Siemens Energy mit ungebremster Nachfrage - Gewinn im WindgeschÀft
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 13:42 Uhr | dpa.de(neu: Kurs, Aussagen aus der Analystenkonferenz)
MĂNCHEN (dpa-AFX) - Die GeschĂ€fte von Siemens Energy DE000ENER6Y0 laufen weiter rund. Das Unternehmen steigerte im dritten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich und ĂŒbertraf dabei die Erwartungen der Analysten. Die seit Jahren schwĂ€chelnde Windenergietochter Gamesa kehrte zudem in die schwarzen Zahlen zurĂŒck und erzielte den ersten Gewinn in einem Quartal seit 2022. Die erst im FrĂŒhjahr angehobene Prognose bestĂ€tigte Siemens Energy, ist fĂŒr die Marge nun jedoch etwas positiver gestimmt.
Der Energietechnikkonzern, der kĂŒnftig unter dem Namen Omterra firmieren wird, profitiert von einem sprunghaften Anstieg des Strombedarfs, der durch den massiven Ausbau von Rechenzentren, die KI-Anwendungen betreiben, neue Fabriken und die allgemeine Elektrifizierung verursacht wird. Vor allem die Nachfrage nach Gasturbinen und Netztechnik ist hoch.
Die im Dax DE0008469008 notierte Aktie zeigte sich am Mittwoch volatil. Stieg sie zu Handelsbeginn zunĂ€chst um mehr als fĂŒnf Prozent, gab sie im Laufe des Vormittags die Gewinne wieder ab und drehte ins Minus. Auch der Dax verlor an Schwung, nachdem er zunĂ€chst noch auf ein Rekordhoch geklettert war.
Zuletzt lag der Anteilschein um gut ein Prozent im Minus. Die Aktie war in den vergangenen Monaten im Zuge von Sorgen um die Nachhaltigkeit von KI-Investitionen unter die RÀder geraten. Dennoch kommt der Kurs im laufenden Jahr immer noch auf fast 24 Prozent Gewinn. In den vergangenen Jahren gehörte das Unternehmen zudem zu den erfolgreichsten an der Börse.
Analysten attestierten Siemens Energy einen starken Quartalbericht. Der Energietechnikkonzern habe querbeet die Erwartungen ĂŒbertroffen, schrieb Phil Buller von JPMorgan. Das Unternehmen habe die Ziele leicht erhöht, aus Anlageperspektive gebe es keinen Anlass fĂŒr Skepsis. Die Auftragslage bei Gaskraftwerken sei beeindruckend, fĂŒgte Bernstein-Experte Alasdair Leslie hinzu.
So stieg der Auftragseingang auf vergleichbarer Basis um 8,5 Prozent auf 17,9 Milliarden Euro, wie Siemens Energy mitteilte. Dabei ausgeklammert sind WÀhrungs- und Portfolioeffekte. Analysten hatten hier mit deutlich weniger gerechnet. Angetrieben wurde das NeugeschÀft durch einen Rekordauftragseingang in der Gas-Sparte. Den Anteil des NeugeschÀfts im Zusammenhang mit KI-Rechenzentren bezifferte Konzernchef Christian Bruch auf rund 20 Prozent. Auch das NetzgeschÀft legte deutlich zu.
Hingegen verzeichnete Gamesa einen herben Einbruch beim Auftragseingang. Zwar hatte der Windturbinenbauer im Vorjahr von GroĂauftrĂ€gen fĂŒr Meeresanlagen profitiert, allerdings zögerten Kunden derzeit auch ihre Investitionsentscheidungen gerade im Offshore-Bereich hinaus - zum einen wegen der Kosten zum anderen wegen eines schwieriger werdenden politischen Umfeldes. Hier mĂŒsse etwas "passieren", appellierte Bruch an die Politik.
Der Konzernumsatz kletterte auf vergleichbarer Basis um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Dabei legten alle Bereiche zu. Das Ergebnis vor Sondereffekten sprang um mehr als das Dreifache auf 1,6 Milliarden Euro. Auch hier verbesserten sich alle Sparten. Das Gas-GeschÀft verzeichnete auch hier einen Rekordwert. Das Wachstumstempo wird der Bereich jedoch im vierten Quartal wohl nicht aufrechterhalten können. Finanzchefin Maria Ferraro geht nach Aussagen aus der Analystenkonferenz von einem schwÀcheren Quartal der Sparte aus - gefolgt dann wieder von einem starken ersten Halbjahr 2026/27.
Gamesa erzielte im dritten Quartal einen operativen Gewinn von 75 Millionen Euro, nach einem Verlust von 438 Millionen im Vorjahr. Analysten hatten mit einem deutlich kleineren Gewinn gerechnet. Dabei profitierte das GeschÀft von ProduktivitÀtssteigerungen und einer höheren Kosteneffizienz. An seinem Ziel, in diesem Jahr die Gewinnschwelle zu erreichen, hielt Siemens Energy fest.
Ebenfalls positiv entwickelte sich die Sparte Transformation of Industry, die sich an Industriekunden wendet. Der Bereich könnte zur Disposition stehen, möglich wĂ€re etwa eine Abspaltung. Eine Entscheidung darĂŒber oder einen Zeitplan dafĂŒr gibt es jedoch noch nicht, wie Bruch betonte. "Das ist nichts, was wir in Hektik machen." Klar sei jedoch auch, dass das GeschĂ€ft sich von den Energie-Sparten komplett unterscheide. Die beiden Bereiche kĂ€mpften dabei um die gleichen Kapitalressourcen und die Aufmerksamkeit bei Investitionen.
Das "Handelsblatt" berichtete ebenfalls am Mittwoch, dass es Ende August eine Aufsichtsratssitzung zu dem Thema geben soll - auch hier sei noch nicht mit einer Entscheidung zu rechnen. Die Sparte mit mehr als 15.000 Mitarbeitern bietet unter anderem Energieinfrastruktur fĂŒr die Industrie, Kompressoren fĂŒr die Ălbranche und Wasserstoff-Elektrolyseure.
Auch unter dem Strich fuhr Siemens Energy deutlich mehr Gewinn ein als noch vor Jahresfrist. Die MittelzuflĂŒsse stiegen im Quartal von 419 Millionen im Vorjahr auf 2,3 Milliarden Euro. Dabei profitierte das Unternehmen von Kundenanzahlungen, einschlieĂlich ReservierungsgebĂŒhren, im Zusammenhang mit dem deutlich höheren Auftragseingang.
Den Ausblick bestĂ€tigte der Konzern. Siemens Energy rechnet fĂŒr den um WĂ€hrungs- und Portfolioeffekte bereinigten Umsatz im laufenden GeschĂ€ftsjahr (bis Ende September) mit einem Zuwachs von 14 bis 16 Prozent. Die Ergebnismarge vor Sondereffekten soll 10 bis 12 Prozent erreichen, wobei das Management um Konzernchef Christian Bruch nun tendenziell vom oberen Ende der Spanne ausgeht. Beim Gewinn nach Steuern werden weiter rund 4 Milliarden Euro angepeilt.
