Sparpaket, BeitrÀge

Sparpaket fĂŒr stabile BeitrĂ€ge - Zu viele Krankschreibungen?

12.10.2025 - 18:49:51 | dpa.de

Millionen Versicherte sind immer noch im Ungewissen: Wird ihre Krankenkasse in einigen Wochen schon wieder teurer? Zum 1.

Januar 2026 drohen die nĂ€chsten Beitragserhöhungen, wenn die Politik nicht bald und hart gegensteuert. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) peilt dazu jetzt ein Sparpaket an, das vor allem die stark steigenden Ausgaben fĂŒr die Kliniken bremsen soll. In der generellen Debatte um mehr Einsparungen bringen Ärzte lockerere Regeln ins Spiel, ab wann man eine Krankschreibung im Job braucht.

Unnötiger Aufwand fĂŒr Krankschreibungen?

Der Chef der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Die gesetzliche Möglichkeit fĂŒr Arbeitgeber, bereits in den ersten drei Tagen die Vorlage einer Krankschreibung zu verlangen, produziert Abertausende Arztbesuche, die aus unserer Sicht nicht zwingend notwendig wĂ€ren." Er schlug vor, dass man generell erst nach dem vierten oder fĂŒnften Krankheitstag eine Bescheinigung vorlegen muss.

Vorgeschrieben ist dies derzeit, wenn BeschĂ€ftigte lĂ€nger als drei Kalendertage arbeitsunfĂ€hig sind, also am vierten Tag. Es gilt aber auch: "Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Vorlage der Ă€rztlichen Bescheinigung frĂŒher zu verlangen." Laut Gassen dauerten gut ein Drittel der jĂ€hrlich 116 Millionen Krankschreibungen maximal drei Tage. Fielen sie weg, könnte das Gesundheitswesen demnach um 1,4 Millionen Arbeitsstunden oder 100 Millionen Euro Kosten entlastet werden.

Das Gesundheitsministerium kommentierte die Äußerung auf Anfrage zunĂ€chst nicht. FĂŒr die Regierung geht es jetzt um akute Kostensenkungen, damit die BeitrĂ€ge zum Jahreswechsel stabil bleiben können. Noch klafft eine LĂŒcke von zwei Milliarden Euro - trotz geplanter Finanzspritzen aus dem Etat fĂŒr 2026. Warken gab deswegen nun SparvorschlĂ€ge in die internen Beratungen.

Was kommt an Einsparungen zusammen?

Konkret sollen 100 Millionen Euro bei den Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) eingespart werden, also etwa Sachausgaben fĂŒr Porto und Werbeaktionen. Weitere 100 Millionen Euro gespart werden sollen bei Einzahlungen aus Kassenmitteln in einen Fonds zur Versorgungsforschung, wie es in einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Entwurfspapier heißt. Zuerst berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" darĂŒber.

Wie viel eine Regelung zur VergĂŒtung der Kliniken spart, wird im Papier nicht beziffert. Nach Kassenangaben könnte sie den Großteil der Zwei-Milliarden-Euro-LĂŒcke schließen. Der Chef des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt, sagte der dpa, es solle eine Klausel wegfallen, die Kliniken 2026 rund 1,7 Milliarden Euro ungerechtfertigte Zusatzeinnahmen verschafft hĂ€tte. Keinem Haus werde etwas weggenommen, der Einnahmeanstieg aber auf ein angemessenes Maß begrenzt. "Das ist ein ebenso wichtiger wie ĂŒberfĂ€lliger Schritt", sagte Blatt.

Regierung bei BeschlĂŒssen unter Zeitdruck

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft protestierte: Erst vor zwei Jahren sei es eingefĂŒhrt worden, dass Kliniken einen vollen Inflationsausgleich fĂŒr gestiegene Kosten erhalten - wenn die Ministerin dies abschaffe, schicke sie die Kliniken erneut in einen "kalten Strukturwandel". GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte dem "Tagesspiegel", Warken versuche mit hektischen Eingriffen, die LĂŒcke der Kassen zu kaschieren - aber nicht, sie strukturell zu lösen. Der Sozialverband Deutschland warnte, solche Kurzschlusshandlungen dienten lediglich der Verschleierung möglicher Beitragssteigerungen.

Die Bundesregierung steht bei BeschlĂŒssen fĂŒr weitere Maßnahmen unter Zeitdruck. An diesem Mittwoch tagt das Kabinett - und ein SchĂ€tzerkreis legt seine Prognose fĂŒr die Finanzentwicklung der Kassen fĂŒr 2026 vor. Sie ist eine wichtige Orientierung dafĂŒr, ob Bedarf fĂŒr Beitragsanhebungen besteht. Erst Anfang 2025 hatte es eine Welle krĂ€ftiger Erhöhungen der ZusatzbeitrĂ€ge gegeben, die die Kassen je nach Finanzlage fĂŒr ihre Versicherten festlegen.

Weitere Kostensenkungen nötig?

GKV-Chef Blatt sagte, ob die vorgelegten Maßnahmen ausreichten, um 2026 die durchschnittlichen Ausgaben mit den durchschnittlichen Einnahmen in Einklang zu bringen, werde Gegenstand der Beratungen im SchĂ€tzerkreis sein. "Was fehlt, ist ein Stabilisierungsbeitrag vor allem der Pharmaindustrie und der niedergelassenen Ärzteschaft", mahnte er. "Auch hier wĂ€re eine Begrenzung des Ausgabenanstiegs dringend notwendig und richtig."

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