Russlands, Limit

Ökonomen sehen Russlands Wirtschaft am Limit

Veröffentlicht: 11.06.2026 um 10:49 Uhr, dpa.de

Mehr als vier Jahre nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine gerĂ€t Russlands Wirtschaft laut einem Bericht von Ökonomen an ihre Grenzen.

Moskau habe seine Geldreserven fast vollstĂ€ndig verbraucht - die Wirtschaft stehe im "Endstadium", heißt es im "Kiel Report" des Kieler Instituts fĂŒr Weltwirtschaft und des Stockholmer Institute of Transition Economics.

"In den ersten Jahren des Krieges gegen die Ukraine hat sich die russische Wirtschaft als widerstandsfĂ€higer erwiesen, als viele erwartet hatten, doch nun sind die Reserven aufgebraucht", sagte Moritz Schularick, PrĂ€sident des Kiel Instituts fĂŒr Weltwirtschaft. Das Wirtschaftswachstum sei zum Stillstand gekommen, wĂ€hrend die AbhĂ€ngigkeit von China wachse. Höhere Ölpreise durch den Krieg am Golf dĂŒrften hingegen wohl nur vorĂŒbergehende Effekte haben.

So stellt der Bericht fest: Die liquiden Vermögenswerte des russischen Staatsfonds seien von 6,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu Kriegsbeginn auf nur noch 1,8 Prozent im April 2026 geschrumpft. Gleichzeitig habe das Defizit des Bundeshaushalts schon in den ersten drei Monaten des Jahres das Ziel der Regierung fĂŒr 2026 ĂŒberschritten. Zugleich brachen die Öl- und Gaseinnahmen im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent ein.

Russlands AbhÀngigkeit von China

Russlands Herausforderungen sind laut dem Bericht allerdings nicht mehr nur finanzieller Natur. "Die grundlegende EinschrĂ€nkung, mit der Russland heute konfrontiert ist, ist nicht der Zugang zu Geld, sondern der Zugang zu ArbeitskrĂ€ften, Technologie und ProduktionskapazitĂ€ten", teilte Matthew Klein, Autor des Ökonomie-Blogs "The Overshoot", mit. Doch weil ArbeitskrĂ€fte so knapp wie nie und Sanktionen in Kraft seien, wachse mit höheren Staatsausgaben das Inflationsrisiko, statt die militĂ€rische LeistungsfĂ€higkeit Russlands zu steigern.

Zudem steigt laut dem Bericht Russlands AbhĂ€ngigkeit von China. China bestreite inzwischen rund 35 Prozent des gesamten russischen Außenhandels und liefere den ĂŒberwiegenden Teil der kritischen GĂŒter mit ziviler und militĂ€rischer Nutzung sowie der militĂ€risch relevanten Komponenten. Das Land trage zudem zu etwa drei Vierteln des Anstiegs russischer Importe sanktionierter, kritischer MilitĂ€rkomponenten seit 2022 bei.

Der Bericht argumentiert, dass Russland sich aus Not und nicht aus freiem Willen China zuwende. Diese Entscheidung habe eine AbhĂ€ngigkeit geschaffen, die Russlands Kriegswirtschaft zwar kurzfristig stĂŒtzt, langfristig jedoch seine wirtschaftliche UnabhĂ€ngigkeit und VerhandlungsstĂ€rke schwĂ€cht.

Autoren schlagen strenge Exportkontrollen vor

Die Autorinnen und Autoren des "Kiel-Reports" sehen in Russlands wachsender wirtschaftlicher Verwundbarkeit eine Chance fĂŒr den Westen, politisch wirksamer zu handeln. So seien Exporteinnahmen aus Öl und Gas ein entscheidender Faktor zur Aufrechterhaltung des russischen Krieges in der Ukraine.

"Die Durchsetzung von Preisobergrenzen muss im Mittelpunkt der Sanktionspolitik stehen", erklĂ€rte Torbjörn Becker, Direktor des Stockholm Institute of Transition Economics. Dazu gehörten auch neue BemĂŒhungen, Russlands Schattenflotte einzuschrĂ€nken. Zudem schlagen die Autoren strengere Exportkontrollen vor, besonders mit Blick auf chinesische Lieferanten. Auch neue Maßnahmen zur Senkung der russischen Exporteinnahmen empfehlen sie.

Im Jahr 2022 hat Russland eine Invasion in sein Nachbarland Ukraine begonnen. Ein Ende ist nicht abzusehen. Russland will die Ukraine militĂ€risch und politisch zurĂŒck in seinen Machtbereich zwingen. Es hĂ€lt einschließlich der schon 2014 annektierten Halbinsel Krim knapp ein FĂŒnftel der Ukraine besetzt.

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