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Nokia Aktie: 105 Prozent Sprung bei KI-Kunden

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 22:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nokia übertrifft Erwartungen mit operativem Gewinn, doch der Aktienkurs fällt weiter. Analysten sind uneins über die Bewertung.

Nokia Aktie: Gewinnsprung verpufft trotz Prognoseanhebung
Moderne Serverarchitektur in einem Rechenzentrum zur Darstellung von Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung und KI-Technologie. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Nokia legt bessere Zahlen vor als erwartet. Der Konzern hebt sogar die Jahresprognose an. Die Aktie fällt trotzdem weiter — ein Monat, der die Aktionäre ein Viertel ihres Einsatzes gekostet hat.

Am Donnerstag rutschte das Papier zeitweise auf 8,77 Euro ab, ein Minus von 3,44 Prozent zum Vortag. Über 30 Tage steht nun ein Verlust von rund 27 Prozent zu Buche. Auf Jahressicht bleibt Nokia trotzdem ein Gewinner: Der Kurs liegt noch immer 128 Prozent über dem Niveau von vor zwölf Monaten, ein Erbe der früheren KI-Rally.

Gewinn bricht ein, Betriebsergebnis überzeugt

Die Zahlen selbst zeichnen ein zwiespältiges Bild. Der vergleichbare operative Gewinn kletterte im zweiten Quartal um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro und übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich. Der Umsatz wuchs um 8 Prozent auf 4,82 Milliarden Euro.

Der Nettogewinn brach dagegen um 95 Prozent auf nur noch 5 Millionen Euro ein. Grund ist ein schnelleres Restrukturierungstempo, das die operative Marge auf Basis der ausgewiesenen Zahlen auf minus 1,0 Prozent drückte. Im Vorjahr stand hier noch ein positiver Wert.

Die bereinigte Bruttomarge verbesserte sich um 70 Basispunkte auf 46,0 Prozent. Die bereinigte operative Marge legte im gleichen Umfang auf 9,0 Prozent zu. Treiber war vor allem das Netzwerkinfrastruktur-Geschäft mit einem Plus von 12 Prozent, während der Umsatz mit KI- und Cloud-Kunden regelrecht explodierte: plus 105 Prozent im Jahresvergleich. Der Vorstand beschloss zudem eine Dividende von 0,04 Euro je Aktie.

Prognoseanhebung ist vor allem Buchhaltung

Die Spanne für den bereinigten operativen Gewinn verschob sich auf 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro, zuvor waren es 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro. Der Grund liegt nicht im operativen Geschäft. Nokia stuft das Festnetz-Funkzugangsgeschäft, das an Inseego verkauft werden soll, sowie die Sparte Enterprise Campus Edge künftig als aufgegebene Geschäftsbereiche ein. Der eigentliche operative Ausblick bleibt damit unverändert.

Für das Netzwerkinfrastruktur-Geschäft bestätigt Nokia ein Umsatzwachstum von 12 bis 14 Prozent, angetrieben von Optical und IP Networks mit 18 bis 20 Prozent Wachstum. Für das dritte Quartal erwartet der Konzern einen sequenziellen Umsatzanstieg von 3 bis 7 Prozent. Der operative Gewinn dürfte wegen des Timings bei Softwareerlösen aber weitgehend auf dem Niveau des zweiten Quartals verharren.

Analysten bleiben tief gespalten

Die Reaktion an der Wall Street fiel trotz der guten Zahlen verhalten aus. Die US-Bank Bernstein beließ ihre Einstufung bei "Market-Perform" und das Kursziel bei 5,54 Euro — weit unter dem aktuellen Kurs. Analyst Ulrich Rathe schrieb, dies sei noch nicht der erhoffte Durchbruch. Bei genauerem Hinsehen wirke das Ergebnis eher durchschnittlich als beeindruckend.

Andere Häuser sehen das komplett anders. Danske Bank und Bank of America bleiben optimistisch, ihre Kursziele reichen von 14 bis über 15 Euro. Diese Spanne zeigt, wie uneinig der Markt ist: Rechtfertigen die KI- und Cloud-Geschäfte die Bewertung der letzten Monate, oder ist der Kurs schlicht zu schnell zu weit gelaufen?

Chart zeigt tiefe Kratzer

Technisch sieht das Bild angeschlagen aus. Die Aktie notiert rund 41 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro vom 3. Juni und mehr als 25 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Der 14-Tage-RSI liegt bei rund 34 und nähert sich damit überverkauftem Terrain.

Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage übersteigt 64 Prozent — ein deutliches Zeichen für die Nervosität seit dem Junihoch. Ob sich das KI- und Cloud-Momentum halten lässt und die Margen nach der Restrukturierung wieder anziehen, dürfte sich erst in den kommenden Quartalsberichten zeigen.

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