Nebius Aktie: Alphabet öffnet die Tür
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 15:16 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ausgerechnet ein Satz von Google-Mutter Alphabet schickt Nebius auf Erholungskurs. Finanzchefin Anat Ashkenazi kündigte an, ihr Konzern werde stärker auf externe Rechenkapazität setzen. Für die sogenannten Neoclouds ist das ein Signal mit Gewicht.
Alphabet meldet Kapazitätsengpass
Nach den Zahlen zum zweiten Quartal hob Alphabet seine Investitionsprognose für 2026 kräftig an. Statt 180 bis 190 Milliarden Dollar plant der Konzern nun mit 195 bis 205 Milliarden Dollar. Grund ist die schnellere Auslieferung von Rechenkapazität an Kunden.
Ashkenazi sagte auf der Telefonkonferenz, Alphabet wolle im dritten Quartal verstärkt auf externe Anbieter zurückgreifen. Sie nannte das eine Brückenstrategie, während der eigene Kapazitätsaufbau nachzieht. Die Nachfrage übersteigt offenbar selbst die aggressive Ausbauplanung des Konzerns.
Die Aussage traf einen Nerv. Google-Rivale Microsoft least bereits seit längerem Kapazität von externen Anbietern wie CoreWeave und Nebius. Nach Ashkenazis Kommentaren schossen die Aktien beider Unternehmen im nachbörslichen Handel nach oben, IREN zog ebenfalls mit an.
Warum das für Nebius zählt
Nebius vermietet Rechenkapazität an Kunden, die selbst nicht schnell genug bauen können. Nennt ausgerechnet Alphabet externe Anbieter als Teil seiner Strategie, hat das für das Unternehmen besonderes Gewicht.
Der aktuelle Kurs von 194,46 Euro zeigt trotzdem: Die Aktie steckt noch mitten in einer Korrektur. Seit dem Rekordhoch von 261,00 Euro am 22. Juni fehlen gut ein Viertel des Werts. Auf Zwölfmonatssicht bleibt allerdings ein Plus von 337,97 Prozent stehen — die aktuelle Schwäche relativiert sich im größeren Bild.
Analysten sehen Wachstumsstory intakt
Die Erholung fällt in eine Phase, in der Nebius ohnehin verstärkt Aufmerksamkeit von Wall-Street-Analysten bekommt. Das Analysehaus Baird hebt hervor, dass das Unternehmen einen Großteil seiner Infrastruktur selbst besitzt, Hardware im eigenen Haus entwickelt und mit der Inferenz-Plattform Token Factory ein eigenes Softwareprodukt aufgebaut hat. Baird erwartet deshalb, dass Nebius zu den am schnellsten wachsenden Anbietern der Branche zählt.
Risiken blendet das Analysehaus nicht aus. Metas geplante Cloud-Initiativen und mögliche regulatorische Hürden beim Bau neuer Rechenzentren nennt Baird als Belastungsfaktoren. Die Nachfrage nach KI-Rechenleistung schätzt die Bank aber als so robust ein, dass ungenutzte Kapazität großer Kunden von anderen Unternehmen aufgefangen werden könnte.
Die hohe Schwankungsbreite der Aktie unterstreicht, wie stark Nebius auf Nachrichten aus dem Hyperscaler-Umfeld reagiert. Eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von 111,41 Prozent bedeutet: Schon einzelne Kommentare von Konzernen wie Alphabet können den Kurs deutlich bewegen.
Anfang August legt Nebius die nächsten Quartalszahlen vor. Dann zeigt sich, ob die Nachfragesignale der Hyperscaler bereits in konkrete Verträge und höhere Kapazitätsauslastung münden. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 199,34 Euro, knapp über dem aktuellen Kurs — ein Bereich, an dem sich die kurzfristige Richtung entscheiden dürfte.
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