MilitÀr, NetzengpÀsse

MilitÀr und NetzengpÀsse bremsen Bayerns Windkraft aus

Veröffentlicht am: 21.09.2025 um 14:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Trotz einer Zunahme an GenehmigungsantrĂ€gen fĂŒr Windkraftanlagen kommt der Ausbau in Bayern weiterhin nur schleppend voran.

Zwar wurden im vergangenen Jahr 280 AntrĂ€ge und in den ersten vier Monaten dieses Jahres 107 AntrĂ€ge genehmigt. Dem gegenĂŒber stehen bis Ende August lediglich zehn neue Windkraftanlagen, die 2025 neu ans Netz gingen. Dies geht aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der GrĂŒnen im Landtag hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Von 2010 bis einschließlich April 2025 wurden 1.783 WindrĂ€der mit einer Leistung von rund 6,5 Gigawatt beantragt. Im Zeitraum von 2010 bis Juni 2025 gingen aber nur 850 Anlagen mit rund 2,3 Gigawatt in Betrieb.

NetzengpÀsse bremsen WindrÀder

Die Datensammlung des Ministeriums erlaubt einen genauen Einblick in die praktischen Umsetzungsprobleme, mit denen Antragsteller fĂŒr neue Windenergieanlagen (WEA) in Bayern konfrontiert sind: Allein in Mittelfranken warten 438 WEA auf eine Möglichkeit, den gewonnenen Strom ĂŒberhaupt in das Stromnetz einspeisen zu können. Auch in Oberbayern (27 WEA) und Unterfranken (30 bis 50) gibt es derartige Probleme mit NetzengpĂ€ssen.

Flaschenhals MilitÀr

Ein weiterer Flaschenhals zeigt sich den Angaben zufolge bei Projekten, die im Umfeld von militĂ€risch genutzten Gebieten entstehen sollen. FĂŒr 418 Windkraftanlagen gibt es noch keine Lösung - bei einigen Projekten sei das Verfahren aber noch "in Bearbeitung". FĂŒr 289 Anlagen konnte eine Lösung oder zumindest eine Teillösung gefunden werden. Unter anderem sorgen hohe Rotorhöhen oft fĂŒr Probleme, weil dadurch Tiefflugstrecken gestört werden können.

"In Bayern stockt es mit dem Ausbau der Windkraft an allen Ecken und Enden", sagte der energiepolitische Sprecher der LandtagsgrĂŒnen, Martin StĂŒmpfig. Zwar wĂŒrden endlich die Antragszahlen steigen, "den neu beantragten WindrĂ€dern stehen aber eine Vielzahl von HĂŒrden gegenĂŒber, welche die bayerische Staatsregierung in keiner Weise abbaut". Überall, wo es Probleme gebe, herrsche Stillstand und keine Lösungen seien in Sicht.

Auch Genehmigungsbehörden bremsen in einigen Regionen

In Regionen mit einem massiven Nachholbedarf und weniger Problemen mit dem Netzanschluss gebe es laut StĂŒmpfig zudem noch Schwierigkeiten bei den Genehmigungsbehörden. "So sind in Niederbayern trotz einer sehr geringen Zahl von beantragten Windkraftanlagen auch sechs Monate nach Antragseingang noch Zweidrittel der Anlagen nicht genehmigt. Und in der Oberpfalz sind es ĂŒber die HĂ€lfte der Anlagen, die auch ein halbes Jahr nach Antrag noch auf eine Genehmigung warten."

StĂŒmpfig betonte: "Diese vielfĂ€ltigen HĂŒrden erklĂ€ren, weshalb den gestiegenen Antrags- und Genehmigungszahlen bisher nur so wenige Inbetriebnahmen gegenĂŒberstehen. Wenn endlich die Genehmigung vorliegt, stehen andere Probleme im Weg." Mehr als 150 Anlagen seien zwar genehmigt, aber noch nicht in Betrieb. "Und davon haben 85 Anlagen schon die Genehmigung seit ĂŒber einem Jahr."

StĂŒmpfig: Staatsregierung wird eigenes Ausbauziel so nie erreichen

Seiner Ansicht nach ist die Staatsregierung fĂŒr die Verzögerungen mitverantwortlich. Sie "hĂ€tte alle Möglichkeiten aktiv bestehende HĂŒrden aus dem Weg zu rĂ€umen". Diese weigere sich jedoch, die Planungen durch verbindliche Vorgaben im Landesplanungsgesetz zu beschleunigen, und unternehme nichts, um beim MilitĂ€r, bei den Stromnetzen und Genehmigungsbehörden aktiv zu unterstĂŒtzen. "Das Ziel 1.000 neue WindrĂ€der bis 2030 in Betrieb zu nehmen, ist so niemals zu erreichen."

Ministerium fordert schnelleren Netzausbau vom Bund

Das zustĂ€ndige Wirtschaftsministerium betonte auf Anfrage, dass sich etwa bei den NetzengpĂ€ssen eine grundlegende Entspannung erst ergebe, wenn der erforderliche Netzausbau erfolgt sei. Vom Bund fordere Bayern daher schlankere Verfahren fĂŒr die Netzoptimierung und NetzverstĂ€rkung sowie Verfahrenserleichterungen fĂŒr Ersatzneubauten.

Zu den Verzögerungen wegen militĂ€rischer Belange betonte ein Ministeriumssprecher, Bayern stehe "seit Jahren in stetigem Austausch mit den StreitkrĂ€ften der Bundeswehr und auch der US-Army". An den Bezirksregierungen gebe es zudem seit Anfang 2024 die Funktion eines Koordinators "Windenergie und MilitĂ€r", um bei Konflikten zu unterstĂŒtzen und zu koordinieren.

"Der Ausbau der Windenergie und die militĂ€rischen Belange mĂŒssen gemeinsam gedacht werden, um FlĂ€chenkonflikte frĂŒhzeitig zu lösen", sagte der Sprecher. Ziel sei es, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und die militĂ€rischen Belange zu wahren.

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