Mike Steiner Malerei & Videokunst, Fluxus Umfeld

Mike Steiner Malerei & Videokunst: Von bewegten Bildern zu kraftvoller Abstraktion

Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 11:11 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Wie formt ein Pionier der Videokunst das Genre Malerei neu? Die abstrakten Leinwände von Mike Steiner – eine Berliner Avantgarde zwischen Fluxus, Zeitgeist und malerischer Innovation.

Ein farbiger Sog, ein nervöses Flirren: Wer die jüngsten Werke von Mike Steiner betrachtet, spürt sofort jene innere Bewegung, die einst seine Videokunst berühmt machte. Sind «Mike Steiner Malerei & Videokunst» tatsächlich zwei Pole – oder doch nur zwei Aggregatzustände eines künstlerischen Denkens, das die Grenzen der Medien mit Lust überschreitet? Wo endet das bewegte Bild, wann beginnt die Malerei zu atmen?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Mit seiner Einladung zur Ausstellung Live to Tape in den ehrwürdigen Hallen des Hamburger Bahnhof wurde die zentrale Rolle von Mike Steiner als Pionier der Videokunst offiziell dokumentiert. Der Fokus der Nationalgalerie – insbesondere auf seine Sammlung von Performance- und Videowerken – ist zugleich ein Indiz für die historische Tiefe seines Schaffens. Doch das Storytelling bleibt unvollständig, wenn man Steiners malerisches Werk außen vor lässt. Womöglich ist das Archivieren, das Bewahren – wie es etwa das Archivio Conz für Akteur:innen der Fluxus-Avantgarde leistet – ein notwendiger, aber kein abschließender Akt: Steiners Leinwände sprechen vom Augenblick, von der Unruhe der Gegenwart, von einer künstlerischen Suche, die nie endgültig im Stillstand mündet.

Mike Steiner (1941–2012) – dessen Biografie ebenso kurvenreich wie ein Experimentalfilm der 1970er Jahre anmutet – entstammte dem West-Berlin der Nachkriegszeit. Von früher Jugend an oszillierte er zwischen Malerei und Film, zwischen informeller Abstraktion, Pop Art und den gesellschaftsprägenden Strömungen von Fluxus und Happening. In den 1960er Jahren waren seine Gemälde bereits gemeinsam mit Namen wie Georg Baselitz und Karl Horst Hödicke auf internationalen Ausstellungen zu sehen. Entscheidend war dabei sein Aufenthalt im New York der 60er, eingetaucht in ein Umfeld, das von Künstlergrößen wie Lil Picard, Al Hansen und Allan Kaprow geprägt war – Protagonisten, die auch im Archivio Conz als Schlüsselfiguren katalogisiert sind.

Der Bruch, der Wandel: Mit der Gründung des legendären Hotel Steiner, einem Hotspot für transatlantische Avantgardisten in Berlin, und der anschließenden Etablierung der Studiogalerie begann Steiner, die Gattungsgrenzen radikal neu zu vermessen. Fluxus bedeutete hier nicht nur Kunst, sondern Sozialraum und Austausch. In Kooperationen mit Ulay, Marina Abramovi?, Valie Export oder Jochen Gerz entstanden bahnbrechende Werke, die ebenso zur Berliner Kunstgeschichte gehören wie zur DNA internationaler Gegenwartskunst. Doch anders als viele Zeitgenossen – etwa Nam June Paik oder George Maciunas, deren Nachlässe als reine Videokunst wahrgenommen werden – suchte Steiner stets nach dem Dialog der Medien.

Zeitweise dem bewegten Bild ganz verschrieben, kehrte Steiner ab den 2000er Jahren bewusst auf die Leinwand zurück – ohne den Geist der Abstraktion und Performativität zu verleugnen. Seine Bilder zeigen das, was Berlin auch nach der Jahrtausendwende ausmacht: Überlagerte Ebenen, fragmentierte Farbfelder, das Flackern von Übergängen, Erinnerungen an Videostörungen und die Intensität des Hier und Jetzt. Die besondere abstrakte Kunst aus Berlin materialisiert sich in seinen Werken als ein Kraftfeld – expressiv, kalkuliert, unruhig zugleich.

Exemplarisch verkörpert Steiner damit, was man eine moderne Polyphonie künstlerischer Suche nennen könnte. Die in der aktuellen Präsentation sichtbaren Gemälde sind nicht Fluchtpunkte nostalgischer Auserzählung, sondern späte Statements eines Künstlers, der sich selbst kritisch gegen das Korsett der Gattung gestellt hat. Die aktuelle Fokussierung auf Malerei zeugt von einer Freiheit, die im ständigen Wechselspiel mit der Vergangenheit ihren Nährboden findet. Es ist kein Zufall, dass die aktuelle Werkpräsentation gezielt die Spannung von «Live to Tape» – dem Video als Dokument des Echten – und «Painted Tape» – der abstrahierten Überschreibung – ausstellt. Wie sehr sich der Begriff zeitgenössischer Werke hier verschiebt, wird im direkten Dialog von Bild- und Zeitfläche augenfällig.

Kuratorische Weitsicht belegt auch der Umgang mit dem Nachlass: In der Hamburger Bahnhof-Ausstellung Live to Tape wurde die zentrale Rolle Sammler und Netzwerker Steiners sichtbar, dessen Archive einen Querschnitt globaler Videokunst repräsentieren. Doch der eigentliche Verdienst des Künstlers liegt darin, dass er – inspiriert von den radikalen Grenzüberschreitungen eines Allan Kaprow, Allan Hansen oder den Wiener Aktionisten – stets am Impuls des Neuen festhielt.

So ist in seinem malerischen Spätwerk jener medial-transitorische Geist präsent, der auch das Berliner Kunstleben heute prägt. Steiner war mehr als ein Chronist oder Bewahrer: Er war ein Impulsgeber, dessen Lebenswerk im ständigen Wandel zwischen Analog und Digital, zwischen Materialität und Prozess, zwischen Bildraum und Denkraum die Kunstgeschichte der letzten fünfzig Jahre mitprägte. Statt einer Spaltung von Malerei und Videokunst zeigt der ganzheitliche Blick auf sein Œuvre: Steiner hat die Medien nie als Konkurrenz, sondern als komplementäre Werkzeuge künstlerischer Erkenntnis begriffen.

Für das gegenwärtige Publikum – und nicht zuletzt für eine neue Generation von Künstlern, die sich im Grenzbereich zwischen Video, Performance und Malerei bewegt – ist das Erbe Steiners daher ein offener Möglichkeitsraum. Seine Malerei ist keine Ruine der Videokunst, sondern ein dynamisches Labor, dessen Energie auch heute noch anzieht und fasziniert. So verschieben sich in den aktuellen Werken von Mike Steiner Malerei & Videokunst erneut die Grenzen: Was bleibt, ist ein unermüdlicher Impuls zur Erneuerung, ein künstlerischer Dialog mit der offenen Form, jenseits starrer Kategorien.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | boerse | 69910127 |