Hafenarbeiter bestreiken sechs deutsche SeehÀfen
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 14:43 Uhr | dpa.de(neu.: weitere Entwicklung)
HAMBURG/BREMERHAVEN (dpa-AFX) - Ein Warnstreik von Hafenarbeitern hat am Dienstag den Umschlag in den drei wichtigsten deutschen ContainerhĂ€fen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven verlangsamt und teils gestoppt. Auswirkungen gab es auch auf die SeehĂ€fen Bremen, Emden und Brake, in denen vor allem sogenannte StĂŒck- und MassengĂŒter umgeschlagen werden.
Die Warnstreiks in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven begannen nach Gewerkschaftsangaben bereits am Montagabend. In den anderen HÀfen traten die Hafenarbeiter demnach am Dienstagmorgen in den Warnstreik. In Hamburg versammelten sich nach SchÀtzung einer Gewerkschaftssprecherin ungefÀhr 2.100 Hafenarbeiter zu einer Kundgebung.
Zu dem Warnstreik aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi. Sie fordert von dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), dem zustÀndigen Arbeitgeberverband aus Hamburg, einen dritten Verhandlungstermin und ein neues Angebot.
Der ZDS reagierte am Dienstag: HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Florian Keisinger kĂŒndigte an, dass die Verhandlungen nĂ€chsten Montag und Dienstag in Hamburg fortgesetzt werden sollen. Verdi-VerhandlungsfĂŒhrerin Sylvi Krisch nahm das Angebot an. "Die Streiks haben Wirkung gezeigt, das ist gut", sagte sie.
SeehĂ€fen sind HĂ€fen, die von Seeschiffen - beispielsweise groĂen Containerschiffen - angelaufen werden. Die HĂ€fen sind von volkswirtschaftlicher Bedeutung, da ĂŒber sie groĂe Teile des AuĂenhandels, vor allem mit Drittstaaten wie China, abgewickelt werden.
Warnstreiks behindern Umschlag
Die Warnstreiks hatten am Montagabend und am Dienstag Auswirkungen auf den GĂŒterumschlag, wie Unternehmen berichteten. Der Bremer Hafenlogistiker Eurogate, der Containerterminals in Bremerhaven, Hamburg und Wilhelmshaven betreibt, teilte mit, die Arbeit an den Terminals sei wegen der Warnstreiks weitgehend eingestellt worden. "Notbesatzungen nehmen zwar vereinzelt Containerbewegungen auf dem Yard vor, aber Schiffsabfertigungen sind aktuell nicht möglich", hieĂ es.
Drei der vier Containerterminals in Deutschlands gröĂtem Hafen Hamburg betreibt der öffentlich-private Hafenlogistiker HHLA DE000A0S8488. Ein Sprecher der Hamburger Hafen und Logistik AG sagte, am Containerterminal Burchardkai sei die Abfertigung eingeschrĂ€nkt worden. Verzögerungen seien die Folge gewesen. Die anderen Terminals waren demnach zunĂ€chst nicht betroffen.
Ein Sprecher des Hafenumschlagsunternehmens J. MĂŒller Weser, das in Brake und Bremen tĂ€tig ist, teilte mit, dass mit Verdi vorab eine Notdienstvereinbarung geschlossen worden sei. Diese habe eine Grundbesetzung sichergestellt. "Gleichwohl trifft uns der Streik massiv. Schiffsabfertigungen sind zum Erliegen gekommen", sagte der Sprecher.
Der Sprecher von J. MĂŒller Weser berichtete weiter, der Weitertransport von GĂŒtern sei dadurch erschwert, dass Bahnstrecken ausgelastet seien. Derzeit fĂŒhrt der Rhein wenig Wasser, was dazu fĂŒhrt, dass Logistiker Binnenschiffe eingeschrĂ€nkt nutzen können und Transporte auf die Schiene verlagern.
Verdi lehnt Angebot ab
Die zurĂŒckliegende Tarifrunde im vergangenen Jahr war noch ohne Warnstreiks zu Ende gegangen. Verdi und ZDS einigten sich bereits wĂ€hrend der ersten Verhandlungsrunde. Die Einigung sah ein Lohnplus von 3,1 Prozent bei einer einjĂ€hrigen Laufzeit vor. Zudem wurden weitere Zahlungen vereinbart. Verdi-Mitglieder erhielten einen zusĂ€tzlichen freien Tag.
Dieses Jahr liefen die GesprĂ€che anders. Die Verhandlungen hatten im Juli in Bremen begonnen. Verdi forderte fĂŒr die rund 11.000 BeschĂ€ftigten 8,2 Prozent höhere Stundenlöhne bei einer Laufzeit von einem Jahr. Der ZDS hat zwei Angebote vorgelegt. Das jĂŒngste sieht unter anderem vor, dass Stundenlöhne um 5,1 Prozent steigen. Der Vertrag soll 19 Monate laufen.
Verdi lehnte das Angebot ab. In einer Befragung unter Hafenarbeitern habe die Mehrheit mitgeteilt, dass der Vorschlag nicht ausreiche. "Die BeschĂ€ftigten wollen ein besseres Angebot und haben das auch verdient", sagte VerhandlungsfĂŒhrerin Krisch. "Sie sind es, die in den HĂ€fen die Infrastruktur am Laufen halten und dafĂŒr sorgen, dass die Branche insgesamt stabil und erfolgreich unterwegs ist."
ZDS-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Keisinger sagte, er bedauere die Ablehnung des Angebots und halte die Warnstreiks fĂŒr unverhĂ€ltnismĂ€Ăig. Sie beeintrĂ€chtigten die ZuverlĂ€ssigkeit der SeehĂ€fen und setzten Lieferketten von Industrie und Handel weiter unter Druck. Es könne Auswirkungen auf Importe und Exporte geben. Die globalen Lieferketten seien bereits angespannt.
Die Warnstreiks sollten am Dienstagabend enden. Der Eurogate-Sprecher teilte mit, der Wiederanlauf des Betriebs sei vorbereitet.
