Mike Steiner Malerei & Videokunst, Pionier der Videokunst

Mike Steiner: Von der Videokunst zur Berliner Malerei – Zwischen Tape und Leinwand

Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 11:11 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael MĂŒller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Der GrenzgÀnger Mike Steiner bewegt sich von Videokunst und Fluxus in eine neue Dimension der abstrakten Malerei in Berlin. Was bleibt vom Pioniergeist in Farbe und Form?

Kaum ein Werk von Mike Steiner lässt sich mit einem bloßen Blick erschließen. In seiner aktuellen Werkphase umgibt die Mike Steiner Malerei & Videokunst eine kühle Strenge, angriffig durchzogen von energetischen Farbimpulsen, die förmlich das Schwingen eines elektronischen Signals auf der Leinwand imitieren. Doch: Wo stößt das bewegte Bild an seine Grenze, wo beginnt die Sprache der Malerei? Kann ein Pionier der Videokunst den Gestus des Instant-Image in die Stille des Pigments übertragen, ohne seinen radikalen historischen Impuls zu verlieren?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Institutionelle Validierung ist ein seltenes Gut, doch Mike Steiner erfährt sie mit Nachdruck. Die Einbindung seiner Werke in die Sammlung der Nationalgalerie, ausgestellt im Hamburger Bahnhof, markiert einen Höhepunkt in der Wahrnehmung seiner künstlerischen Bandbreite. Die Ausstellung Live to Tape schloss seine frühen Videos als Zeitdokumente zwischen Kunst und Technik ein, zeigt zugleich: Für Berlin steht Steiner als Vermittler für die Verbindung von Performance, Medium und den Dispositiven der Gegenwart. Solche Anerkennungen gelingen Künstlern nur selten im zweiten Medium. Auch die Präsenz in internationalen Archiven und Netzwerken wie dem Archivio Conz verankert Steiner fest im Kanon der europäischen Avantgarde – nicht als Nachahmer, sondern als Impulsgeber.

Mike Steiner wurde 1941 in Allenstein geboren und zählt zu den zentralen Figuren der Nachkriegsavantgarde in Deutschland. Die frühe Teilhabe an der Berliner Bohème, die experimentellen Jahre im Umfeld von Fluxus, Happening und Pop Art – in New York, im eigenen Hotel Steiner, an der Seite von Joseph Beuys, Allan Kaprow, Valie Export, Ulay oder Marina Abramovi? – prägten sein Verständnis vom Künstler als Initiator und Grenzgänger. Steiner war nie bloßer Zeitzeuge, sondern ein entscheidender Mittler zwischen den Kulturen der Medien. Seine Berliner Studiogalerie gilt als ein Hotspot für Performance und Videokunst, die explizit das Prozesshafte, Temporäre und die Abstrahierung von Ereignis suchte.
Legendär bleibt die Aktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“, die gemeinsam mit Ulay 1976 das Verhältnis von Original und Reproduktion in der Malerei wie im Video unterwanderte. Im Fokus dabei: die Frage nach der Autonomie und Integrität künstlerischer Gattungen.

Doch der Weg zurück auf die Leinwand war kein Rückschritt, sondern Radikalität mit anderen Mitteln. Nach seiner intensiven Auseinandersetzung mit dem bewegten Bild entwickelte Steiner seit den 2000er Jahren eine eigenständige abstrakte Bildsprache. Der Pinselstrich erinnert unweigerlich an die Spuren elektronischer Interferenzen; das Farbfeld bekommt das Flackern eines analogen Bildpunkts. Die Abstrakte Kunst Berlins, so zeigt es Steiner, war nie nur ein Nachhall amerikanischer Vorbilder, sondern immer auch eine Vermittlung zwischen Disziplinen. Gerade hier wird er zum Chronisten einer Epoche, in der das Kunstwerk als Ereignis und als Objekt gleichzeitig Bestand hat.
Während viele seiner Zeitgenossen – darunter George Maciunas, Dorothy Iannone oder Ben Vautier – dem performativen Moment verpflichtet blieben, sucht Steiner die fortgesetzte Experimentierlust in der Verdichtung, der Komprimierung auf das Statische. Die Transformation von Fluxus-Ideen, von Sprachspielen und dem stets Unfertigen des „Live to Tape“-Gedankens, wird in seinen zeitgenössischen Werken zu einem Archiv der Erinnerung: greifbar, sichtbar, permanent. Ein Fragment Videogeschichte in Öl, ein statisches Intermedium.

Warum sollte man sich heute mit Steiner beschäftigen? Jede Gegenwart sucht ihre Anfänge, und Steiner steht für diese radikale Übergangszone, in der Medien, Disziplinen und ästhetische Optionen neu vermessen werden. Außergewöhnlich bleibt sein kühner Blick auf das Abstrakte: seine Malerei kollidiert nicht mit der Vergangenheit, sondern übersetzt die experimentelle Haltung der Mike Steiner Malerei & Videokunst direkt in die Sprache der Gegenwart. In einer Zeit, wo das Flüchtige dominiert, bleibt Steiner ein Beweis für die Dauer des Impulses: Von Tape zu Leinwand, von Aktion zu Farbe. Die Grenze? Sie ist bei Steiner immer wieder der Ort des Anfangs.

Disclaimer...

de | boerse | 70003138 |