ROUNDUP, Milliarden-Einsparungen

Milliarden-Einsparungen bei Gesundheitsausgaben kommen

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 15:28 Uhr, dpa.de

BERLIN - Auf gesetzlich Versicherte kommen höhere Zuzahlungen und Einschnitte bei manchen Leistungen zu, um die KrankenkassenbeitrÀge möglichst stabil zu halten.

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BERLIN (dpa-AFX) - Auf gesetzlich Versicherte kommen höhere Zuzahlungen und Einschnitte bei manchen Leistungen zu, um die KrankenkassenbeitrĂ€ge möglichst stabil zu halten. Bundestag und Bundesrat machten den Weg fĂŒr ein Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) frei, das dazu auch Milliarden-Ausgabenbremsen bei Praxen, KrankenhĂ€usern und Pharmabranche vorsieht. Der Bund kam den LĂ€ndern noch mit finanziellen ZugestĂ€ndnissen fĂŒr die Kliniken entgegen. Aus der Gesundheitsbranche hagelte es scharfe Kritik. Die Opposition bezweifelte, dass wirklich keine Beitragserhöhungen kommen.

Warken sagte: "Alle Beteiligten im Gesundheitswesen leisten einen Beitrag, denn alle profitieren auch langfristig von einer nachhaltigen Finanzierung." Die dramatische Lage der Kassen erlaube keinen Aufschub. "Niemand kann weiter steigende BeitrĂ€ge wollen, weder Versicherte noch Arbeitgeber." Die Grenze der Belastung sei definitiv erreicht. Ohne die Reform drohe 2027 aber eine Beitragserhöhung um einen Prozentpunkt. Daher gelte: "Wir wollen kĂŒnftig mit dem Geld auskommen, das wir haben, und nur noch das bezahlen, was nutzt."

Opposition warnt vor Klinik-Insolvenzen

Im Bundestag stimmten 318 Abgeordnete mit Ja, 284 mit Nein, vier enthielten sich. Bei der Union gab es nach Parlamentsangaben ein Nein, in der SPD drei Nein-Stimmen und vier Enthaltungen. Die Opposition lehnte das Gesetz ab.

GrĂŒnen-Fraktionschefin Britta Haßelmann kritisierte: "Es wird keine BeitragsstabilitĂ€t geben, sondern Krankenhaus-Insolvenzen, ĂŒberlastete HausĂ€rzte und verratene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten." Linke-Fraktionschefin Heidi Reichinnek hielt der Koalition vor: "Sie gefĂ€hrden mit diesem Gesetz Menschenleben." Nicole Hess (AfD) monierte: "Das ist keine Reform, das ist eine Einladung zum RĂŒckzug aus der Versorgung."

Milliarden-Sparziel noch erhöht

Warken hatte das Sparziel fĂŒr 2027 angesichts zuletzt rasanter steigender Ausgaben der Kassen noch auf 18,8 Milliarden Euro heraufgesetzt. Die neue LĂŒcke werde mit dem vorliegenden Entwurf geschlossen, sagte sie. Inwiefern auch ein Puffer fĂŒr UnwĂ€gbarkeiten geschaffen wird, war zunĂ€chst unklar.

Kurz nach dem Beschluss des Bundestags ließ der Bundesrat das Gesetz passieren. Ein Antrag auf Anrufung des Vermittlungsausschusses fand nicht die nötige Mehrheit. Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder, der als CSU-Chef zu den Spitzen der Koalition gehört, sagte: "Ich glaube, dass der Gesamtentwurf, so wie er ist, mit Schmerzen, aber doch am Ende zustimmungsfĂ€hig ist." Warken sagte, angesichts der angespannten Lage der Kliniken habe man sich mit den LĂ€ndern verstĂ€ndigt, diesen noch einmal entgegenzukommen - mit 450 Millionen Euro fĂŒr die KrankenhĂ€user und 100 Millionen Euro fĂŒr die Uni-Kliniken.

Belastungen fĂŒr Patienten teils abgemildert

Der Entwurf war in den Beratungen zuletzt noch in mehreren Punkten verĂ€ndert worden. SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt sagte, dies sei kein Gesetz, "wo nach Verabschiedung die Sektkorken knallen". Es sei aber gelungen, eine "Schieflage bei den Belastungen etwas gerader zu rĂŒcken".

Folgen fĂŒr Versicherte wurden abgemildert. So werden die Zuzahlungen von mindestens 5 und höchstens 10 Euro etwa fĂŒr Medikamente auf 7,50 bis 15 Euro angehoben. Gestrichen wurde aber, dass die Zuzahlungen danach auch jĂ€hrlich angepasst werden sollen. Die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern wird eingeschrĂ€nkt, nun aber mit weiter gefassten Ausnahmen. Erhalten bleiben soll sie etwa fĂŒr Eltern von Kindern unter zwölf Jahren statt unter sieben Jahren.

Mehr Steuergeld als zunÀchst geplant

FĂŒr kĂŒnftig nicht mehr frei mitversicherte Partner sollen Kassenmitglieder ab 2028 einen Beitragszuschlag von 2,5 Prozent zahlen. Entschieden wurde auch, mehr Steuergeld bereitzustellen als zunĂ€chst vorgesehen. So soll der regulĂ€re Bundeszuschuss von 14,5 Milliarden Euro 2027 noch um 1,35 Milliarden sinken statt um zwei Milliarden Euro. Die Zahlungen des Bundes fĂŒr die Krankenkosten von Grundsicherungsbeziehern werden 2027 um eine Milliarde Euro erhöht. Änderungen gab es auch bei geplanten PreisabschlĂ€gen fĂŒr Pharmahersteller.

Generell zielt das Gesetz darauf, Anstiege der VergĂŒtungen bei allen Erbringern von Leistungen wie Ärzten und Kliniken zu begrenzen. Warken betonte, dies seien keine KĂŒrzungen. Nach derzeitiger Prognose seien 2027 Steigerungen bis zu 3,5 Prozent möglich. "Das ist alles andere als eine Nullrunde." Gestrichen werden sollen unter anderem homöopathische Leistungen auf Kassenkosten.

HausĂ€rzte sehen "wahllose KĂŒrzungen"

Gegen Einschnitte gibt es seit Wochen heftige Proteste aus dem gesamten Gesundheitswesen. Der HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverband sprach von "wahllosen KĂŒrzungen" und warnte vor lĂ€ngeren Wartezeiten. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisierte, die nun in Aussicht gestellten einmaligen 550 Millionen Euro seien nur "ein paar Tropfen auf den heißen Stein". Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen begrĂŒĂŸte den Beschluss, auch wenn er viele HĂ€rten enthalte. Jetzt seien Grundlagen gelegt, damit die BeitrĂ€ge 2027 stabil bleiben könnten. Das sei eine gute Nachricht fĂŒr 75 Millionen Versicherte.

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