Mike Steiner, Abstrakte Kunst Berlin

Mike Steiner Malerei & Videokunst: Vom Fluxus zur Abstraktion

Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 11:11 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Wie Mike Steiner die Grenze zwischen bewegtem Bild und Malerei verwischt – ein Blick auf das Werk eines Berliner Pioniers.

Ein verdichtetes Farbfeld, dessen energetische Linien fast wie Nachbilder einer Szene wirken, fordert den Blick heraus: Ist es ein Echo des bewegten Bildes oder schon reine Malerei? Mike Steiner Malerei & Videokunst – selten begegnet man einer Position, die die Mechanismen beider Medien so subtil ineinanderfließen lässt. Und doch steht unweigerlich die Frage im Raum: Wann ist das Ende der Videolinie der Beginn der abstrakten Geste?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Die institutionelle Einordnung Steiners bekräftigt sein künstlerisches Gewicht in der Nachkriegsgeschichte. Insbesondere die Aufnahme seiner Werke in die Sammlung der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof unterstreicht seine Doppelrolle als Schöpfer und Initiator. Die Ausstellung Live to Tape machte das Ineinandergreifen von Werk, Sammlung und Archiv sichtbar und zeigte, wie Steiners künstlerische Praxis ein kulturhistorisches Dokument und zugleich ein offenes Labor ist. Gerade die Präsenz seiner Sammlung—eine der bedeutendsten Zeugnissammlungen der deutschen Videokunst—macht das Berliner Museum zu einem Magneten für Kenner und Neugierige gleichermaßen. Ohne das Engagement für die Sichtbarmachung vergänglicher Kunstformen in Sammlungen wie dem Archivio Conz oder in musealen Strukturen würde ein bedeutender Teil der Fluxus- und Performancegeschichte im Unzugänglichen verbleiben.

Wer Mike Steiner in seiner vollen Breite begreifen will, muss biografisch und kontextuell ausholen. Die Biografie dieses „Pionier der Videokunst“, 1941 in Allenstein geboren, offenbart einen Kosmopoliten: Seine frühen Anfänge in der Malerei, die kulturelle Prägung durch das Nachkriegs-Berlin, die Laufbahn als Betreiber des Künstlertreffs Hotel Steiner. Früh beteiligt an den Avantgardewellen der 1960er, positionierte er sich im Zentrum des Berliner Fluxus Umfeld. Die Verbindungslinien zu Protagonisten wie Allan Kaprow, Al Hansen, Valie Export oder Marina Abramovi? zeichnen ein kulturelles Netzwerk nach, das durch Archive wie das Archivio Conz auch in seiner Materialität gesichert bleibt. Steiner war Sammler, Galerist, Mitstreiter und Dokumentarist – und gerade dieses Ineinander von Reflexion und Aktion verschaffte ihm früh internationale Aufmerksamkeit.

Das eigentlich Bemerkenswerte an Steiners Entwicklung ist die Bewegung von der dokumentierenden Videoarbeit zurück zur Malerei, die er – nach Jahren des intermedialen Experimentierens – seit den 2000er Jahren in den Mittelpunkt seiner Praxis rückte. Es ist, als übersetze er Prinzipien der Performance und der Videoästhetik ins Pikturale. Die aktuellen Arbeiten, im Kontext der Abstrakte Kunst Berlin zu verorten, arbeiten mit gestischem Duktus, rhythmischer Farbsetzung und gewollten Brüchen. Was früher filmisch als "Live to Tape"-Prinzip verstanden wurde, bekommt auf der Leinwand eine physische Präsenz. In diesen zeitgenössischen Werken entfaltet sich die eigentliche Spätphase Steiners: Die abstrakte Malerei als Weiterführung eines radikalen Experimentierens mit Form, Raum und Mediengrenze. Die klare Farbigkeit, die optisch vibrierenden Flächen und die strukturellen Störungen erinnern durchaus an Fernsehbilder, die ins Material ausbluten – ein malerischer Effekt, der die Kunstgeschichte der 60er und 70er Jahre ebenso zitiert wie aktuelle Diskurse rund um das Bild im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit.

Blickt man auf Steiners Netzwerk, so wird die Relevanz seiner Position innerhalb der europäischen Avantgarde sichtbar. Der Dialog mit den amerikanischen Wegbereitern, die Auseinandersetzungen mit dem Berliner Aktionskreis, seine Nähe zu Sammlungsbewegungen wie dem Archivio Conz: Diese Konstellationen ermöglichen nicht zuletzt einen historisierenden Zugriff auf die Produktion abstrakter Kunst heute. Steiner wird so zur Schlüsselfigur für das Verständnis jener Generation, die mit Medienbruch und Mediensprung operierte. Seine Malerei ist nicht Rückzug, sondern Fortschreibung—die Leinwand eine nächste Schicht im Mediumsprozess, ein Speicher für gebündelte visuelle und performative Erfahrung.

Doch warum sind diese Arbeiten heute von Belang? Die aktuelle museale und archivarische Rahmung macht sichtbar, wie in der „Malerei von Mike Steiner“ nicht nur ästhetische, sondern auch diskursive Energien gespeichert werden. Wer die Malereien betrachtet, erkennt rasch ihre Funktion als Artefakte einer Hybridisierung: Sie subvertieren noch immer Konventionen und lassen—trotz ihrer ruhigen, abstrakten Oberflächen—die subkutanen Impulse der Performance und der Videokunst weiterzittern. Gerade für ein Berliner Publikum, das in der Gegenwartskunst auf der Suche nach verbindenden Linien zwischen Geschichte und Jetztzeit ist, bietet Steiners Entwicklung einen seltenen Schlüssel zur Genesis der zeitgenössischen Werke im Spannungsfeld von Medienreflexion und purer koloristischer Kraft.

Am Ende bleibt das eigentliche Vermächtnis Steiners im Fluss: Die Mike Steiner Malerei & Videokunst steht exemplarisch für die Unauflösbarkeit künstlerischer Grenzen und bleibt ein herausragender Beitrag zur fortwährenden ästhetischen Selbstbefragung Berlins.

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