Wird ein Krieg zwischen USA und dem Iran wahrscheinlicher?
19.02.2026 - 06:35:01 | dpa.deAngesprochen auf AbwĂ€gungen von US-PrĂ€sident Donald Trump zu einem möglichen militĂ€rischen Vorgehen gegen den Iran sagte US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt, es gebe viele Argumente, die man fĂŒr einen Angriff anbringen könnte. Zugleich bekrĂ€ftigte sie aber, dass Diplomatie immer die erste Wahl Trumps sei. FĂŒr den Iran wĂ€re es "sehr klug", ein Abkommen mit dem US-PrĂ€sidenten zu treffen, sagte Leavitt.
Berichte ĂŒber möglichen Kriegsbeginn
Der US-Sender CBS News zitierte informierte Quellen, wonach ranghohe nationale Sicherheitsbeamte Trump mitgeteilt hĂ€tten, dass das MilitĂ€r bereit sei, bereits am Samstag Angriffe auf den Iran durchzufĂŒhren. Trump habe aber noch keine endgĂŒltige Entscheidung ĂŒber einen möglichen Angriff getroffen. Das WeiĂe Haus wĂ€ge derzeit die "Risiken einer Eskalation und die politischen und militĂ€rischen Folgen einer ZurĂŒckhaltung" ab, berichtete der Sender.
Das US-Nachrichtenportal "Axios" zitierte ebenfalls namentlich nicht genannte Quellen, wonach die US-Regierung nĂ€her vor einem groĂen Krieg stehe, als den meisten Amerikanern bewusst sei. Er könne schon "sehr bald" beginnen und wĂŒrde "dramatische Auswirkungen" auf die gesamte Region haben, hieĂ es. Auch in israelischen Medien wird ĂŒber eine mögliche militĂ€rische Konfrontation zwischen den USA und dem Iran spekuliert, die demnach schon in den nĂ€chsten Tagen beginnen könne und wohl mehrere Wochen dauern wĂŒrde.
Skepsis nach Verhandlungen bleibt groĂ
Am Dienstag hatte es in Genf eine zweite Runde an Verhandlungen zwischen Washington und Teheran unter anderem ĂŒber Irans umstrittenes Atomprogramm gegeben. Der Iran dĂ€mpfte danach die Hoffnung auf einen raschen Durchbruch. AuĂenminister Abbas Araghtschi sagte, der Weg zu einer Einigung habe begonnen. Aus US-Regierungskreisen hieĂ es, es seien zwar Fortschritte erzielt worden, es gebe aber noch viele Details zu klĂ€ren.
Ein ranghoher US-Beamter sagte, die iranische Seite wolle in den kommenden zwei Wochen mit "detaillierten VorschlĂ€gen zurĂŒckkommen, um einige der offenen Differenzen zwischen unseren Positionen zu klĂ€ren". Die USA wollen verhindern, dass die FĂŒhrung in Teheran in den Besitz von Atomwaffen gelangt. Irans Regierung zeigt sich bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen, fordert im Gegenzug jedoch die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen. Andere Themen wie eine Begrenzung seines Raketenprogramms schlieĂt Teheran bislang aus.
Bericht: Auch der Iran bereitet sich auf möglichen Krieg vor
Die iranische FĂŒhrung strebe ein Atomabkommen mit den USA an, bereite sich jedoch gleichzeitig eilig auf einen Krieg vor, falls die Verhandlungen zwischen den beiden LĂ€ndern scheitern sollten, berichtete das "Wall Street Journal". Teheran verstĂ€rke das MilitĂ€r, diversifiziere Entscheidungsbefugnisse, befestige die Atomanlagen und gehe verstĂ€rkt gegen Abweichler im eigenen Land vor. Die MaĂnahmen spiegelten die Ăberzeugung der iranischen FĂŒhrung wider, dass das Ăberleben des Machtapparates selbst auf dem Spiel steht, hieĂ es.
Die USA haben in den vergangenen Wochen ihre militĂ€rische PrĂ€senz im Nahen Osten unter anderem mit dem FlugzeugtrĂ€ger "USS Abraham Lincoln" deutlich verstĂ€rkt. Inzwischen wurde ein zweiter FlugzeugtrĂ€ger in die Region entsandt. Auch weitere Kriegsschiffe, Luftabwehrsysteme und Jagdgeschwader befinden sich nach Informationen der US-Zeitung "Wall Street Journal" bereits in der Golfregion. Laut "Axios" transportierte das US-MilitĂ€r auf mehr als 150 FlĂŒgen Waffensysteme und Munition in den Nahen Osten. Zudem seien alleine in den vergangenen 24 Stunden weitere 50 Kampfflugzeuge dorthin aufgebrochen.
Sollte es zum Krieg kommen, dĂŒrften die USA wieder gemeinsam mit dem VerbĂŒndeten Israel vorgehen, zitierten "Axios" und der US-Sender CNN informierte Quellen. Ein militĂ€risches Vorgehen wĂŒrde dabei umfangreicher sein als der von Israel gefĂŒhrte zwölftĂ€gige Krieg gegen den Erzfeind im Juni 2025, dem sich die USA angeschlossen hatten, hieĂ es. Israels Angriff erfolgte damals nur einen Tag vor einer geplanten Runde weiterer Verhandlungen zwischen Washington und Teheran ĂŒber Irans Atomprogramm. Das US-MilitĂ€r schloss sich knapp eine Woche spĂ€ter Israel an und bombardierte Irans Atomanlagen.
Bericht: Israel erhöht Alarmbereitschaft
Der Iran reagierte damals mit massivem Raketenbeschuss israelischer StĂ€dte, darunter auch Tel Aviv. Israel habe jetzt erneut seine Alarmbereitschaft erhöht und verstĂ€rke seine militĂ€rischen Vorbereitungen angesichts zunehmender Anzeichen fĂŒr einen möglichen gemeinsamen Angriff der USA und Israels auf den Iran in den kommenden Tagen, zitierte CNN zwei israelische Quellen. Sollte es wirklich dazu kommen, könnte es die folgenreichste US-MilitĂ€rintervention im Nahen Osten seit mindestens einem Jahrzehnt sein, schrieb "Axios".
Rubio nÀchste Woche in Israel erwartet
US-AuĂenminister Marco Rubio will am 28. Februar zu GesprĂ€chen mit MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu nach Israel reisen, teilte ein ranghoher US-Beamter der Deutschen Presse-Agentur mit. Details zu den geplanten GesprĂ€chsinhalten wurden zunĂ€chst nicht genannt. Erst vergangene Woche hatte sich Netanjahu mit US-PrĂ€sident Trump in Washington getroffen.
Trump hatte dabei nach eigenen Worten darauf "bestanden", dass die Verhandlungen mit Teheran weitergefĂŒhrt werden, um herauszufinden, ob ein Deal möglich sei. Israel warnt jedoch schon seit langem vor einem Abkommen mit dem Iran, das sich nur auf das Atomprogramm des Landes beschrĂ€nkt. Der jĂŒdische Staat fordert, dass der Erzfeind auch das Arsenal ballistischer Raketen und die UnterstĂŒtzung seiner VerbĂŒndeten in der Region herunterfĂ€hrt.
Israels PrÀsident hofft auf Machtwechsel im Iran
Aus Sicht Israels bedroht der Iran mit seinen möglichen PlĂ€nen, atomare Waffen herzustellen, die Existenz des jĂŒdischen Staates. Teheran bestreitet, solche Ziele zu verfolgen. Israels PrĂ€sident Izchak Herzog hofft nach eigenen Worten auf ein Ende der gegenwĂ€rtigen FĂŒhrung der Islamischen Republik und ihrer VerbĂŒndeten. Dazu zĂ€hlen die palĂ€stinensische Terrororganisation Hamas im Gazastreifen, die Hisbollah-Miliz im Libanon und die Huthi-Miliz im Jemen.
"Ich hoffe und bete aufrichtig, dass diese Herrschaft des Terrors endet und wir eine andere Ăra im Nahen Osten erleben werden - eine, in der all diese Stellvertreter verschwunden sind und es eine andere Zukunft fĂŒr die Kinder des Nahen Ostens gibt", sagte Israels PrĂ€sident nach Angaben seines BĂŒros.
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