ROUNDUP, LĂ€nder

LÀnder stoppen EntlastungsprÀmie der Regierung

08.05.2026 - 16:25:28 | dpa.de

(neu: genaues Abstimmungsergebnis im 2. und 3.

Absatz.)

BERLIN (dpa-AFX) - Die geplante PrĂ€mie von bis zu 1.000 Euro zur Entlastung der Arbeitnehmer steht auf der Kippe. Der Bundesrat hat die Maßnahme zur Abfederung der wegen des Iran-Kriegs drastisch gestiegenen Energiepreise vorerst gestoppt. FĂŒr die ohnehin schon kriselnde Bundesregierung bedeutet die ĂŒberraschende Ablehnung eine weitere bittere Schlappe nur zwei Tage nach ihrem einjĂ€hrigen Jahrestag. Ob die PrĂ€mie nun ĂŒberhaupt noch eine Chance hat, ist fraglich. Aufschluss darĂŒber könnte ein Treffen der Koalitionsspitzen am Dienstag bringen.

Nur 15 von 69 Stimmen fĂŒr die PrĂ€mie

FĂŒr die PrĂ€mie stimmten in der LĂ€nderkammer nur Hamburg, Bremen, Niedersachsen und das Saarland - alles SPD-gefĂŒhrte LĂ€nder mit zusammen 15 Stimmen. Die absolute Mehrheit, die fĂŒr eine Zustimmung notwendig gewesen wĂ€re, liegt bei 35. FĂŒnf LĂ€nder mit zusammen 21 Stimmen sagten Nein zu dem Gesetz. Sieben LĂ€nder mit insgesamt 33 Stimmen enthielten sich.

Am Donnerstagabend hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) noch mit den MinisterprĂ€sidenten der Union beim sogenannten KamingesprĂ€ch um eine Einigung gerungen. ZunĂ€chst war eine Vertagung der Abstimmung im GesprĂ€ch, dann ließ man das Thema doch auf der Tagesordnung.

Bundesregierung legt sich noch nicht fest

Die Bundesregierung wollte sich nach der Ablehnung im Bundesrat noch nicht auf das weitere Vorgehen festlegen. Die Regierung halte grundsĂ€tzlich an dem Plan fest, angesichts der gestiegenen Energiepreise eine weitere Entlastung fĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger zu erzielen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer. "Über die weiteren Verfahrensschritte wird die Bundesregierung zeitnah entscheiden." Es werde dazu "sicherlich auch weitere GesprĂ€che mit den LĂ€ndern" geben.

Ob die Bundesregierung den Vermittlungsausschuss von Bund und LĂ€ndern anrufen wird, um Nachverhandlungen zu ermöglichen, ließ Meyer offen. Er verwies darauf, dass auch die geplante Einkommensteuerreform Entlastungsmöglichkeiten biete. Sie soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Die GesprĂ€che darĂŒber in der Koalition sind aber noch ganz am Anfang.

PrÀmie war ein Ergebnis der Sitzung in der Villa Borsig

Die schwarz-rote Regierung hatte die PrĂ€mie Mitte April bei einer sehr konfrontativen Sitzung des Koalitionsausschusses in der Villa Borsig in Berlin beschlossen - als eine von zwei Maßnahmen neben einem Tankrabatt von 17 Cent, ĂŒber den Bundeskanzler Merz zuletzt gesagt hatte: "Er funktioniert so leidlich."

Die Sitzung in der Villa gilt inzwischen als Tiefpunkt der Koalition, weil der eigentliche Plan scheiterte, auch bei den anstehenden großen Reformprojekten zu Ergebnissen zu kommen. Der damals beschlossene Gesetzentwurf sieht vor, dass Arbeitgeber ihren BeschĂ€ftigten die nicht zu versteuernde PrĂ€mie in diesem Jahr und bis zum 30. Juni 2027 zahlen können. Zur BegrĂŒndung heißt es, der Iran-Krieg habe massive wirtschaftliche Verwerfungen mit sich gebracht und werde fĂŒr viele BĂŒrgerinnen und BĂŒrger in Deutschland zunehmend zu einer großen Belastung.

Widerstand von Wirtschaft und LĂ€ndern von Anfang an

Von Anfang an gab es aber Widerstand gegen die Maßnahme. Die Bundesregierung vertritt die Auffassung, dass alle zur Entlastung beitragen mĂŒssen: Bund, LĂ€nder und Unternehmen. Die Wirtschaft fĂŒhlt sich verschaukelt, weil sie mitten in der Wirtschaftskrise keine zusĂ€tzlichen Ausgaben akzeptieren will. Und die LĂ€nder stören sich an der Kostenverteilung der Steuerentlastung.

Die von ihr verursachten SteuerausfĂ€lle mĂŒssten zu fast zwei Dritteln von LĂ€ndern und Kommunen getragen werden, heißt es. Die zur Gegenfinanzierung vorgesehene Erhöhung der Tabaksteuer komme aber allein dem Bund zu, es gebe fĂŒr LĂ€nder und Kommunen also keine Kompensation. Aus Sicht der LĂ€nder ist dies ein weiteres Beispiel dafĂŒr, dass der Bund immer wieder Maßnahmen beschließt, die finanziell zulasten von LĂ€ndern und Kommunen gehen.

Weiterer Kritikpunkt: Es ist völlig offen, wer die PrĂ€mie ĂŒberhaupt bekommt. Die Entscheidung liegt ja bei den Arbeitgebern. Die Bundesregierung selbst will von der Möglichkeit beispielsweise keinen Gebrauch machen, um die öffentlichen Haushalte nicht zu belasten.

Forderungen nach alternativer Entlastung

Wegen des massiven Widerstands scheint es wahrscheinlich, dass die PrĂ€mie ad acta gelegt und eine Lösung ĂŒber die Einkommensteuerreform gefunden wird. Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte: "Wir wollen gerne mit der Bundesregierung darĂŒber sprechen: Was können wir statt der EntlastungsprĂ€mie fĂŒr eine Entlastung auf den Weg bringen, eine Entlastung, die dauerhaft ist und die bei vielen ankommt?"

Ähnlich Ă€ußerte sich Sachsen-Anhalts MinisterprĂ€sident Sven Schulze (CDU), der neue VorschlĂ€ge der Regierung forderte. "Wir sind fĂŒr GesprĂ€che, fĂŒr Verhandlungen immer bereit", sagte er. "Aber eines muss bei diesen GesprĂ€chen klar sein: Es muss dann auch Entlastungen geben, die wirklich bei den Menschen in ganz Deutschland ankommen." Auch Schleswig-Holsteins MinisterprĂ€sident Daniel GĂŒnther (CDU) forderte, nun "ĂŒber andere Maßnahmen" zu sprechen.

Eine Idee fĂŒr einen kurzfristigen Schritt brachte der Chef des CDU-ArbeitnehmerflĂŒgels, Dennis Radtke, ins Spiel. Statt der PrĂ€mie sollten 1.000 Euro aus Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld steuerfrei gestellt werden, schlug er vor. "Das wĂ€re ein pragmatischer Weg, um Leistung unmittelbar anzuerkennen und BeschĂ€ftigte mit kleinen und mittleren Einkommen konkret zu entlasten."

Weitere Schlappe mitten in der Krise

FĂŒr die Koalition kommt die Schlappe zur Unzeit. Nach den Landtagswahlen in Baden-WĂŒrttemberg und Rheinland-Pfalz im MĂ€rz, die fĂŒr die SPD desaströs verliefen und fĂŒr die CDU durchwachsen, hat sie sich immer weiter in Streitigkeiten verstrickt. Zuletzt wurden Zweifel daran laut, ob die Achse zwischen Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) gut funktioniert.

Der Kanzler sah sich um den Jahrestag herum genötigt, Spekulationen ĂŒber ein vorzeitiges Ende der Koalition zurĂŒckzuweisen. Sowohl eine Minderheitsregierung der Union mit wechselnden Mehrheiten als auch eine Neuwahl des Bundestags schloss er aus. Zur schwarz-roten Koalition gebe es keine Alternative, sagte er in der Kabinettssitzung am Jahrestag.

Dröge sieht "Fiasko" fĂŒr Merz

Die GrĂŒnen-Fraktionschefin Katharina Dröge sieht das Problem der Koalition vor allem bei Merz. "Die VorschlĂ€ge der Regierung sind so schlecht, dass sie nicht einmal ihre eigenen MinisterprĂ€sidenten im Bundesrat ĂŒberzeugen", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist ein Fiasko fĂŒr die Bundesregierung und ganz persönlich fĂŒr Kanzler Merz."

Die Wirtschaft begrĂŒĂŸte die Entscheidung des Bundesrats dagegen. DIHK-PrĂ€sident Peter Adrian sprach von einer "erforderlichen Notbremsung". Der Sozialverband Deutschland bedauerte dagegen, dass damit "ein zusĂ€tzlicher Weg zur UnterstĂŒtzung von BeschĂ€ftigten" verloren gehe, wie Verbandschefin Michaela Engelmeier den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte.

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