OpenAI, Erwachsenen-Funktionen

OpenAI stoppt umstrittene Erwachsenen-Funktionen fĂŒr ChatGPT

17.03.2026 - 00:00:22 | boerse-global.de

OpenAI verschiebt die Freigabe expliziter Inhalte fĂŒr Erwachsene, da die KI-basierte Alterserkennung zu viele MinderjĂ€hrige falsch identifiziert. Interne Ethik-Gremien und globale Regulierungen verstĂ€rken den Druck.

OpenAI stoppt umstrittene Erwachsenen-Funktionen fĂŒr ChatGPT - Foto: ĂŒber boerse-global.de

KI-Riese verzichtet vorerst auf AltersprĂŒfung per Verhalten – zu hohes Risiko fĂŒr Jugendliche. Ein ehrgeiziges Projekt des KI-Konzerns OpenAI ist gescheitert. Das Unternehmen hat die geplante EinfĂŒhrung von expliziten Inhalten fĂŒr erwachsene Nutzer von ChatGPT auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Grund: Das neu entwickelte System zur AltersschĂ€tzung anhand des Nutzerverhaltens versagte in Tests alarmierend hĂ€ufig.

Alterserkennung mit gefÀhrlicher Fehlerquote

Eigentlich sollte eine Verhaltensanalyse Teenager automatisch vor nicht jugendfreien Inhalten schĂŒtzen. Seit Januar 2026 wertete das System dafĂŒr AktivitĂ€tszeiten, Nutzungsmuster und Account-Alter aus. Doch interne Tests offenbarten ein kritisches Problem: In etwa 12 Prozent der FĂ€lle stuft die KI MinderjĂ€hrige fĂ€lschlicherweise als Erwachsene ein.

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Bei geschĂ€tzt 100 Millionen wöchentlichen Nutzern unter 18 Jahren wĂ€re das eine massive SicherheitslĂŒcke. Bis zu 12 Millionen Teenager könnten so ungewollt Zugang zu explizitem Material erhalten. „Die Unterscheidung zwischen Ă€lteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen anhand von Metadaten bleibt eine immense technische Herausforderung“, bestĂ€tigen Branchenanalysten.

FĂŒr falsch eingestufte Erwachsene gibt es zwar einen Ausweg: Sie können ihre IdentitĂ€t per Gesichtsscan beim Dienst Persona verifizieren. Doch dieses Verfahren löst nur das Problem der falschen Sperrungen. Die gefĂ€hrlicheren falschen Freigaben fĂŒr Jugendliche zwangen OpenAI zum kompletten Stopp.

Sicherheitsberater warnten vor psychischen SchÀden

Die technischen MĂ€ngel verstĂ€rkten den Widerstand interner Ethik-Gremien. Ein Beraterrat mit Experten fĂŒr Psychologie und Neurowissenschaften sprach sich im Januar einstimmig und vehement gegen die Freigabe erotischer Textgenerierung aus.

Die Berater warnten vor den Folgen fĂŒr die psychische Gesundheit. Sexuell explizite Chat-Interaktionen könnten bei vulnerablen Nutzern suchtartiges Verhalten und emotionale AbhĂ€ngigkeit fördern. Ein Mitglied des Gremiums soll sogar von einem „verfĂŒhrerischen, aber tödlichen emotionalen KrĂŒckstock“ gesprochen haben.

Hinter der Warnung stehen reale Tragödien. In einem bekannten Fall von 2024 verklagte eine Mutter ein Tech-Start-up, nachdem ein Chatbot ihren 14-jĂ€hrigen Sohn zum Suizid angestiftet haben soll – das Kind hatte eine tiefe emotionale Bindung zu der KI entwickelt. Angesichts solcher Szenarien und der löchrigen Alterserkennung sah sich die UnternehmensfĂŒhrung zum Handeln gezwungen.

Wettbewerb und Regulierung bremsen Freigabe aus

UrsprĂŒnglich sollte die AltersprĂŒfung doppelt dienen: Jugendliche schĂŒtzen und gleichzeitig erwachsenen Nutzern mehr Freiheiten geben. CEO Sam Altman hatte Ende 2025 fĂŒr einen liberaleren Umgang mit volljĂ€hrigen Nutzern plĂ€diert. Die Freischaltung war zunĂ€chst fĂŒr Dezember 2025, dann fĂŒr das erste Quartal 2026 geplant.

Nun begrĂŒndet OpenAI die Verzögerung mit anderen PrioritĂ€ten. Die Ingenieure konzentrierten sich auf allgemeine Verbesserungen der Intelligenz und Nutzererfahrung, heißt es offiziell. Intern trieb auch der harte Wettbewerb die Entscheidung. Ressourcen wurden von den umstrittenen Erwachsenen-Funktionen abgezogen, um mit Konkurrenten wie Google oder Anthropic Schritt zu halten.

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Hinzu kommen technische HĂŒrden bei der Content-Moderation. Die Entwickler kĂ€mpfen damit, illegale Inhalte wie Missbrauchsmaterial sicher auszufiltern, wĂ€hrend gleichzeitig erotische Texte erlaubt sein sollen. Klar ist: Sollten die Funktionen je kommen, werden sie auf reine Textgenerierung beschrĂ€nkt bleiben – ohne explizite Bilder, Videos oder Audio.

Globale Regulierungen verschÀrfen den Druck

OpenAIs Probleme spiegeln einen grundlegenden Konflikt der Branche wider: Zwischen schnellem Wachstum und immer strengeren globalen Vorschriften zum Jugendschutz.

In der EuropĂ€ischen Union verlangt der Digital Services Act (DSA) von Plattformen wirksame Maßnahmen, um Kinder vor schĂ€dlichen Inhalten zu bewahren. Auch das britische Online Safety Act legt Tech-Firmen klare Pflichten auf. Regulierer akzeptieren simple Selbstauskunft zum Alter immer seltener; sie fordern zuverlĂ€ssige Verifikationssysteme.

Die geplante Verhaltensanalyse steht zudem im Konflikt mit der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Die kontinuierliche Auswertung von Nutzerdaten fĂŒr AltersschĂ€tzungen widerspricht oft dem Grundsatz der Datensparsamkeit.

OpenAI steht nun vor einer schwierigen Aufgabe: Die Algorithmen mĂŒssen prĂ€ziser werden, ohne die PrivatsphĂ€re zu verletzen oder gegen internationale Kinderschutzgesetze zu verstoßen. Bis diese LĂŒcke geschlossen ist und die internen Ethik-RĂ€te grĂŒnes Licht geben, bleibt die Vision eines entfesselten ChatGPT fĂŒr Erwachsene auf Eis.

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