Nokia Aktie: 2,8 Milliarden Euro AuftrÀge aus KI
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 23:50 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nokia legt starke Zahlen vor. Die Aktie fĂ€llt trotzdem. Der Grund: Ein milliardenschweres Umbauprogramm frisst gerade den Gewinn auf, wĂ€hrend der KI-Boom im Hintergrund fĂŒr RekordauftrĂ€ge sorgt.
Die Nokia-Aktie verlor am Freitag 4,74 Prozent und rutschte auf 8,21 Euro. Auf Monatssicht steht nun ein Minus von 32,32 Prozent zu Buche. Der Titel notiert damit 45,18 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, das erst im Juni erreicht wurde.
KI-Nachfrage treibt das KerngeschÀft
Im zweiten Quartal 2026 zeigte sich, wie stark Nokia inzwischen vom weltweiten Ausbau der KI- und Cloud-Infrastruktur profitiert. Der vergleichbare Nettoumsatz stieg um 8 Prozent auf 4,82 Milliarden Euro. Treiber war vor allem die Sparte Netzwerkinfrastruktur, die wÀhrungsbereinigt um 12 Prozent zulegte.
Besonders krÀftig wuchs der Bereich Optical Networks mit einem Plus von 20 Prozent. IP Networks legte um 16 Prozent zu. Die UmsÀtze mit KI- und Cloud-Kunden schnellten sogar um 105 Prozent auf 446 Millionen Euro nach oben.
CEO Justin Hotard verwies zudem auf AuftragseingÀnge von 2,8 Milliarden Euro aus genau diesen Segmenten. Rund die HÀlfte davon soll sich in den kommenden zwölf Monaten in Umsatz verwandeln.
Umbau kostet Milliarden und drĂŒckt die Marge
Operativ lĂ€uft es also rund. Beim Gewinn zeigt sich allerdings ein anderes Bild. Der vergleichbare operative Gewinn stieg zwar um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro und ĂŒbertraf damit viele AnalystenschĂ€tzungen.
Rechnet man Sondereffekte ein, kippt das Bild komplett. Die berichtete operative Marge rutschte auf minus 1,0 Prozent. Der Grund dafĂŒr sind erwartete Restrukturierungskosten von 800 Millionen Euro fĂŒr das Gesamtjahr 2026.
Das Geld flieĂt in die Vereinfachung des China-GeschĂ€fts und die Integration des zugekauften Glasfaser-Spezialisten Infinera. Die Folge: Der berichtete verwĂ€sserte Gewinn je Aktie lag im Quartal bei null Euro, wĂ€hrend die vergleichbare Kennzahl noch 0,07 Euro auswies.
Ausblick angehoben, Dividende bestÀtigt
Nokia nahm die Gelegenheit zu einer technischen Anpassung der Jahresprognose. Der Konzern erwartet nun einen vergleichbaren operativen Gewinn zwischen 2,1 und 2,6 Milliarden Euro, etwas mehr als die bisherige Spanne von 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro. Der leichte Anstieg hÀngt mit der Umklassifizierung der Sparten Fixed Wireless Access CPE und Enterprise Campus Edge zu aufgegebenen GeschÀftsbereichen zusammen.
Trotz der Belastung durch den Umbau hĂ€lt der Vorstand an der AktionĂ€rsvergĂŒtung fest. Der Verwaltungsrat beschloss eine Quartalsdividende von 0,04 Euro je Aktie. Stichtag ist der 28. Juli 2026, die Auszahlung folgt am 6. August.
Analysten bleiben abwartend
Die Analysten von Bernstein Research bestĂ€tigten nach den Zahlen ihr "Market-Perform"-Rating. Die BegrĂŒndung: Das zweite Quartal sei solide gewesen, stelle aber noch keinen klaren Durchbruch dar.
Der Markt scheint dieser EinschĂ€tzung zu folgen. Mit einem RSI von 30,3 nĂ€hert sich die Aktie zwar ĂŒberverkauftem Terrain. Die annualisierte VolatilitĂ€t von knapp 66 Prozent zeigt aber, wie unsicher Anleger die Geschwindigkeit der Auftragsumwandlung und den Erfolg des Restrukturierungsprogramms derzeit einschĂ€tzen.
Ob sich die Rekordnachfrage aus dem KI-GeschĂ€ft schneller in Gewinn ĂŒbersetzt als die Umbaukosten belasten, bleibt damit vorerst offen. Die kommenden Quartale werden zeigen, wie viel der 2,8 Milliarden Euro an neuen AuftrĂ€gen tatsĂ€chlich in Umsatz mĂŒndet.
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