Nutzung von Gesundheits-Apps auf Verschreibung zieht deutlich an
Veröffentlicht am: 24.01.2024 um 08:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIm vergangenen Jahr habe es bundesweit schĂ€tzungsweise 235 000 solcher Verschreibungen gegeben und damit mehr als doppelt so viele wie 2022, teilte das Beratungsunternehmen McKinsey am Mittwoch in DĂŒsseldorf mit. Die Firma bezog sich dabei auf Zahlen der Krankenversicherungen fĂŒr die erste drei Quartale 2023, fĂŒr das letzte Jahresquartal wurde geschĂ€tzt. Das Marktvolumen habe 125 Millionen Euro betragen, nach 60 Millionen im Jahr 2022. In den Apps werden den Nutzern Tipps gegeben, wie sie besser gegen RĂŒckenschmerzen, Tabaksucht oder Ăbergewicht vorgehen können.
Aus Sicht des McKinsey-Studienautors Tobias Silberzahn liegt die steigende Zahl der App-Verschreibungen zum einen an der gröĂeren Bekanntheit dieses Behandlungsweges. Als zweiten Grund nennt Silberzahn eine gröĂere Bereitschaft der Ărztinnen und Ărzte, die digitalen Gesundheitsanwendungen, deren Kurzbezeichnung Diga lautet, zu verschreiben. "Die anfĂ€ngliche Skepsis von manchen Ărzten gegenĂŒber dieser neuen Behandlungskategorie nimmt ab - sie erkennen, dass die Apps eine effektive Hilfe sein können."
Schon im Jahr 2022 war die Nutzung von Diga deutlich angestiegen. Im Vergleich zu den dreistelligen Milliardenkosten des deutschen Gesundheitssystems insgesamt sind die Gesundheits-Apps aber noch eine Nische.
Der McKinsey-Fachmann ist davon ĂŒberzeugt, dass das Wachstum weitergehen wird. "Es werden weitere Krankheitsbereiche hinzukommen, in denen die Apps eine gute UnterstĂŒtzung sein können." Zuletzt waren es 53 Diga, die verschrieben werden konnten. Bei fast der HĂ€lfte davon ging es um psychische Erkrankungen, weitere Beispiele sind Anwendungen gegen Sprachstörungen, Kreislaufprobleme und MuskelschwĂ€chen.
Aus Reihen der Krankenkassen gibt es Vorbehalte gegen die Diga. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) hatte die bisherige Bilanz der Apps unlĂ€ngst als "ernĂŒchternd" beschrieben. "Auch im dritten Jahr nach ihrer EinfĂŒhrung lösen die Gesundheits-Apps nicht ihr Versprechen ein, die gesundheitliche Versorgung grundlegend zu verbessern", sagte GKV-VorstĂ€ndin Stefanie Stoff-Ahnis Anfang Januar. Es gebe zu viele Anwendungen, die trotz ihrer Aufnahme in den Leistungskatalog der Kassen keinen Nutzen fĂŒr Patientinnen und Patienten nachweisen konnten.
McKinsey-Fachmann Silberzahn weist hingegen darauf hin, dass der Nutzen der Diga in klinischen Studien bewiesen sei. Allerdings rÀumt er ein, dass es mitunter "noch Luft nach oben" gebe.
