technologischen Bildern, sondern entwirft den Raum dazwischen – als Produktivkraft des Erinnerns.

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