Nebius Aktie: Meta und Microsoft sichern 44 Milliarden
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 09:50 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nebius Group hat einen der stĂ€rksten Handelstage seiner noch jungen Börsengeschichte hinter sich. Auslöser war eine SEC-Meldung: Nvidia bestĂ€tigte am 21. Juli 2026 in einem Schedule-13G-Filing, dass der Chip-Konzern nun 9,3 Prozent an dem niederlĂ€ndischen Cloud-Anbieter hĂ€lt. Die Nachricht lieĂ die Aktie in New York um bis zu 19 Prozent nach oben schieĂen. Am Dienstag schloss der Titel 19,02 Prozent höher bei 190,48 Euro, wie aktuelle Kursdaten zeigen. Trotz des Sprungs bleibt die Aktie 27,02 Prozent von ihrem 52-Wochen-Hoch entfernt, das sie im Juni markiert hatte.
Warrant aus MĂ€rz-Investment macht Nvidia zum GroĂaktionĂ€r
Die neue Beteiligung geht auf eine bereits im MĂ€rz 2026 verkĂŒndete Investition von zwei Milliarden Dollar zurĂŒck. Laut der SEC-Einreichung hĂ€lt Nvidia insgesamt 22,26 Millionen Aktien, davon jedoch nur 1,19 Millionen als direkten Bestand. Der weit gröĂere Teil, gut 21 Millionen Aktien, stammt aus einem vorfinanzierten Warrant mit einem AusĂŒbungspreis von lediglich 0,0001 Dollar. Dieser Optionsschein lĂ€sst sich nach den Filing-Bedingungen erst ab dem 11. September 2026 einlösen oder verkaufen â Nvidia bleibt bis dahin faktisch ein passiver, gebundener Investor. Nvidia-Chef Jensen Huang hatte Nebius laut The Motley Fool bereits auf der Computex als "world-class AI cloud" bezeichnet; nach eigenen Angaben des Berichts entfallen inzwischen rund zwölf Prozent des Investmentportfolios von Nvidia auf die Beteiligung an Nebius.
Die operative Entwicklung stĂŒtzt die Neubewertung. Im ersten Quartal erzielte Nebius einen Umsatz von 399 Millionen Dollar, ein Plus von 684 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum. Der annualisierte Auftragsbestand im KI-ServicegeschĂ€ft lag laut The Motley Fool bei 1,92 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von 674 Prozent. Das Unternehmen selbst strebt bis Jahresende eine jĂ€hrliche Erlösrate von sieben bis neun Milliarden Dollar an. Hinzu kommen milliardenschwere AbnahmevertrĂ€ge: Meta hat sich laut CNBC zu einem Vertrag ĂŒber bis zu 27 Milliarden Dollar verpflichtet, Microsoft folgte mit einer mehrjĂ€hrigen Vereinbarung ĂŒber 17 Milliarden Dollar. Erst kĂŒrzlich kam ein weiterer Auftrag hinzu â ein Rechenleistungsdeal mit Reflection AI im Volumen von ĂŒber einer Milliarde Dollar, der bis 2029 lĂ€uft.
Analysten ĂŒberwiegend bullish, Bewertung bleibt Diskussionspunkt
Die Investmentbank Baird nahm die Nebius-Aktie am 21. Juli mit dem Rating Outperform und einem Kursziel von 250 Dollar in die Coverage auf und verwies auf die Positionierung als vollintegrierter Anbieter mit eigenem "Token-Factory"-Inferenzdienst. Freedom Capital Markets stufte den Titel im Zuge der Nvidia-Nachricht ebenfalls auf Buy hoch. Laut Investopedia fĂŒhrt Citi ein Kaufrating mit einem Kursziel von 287 Dollar. Nicht alle HĂ€user teilen den Optimismus uneingeschrĂ€nkt: D.A. Davidson-Analyst Gil Luria bewertet die Aktie neutral. Insgesamt ergibt sich unter den Analysten eine mehrheitlich positive EinschĂ€tzung mit einem mittleren Kursziel von rund 238 Dollar.
Kritischer fĂ€llt die Bewertungsdiskussion aus. Nebius handelt nach mehreren Berichten mit einem Kurs-Gewinn-VerhĂ€ltnis im Bereich von 60 bis ĂŒber 80, verglichen mit rund 28 im Softwaresektor â bei einem Unternehmen, das operativ noch nicht profitabel ist und einen deutlich negativen freien Cashflow ausweist. Zur Finanzierung des Wachstums hat Nebius vor der Nvidia-Meldung eine mit GPU-Infrastruktur besicherte KreditfazilitĂ€t ĂŒber 775 Millionen Dollar aufgenommen. Das Unternehmen plant, seine RechenzentrumskapazitĂ€t bis 2030 auf mehr als fĂŒnf Gigawatt auszubauen.
Chairman-Verkauf im Rahmen eines Handelsplans
Verwaltungsratsvorsitzender John Boynton verĂ€uĂerte am 15. Juli 2026 rund 6.958 Aktien im Wert von etwa 1,4 Millionen Dollar zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 197 Dollar. Die zugehörige Meldung an die US-Börsenaufsicht weist die Transaktion als Verkauf im Rahmen eines vorab eingerichteten Rule-10b5-1-Handelsplans aus â also als planmĂ€Ăige, im Voraus festgelegte Transaktion und nicht als spontane Insiderentscheidung. Boynton hĂ€lt nach dem Verkauf, der rund zwei Prozent seines Bestands ausmachte, weiterhin etwa 421.000 Aktien im Wert von 84 Millionen Dollar.
Die nĂ€chste BewĂ€hrungsprobe steht bereits bevor: Nebius will seine Quartalszahlen am 29. Juli 2026 vorlegen. Angesichts der zuletzt stark schwankenden Kursbewegung â die Aktie hatte im Vormonat noch deutlich verloren, bevor die Nvidia-Nachricht den Trend drehte â dĂŒrfte der Bericht zeigen, ob das rasante Umsatzwachstum mit den milliardenschweren VertrĂ€gen und dem KapazitĂ€tsausbau Schritt hĂ€lt.
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