Nokia Aktie: Zahlen am 23. Juli
Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 22:26 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Kursgewinn von über 100 Prozent binnen eines Jahres — und trotzdem ein Ausverkauf, der Anleger nervös macht. Nokia hat in der vergangenen Woche einen Großteil seiner Jahresgewinne wieder abgegeben, ausgerechnet kurz vor den Quartalszahlen am 23. Juli. Die Frage, die sich jetzt stellt: Kippt die Korrektur in eine echte Vertrauenskrise, oder ist es nur eine überfällige Verschnaufpause nach einer Kursrally?
Am Freitag schloss die Nokia-Aktie bei 8,90 Euro, ein Minus von 2,39 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 18,31 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sogar 25,90 Prozent. Der finnische Netzwerkausrüster bleibt mit einem Marktwert von 51,09 Milliarden Euro dennoch ein Schwergewicht der europäischen Techbranche.
Zahlen am Donnerstag im Fokus
Nokia veröffentlicht seinen Bericht zum zweiten Quartal und zum ersten Halbjahr 2026 am Donnerstag, den 23. Juli, um 8:00 Uhr finnischer Zeit. Am Nachmittag um 15:00 Uhr folgt die Analystenkonferenz per Webcast.
Der Marktkonsens erwartet einen Quartalsumsatz zwischen 4,83 und 4,84 Milliarden Euro. Beim Gewinn je Aktie rechnen Analysten mit rund 0,051 Euro. Im Zentrum des Interesses steht neben den reinen Zahlen vor allem der Fortschritt bei der Integration der Infinera-Übernahme. Auch die Entwicklung der „AI-native" RAN-Plattform, die Nokia kürzlich als Kernstück seiner künftigen Funknetzwerk-Strategie definiert hat, dürfte eine wichtige Rolle spielen.
Ericsson dämpft die Stimmung
Die Vorsicht in der Telekom-Ausrüsterbranche hat einen konkreten Auslöser: den Quartalsbericht von Wettbewerber Ericsson. Die Schweden warnten, dass die stark steigende Nachfrage nach KI-Infrastruktur das globale Angebot an Speicherchips verknappt. Die Folge: höhere Bauteilkosten.
Ericssons Management rechnet damit, dass sich dieser Preisdruck über das zweite Halbjahr 2026 bis ins Jahr 2027 hinein verstärkt. Nokia hatte zuletzt zwar solide Nachfrage bei Netzwerkinfrastruktur und im Optik-Segment gemeldet. Der Markt beobachtet jetzt genau, ob das Unternehmen bei den eigenen Zahlen ähnliche Warnungen zu Halbleiter-Engpässen und Margendruck ausspricht.
Technisches Bild zeigt überverkaufte Aktie
Der jüngste Kursrutsch hat die Aktie in überverkauftes Terrain gedrückt. Der 14-Tage-RSI liegt bei 31,5 — ein Wert unter 30 gilt gemeinhin als Signal für eine überverkaufte Situation. Nokia notiert derzeit 25,57 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 11,96 Euro und auch deutlich unter dem 100-Tage-Durchschnitt von 10,01 Euro.
Gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt von 7,72 Euro liegt die Aktie allerdings noch 15,30 Prozent im Plus. Das zeigt: Der langfristige Aufwärtstrend ist angeknackst, aber nicht gebrochen. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,97 Euro, erreicht am 3. Juni 2026, trennen die Aktie inzwischen 40,55 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 3,45 Euro vom 1. August 2025 beträgt der Abstand dagegen weiterhin satte 158,05 Prozent.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 66,61 Prozent unterstreicht, wie nervös der Handel mit dem Papier aktuell verläuft. Kurzfristige Ausschläge in beide Richtungen sind bei diesem Volatilitätsniveau keine Überraschung.
Am Donnerstag entscheidet sich, welche Version der Nokia-Geschichte die kommenden Wochen bestimmt. Bestätigt das Management robuste Margen trotz der Chip-Verknappung, könnte die überverkaufte Aktie schnell Boden gutmachen. Schließt sich Nokia dagegen den Warnungen von Ericsson an, dürfte der Abwärtstrend der vergangenen Wochen zunächst anhalten.
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