Nebius, Aktie

Nebius Aktie: 775-Millionen-Kredit von MUFG

Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nebius sichert sich 775 Millionen Dollar Kredit für KI-Cloud-Infrastruktur. Aktie erholt sich leicht, bleibt aber unter Druck.

Nebius Group: 775-Millionen-Dollar-Kredit für KI-Cloud-Ausbau
Abstrakte, atmosphärische Darstellung einer großen Finanztransaktion oder Unternehmensfinanzierung im Unternehmenssektor. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Nebius Group hat sich Anfang Juli frisches Fremdkapital gesichert, um den Ausbau seiner KI-Cloud-Infrastruktur zu finanzieren. Am 10. Juli 2026 schloss das Unternehmen einen besicherten Kredit über 775 Millionen US-Dollar ab, geführt von der japanischen Großbank MUFG. Die Fazilität läuft bis zum 31. Oktober 2030 und ist mit SOFR plus 2,50 Prozent verzinst. Besichert wird der Kredit durch bereits eingesetzte GPU-Infrastruktur sowie durch vertraglich zugesicherte Zahlungsströme eines Kunden mit Investment-Grade-Rating.

An dem Konsortium beteiligten sich neben MUFG auch ABN AMRO, Bank of America, Deutsche Bank, HSBC, Citi, Crédit Agricole, ING, Morgan Stanley und Goldman Sachs. Die Fazilität war überzeichnet. Nebius plant, das Finanzierungsmodell künftig auch auf einen Teil der vertraglich gesicherten Erlöse von mehr als 40 Milliarden US-Dollar aus den Verträgen mit Microsoft und Meta anzuwenden. Firmen-COO Ophir Nave sprach von einem "disziplinierten, diversifizierten Ansatz" bei der Kapitalstruktur des Unternehmens.

Aktie erholt sich am Freitag, bleibt aber unter Druck

Nach Wochen mit hohem Abgabedruck zeigte die Nebius-Aktie am Freitag eine Gegenbewegung und schloss bei 155,52 Euro, ein Plus von 3,62 Prozent. Der Erholungsversuch ändert wenig am Bild der vergangenen Wochen: Über 30 Tage steht ein Kursrückgang von 36,35 Prozent zu Buche. Der Relative-Stärke-Index von 37,4 signalisiert, dass der Titel technisch eher überverkauft als überkauft ist.

Der Ausverkauf traf Nebius im Sog der gesamten KI-Infrastrukturbranche. Auslöser war unter anderem die Sorge, dass Meta über den eigenen Cloud-Dienst Meta Compute externe Anbieter wie CoreWeave künftig weniger benötigen könnte – eine Befürchtung, die auch auf Nebius als Cloud-Anbieter für KI-Rechenleistung abfärbte. CoreWeave selbst verlor im selben Zeitraum rund 35 Prozent seines Wertes.

Investor Jim Cramer äußerte sich am 16. Juli zurückhaltend zu Nebius. Er bezeichnete das Unternehmen zwar als "sehr gutes Geschäft", sah den Einstiegszeitpunkt für Anleger aber als ungünstig an. Zum Zeitpunkt seiner Äußerung notierte die Aktie rund 42 Prozent unter ihrem Jahreshoch. Als technische Unterstützungszone nannte er eine Spanne zwischen 122 und 137 US-Dollar. Verstärkt wurde die Vorsicht durch Insiderverkäufe: Innerhalb von 90 Tagen registrierten Meldepflichtige laut US-Börsenaufsichtsunterlagen 33 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von rund 27,8 Millionen US-Dollar.

Wachstum trifft auf Bewertungsdebatte

Operativ liefert Nebius weiterhin steile Wachstumsraten. Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 399 Millionen US-Dollar, ein Plus von 684 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA lag bei 129,5 Millionen US-Dollar. Der ausgewiesene Nettogewinn von 621,2 Millionen US-Dollar enthielt jedoch einen Bewertungsgewinn aus Investments in Höhe von 780,6 Millionen US-Dollar – bereinigt weitete sich der Nettoverlust auf 100,3 Millionen US-Dollar aus. Gleichzeitig kletterten die Investitionsausgaben um 355 Prozent auf 2,47 Milliarden US-Dollar, ein Beleg für das Tempo des Infrastrukturausbaus.

Die Bewertung der Aktie bleibt umstritten. Nebius handelt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 61,9, deutlich über dem Softwarebranchen-Durchschnitt von 28,6. Analysten von Simply Wall St setzen den fairen KGV-Wert bei 70,1 an, was auf eine Unterbewertung hindeuten würde – im optimistischen Szenario um 28 Prozent, im pessimistischen Szenario sehen Kritiker dagegen eine Überbewertung von bis zu 48 Prozent. Als zentrales Risiko gilt, ob Nebius die hohen Investitionen in dauerhafte Erträge umwandeln kann.

Der neue Kreditrahmen soll genau hier ansetzen: Indem Nebius seine langfristigen Kundenverträge mit Microsoft und Meta als Sicherheit nutzt, verschafft sich das Unternehmen zusätzlichen finanziellen Spielraum, ohne unmittelbar auf Eigenkapital zurückgreifen zu müssen. Ob dies ausreicht, um das Vertrauen der Anleger nach den heftigen Kursschwankungen der vergangenen Wochen zurückzugewinnen, dürfte sich in den kommenden Quartalszahlen zeigen.

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