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Oracle Aktie: 52-Wochen-Tief bei 105,06 Euro

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 14:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Oracle-Aktie erholt sich leicht, bleibt aber mit 61% unter Rekordhoch. Analysten uneins über Bewertung zwischen Auftragsboom und Schuldenlast.

Oracle Aktie: Technischer Rebound nach dramatischem Kursverfall
Abstrakte Darstellung eines modernen Rechenzentrums mit bläulicher Beleuchtung und Fokus auf Technologieinfrastruktur. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Kurssprung von 2,77 Prozent klingt nach guten Nachrichten. Bei Oracle ist er das Gegenteil: die technische Reaktion auf einen Absturz, der seinesgleichen sucht. Die Aktie kletterte auf 108,48 Euro, nur einen Tag nachdem sie mit 105,06 Euro ein neues 52-Wochen-Tief markiert hatte. Der Rebound ändert nichts am eigentlichen Problem.

Der Relative-Stärke-Index steht bei 33,6 und signalisiert eine überverkaufte Aktie. Das erklärt die kurze Gegenbewegung. Es erklärt nicht, warum Oracle seit Jahresbeginn 34,73 Prozent verloren hat und binnen zwölf Monaten fast die Hälfte des Werts eingebüßt hat.

Ein Rückschlag mit Ansage

Die vergangenen 30 Tage waren der eigentliche Bruch: minus 21,87 Prozent in einem Monat. Damit liegt die Aktie 61,35 Prozent unter ihrem Rekordhoch von 280,70 Euro aus dem September 2025. Auch die gleitenden Durchschnitte zeigen das Ausmaß: 26,79 Prozent unter der 50-Tage-Linie, 31,87 Prozent unter dem 200-Tage-Schnitt.

Das ist keine normale Marktschwankung. Eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 45 Prozent zeigt: Der Markt hat das Vertrauen in die kurzfristige Richtung verloren – selbst wenn manche Analysten die langfristige Story weiter für intakt halten.

Die Bullen-These: Ein Auftragsberg, den niemand ignorieren kann

Im Zentrum der Debatte steht eine einzige Zahl: die offenen Vertragsverpflichtungen von Oracle, die sogenannten Remaining Performance Obligations. Sie explodierten auf 638 Milliarden Dollar – ein Plus von 363 Prozent im Jahresvergleich. Für die Optimisten ist das der Beweis, dass die Cloud-Wette aufgeht.

Die Zahlen aus dem Juni-Quartal stützen diese Sicht: Der Cloud-Infrastruktur-Umsatz wuchs um 93 Prozent, Cloud macht inzwischen 52 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das Management hält am Ziel für das Geschäftsjahr 2027 fest – 90 Milliarden Dollar Umsatz, 8,05 Dollar Gewinn je Aktie non-GAAP.

Guggenheim-Analyst John DiFucci ist der lauteste Verfechter dieser These. Er sieht "keinen erkennbaren guten Grund" für den Ausverkauf und wirft dem Markt vor, kurzfristige Sorgen um die Marge lauter zu gewichten als ein historisch einmaliges Auftragspolster. Seine Bedingung für eine Rückkehr zu höheren Bewertungen: Oracle muss quartalsweise beweisen, dass die OCI-Margen zwischen 30 und 40 Prozent bleiben, die GPU-Auslastung nahe 97,5 Prozent hält und die Bilanz eine Kapitalaufnahme von 40 Milliarden Dollar verkraftet, ohne erneut herabgestuft zu werden.

Die Bären-These: Schulden finanzieren eine Wette, die noch nicht aufgegangen ist

Das Gegenargument ist ebenso konkret. Die Ratingagentur S&P stufte Oracle nur eine Stufe über Ramschniveau ein – der Auslöser: ein negativer freier Cashflow von 24 Milliarden Dollar bei einem operativen Investitionsvolumen (Capex) von 56 Milliarden Dollar. Und das Unternehmen selbst signalisiert, dass die Ausgaben im nächsten Geschäftsjahr weiter steigen sollen.

Die Schuldenlast dahinter sprengt den Vergleichsrahmen der Branche. Oracle weist ein Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital von 500 Prozent auf, dazu Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Ramschniveau. Microsoft und Meta finanzieren ihre KI-Infrastruktur dagegen überwiegend außerbilanziell. Ein struktureller Grund für diesen Unterschied: Oracle arbeitet mit gerade einmal 20 Milliarden Dollar Eigenkapital – Microsoft und Google kommen jeweils auf mehr als 340 Milliarden Dollar.

Hinzu kommt ein Konzentrationsrisiko. Der Cloud-Auftragsbestand ist auf über 500 Milliarden Dollar gewachsen, finanziert über mehr als 108 Milliarden Dollar Schulden und rund 50 Milliarden Dollar Kapitalausgaben allein in diesem Jahr. Mehr als die Hälfte dieses Auftragsbergs hängt an einem einzigen Kunden: OpenAI, über den 300-Milliarden-Dollar-Deal namens Stargate.

Mein Fazit: Der Bounce löst den Widerspruch nicht auf

Ein Kurssprung von 2,77 Prozent nach einem frischen Jahrestief ist bei einem RSI von 33,6 und einem Monatsverlust von fast 22 Prozent keine Überraschung – solche Erholungen sind bei überverkauften Aktien fast schon Routine. Das heißt nicht, dass die Spannung zwischen Auftragsbestand und Bilanz aufgelöst ist.

Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 219,22 Euro – mehr als 100 Prozent über dem aktuellen Niveau. Das zeigt: Die Wall Street sieht in der Cloud-Infrastruktur nach wie vor enormes Potenzial. Aber Kursziele hinken oft hinterher, wenn sich die Kreditgeschichte eines Unternehmens schnell verschiebt. Und eine Aktie, die von einer großen Ratingagentur nur eine Stufe über Ramschniveau eingestuft wird, verdient einen Abschlag, der über simple Backlog-Mathematik hinausgeht.

Die ausgewogenste Lesart: Beide Lager haben recht – nur für unterschiedliche Zeithorizonte. Die 638 Milliarden Dollar an offenen Verpflichtungen sind eine geprüfte, reale Zahl, die die langfristige Umsatzstory stützt. Sie sagt aber nichts darüber aus, ob Oracles Kassenlage die nächsten Quartale mit diesem Investitionstempo unbeschadet übersteht. Solange Oracle nicht zeigt, dass OCI-Margen und Auslastung den Auftragsberg schnell genug in freien Cashflow verwandeln, um die aufgeblähte Schuldenlast zu bedienen, bleibt jeder überverkaufte Bounce wie der heutige eher technische Erleichterung als Trendwende. Wer auf die Backlog-Story setzt, muss mit anhaltender Volatilität rechnen – bis sich nicht die Umsatzpipeline, sondern die Finanzierungslage stabilisiert.

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