PanHunter von Evotec - Pharma-Partner finden per Datenscan
Veröffentlicht am: 01.07.2026 um 16:19 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWSVerantwortlich: Julian Krause, ad hoc news Fachredaktion Zubehoer & Komponenten. Geprueft am 01.07.2026, 16:18 Uhr. Details im Impressum.
PanHunter von Evotec steht auf einem der Monitore in der Hamburger Zentrale, die Kurven und Heatmaps leuchten blau und orange, während Datenwissenschaftler Dr. Matthias Schröder konzentriert durch die Studienergebnisse scrollt. Ein paar Klicks, und aus jahrelanger Laborarbeit wird ein klarer Signalpfad zur nächsten möglichen Partnerschaft. Genau hier setzt Evotecs Plattform für datengetriebene Wirkstoffforschung an.
PanHunter ordnet Forschungsdaten
PanHunter ist eine Datenanalyse- und Visualisierungsplattform von Evotec, die omics-Daten, präklinische Studien und Biomarker-Informationen in einer gemeinsamen Umgebung bündelt. Die Lösung ist Teil der digitalen Infrastruktur, mit der Evotec Forschungsprogramme für Pharma- und Biotechpartner strukturiert und auswertet. Während klassische Tabellen schnell unübersichtlich werden, fasst PanHunter Sequenzdaten, Expressionsprofile und klinische Beobachtungen in interaktive Grafiken zusammen.
Evotec beschreibt PanHunter als zentrales Werkzeug, um Hypothesen in der frühen Forschung zu generieren und zu überprüfen. Die Plattform durchsucht große, heterogene Datensätze und identifiziert Muster, die auf relevante Zielstrukturen oder Patientengruppen hinweisen können. Dadurch sollen Produktionspartner in der Pharmaindustrie schneller erkennen, welche Programme sich für eine Vertiefung oder gemeinsame Weiterentwicklung eignen.
Von der Pipette zur Plattform
Basis für PanHunter sind Daten aus Evotecs eigenen Laboren und aus Partnerprojekten, die unter anderem an Standorten in Deutschland, Frankreich und Italien entstehen. Auf der Website erläutert Evotec, dass die Plattform vor allem in der präklinischen Phase eingesetzt wird, etwa zur Charakterisierung von Wirkstoffkandidaten und zur Identifikation von Biomarkern. Die Daten reichen von RNA-Sequenzierungen über Proteomics bis hin zu funktionellen Assays, die PanHunter in strukturierte Ansichten überführt.
Im Gespräch mit Investoren hebt CEO Dr. Werner Lanthaler immer wieder hervor, wie wichtig die digitale Auswertung für die Skalierung des Geschäftsmodells ist. Statt jede Kooperation ausschließlich über neue Laborkapazität wachsen zu lassen, nutzt Evotec mit PanHunter und weiteren Tools wie Just Evotec Biologics eine wiederverwendbare Wissensbasis. Das macht das Unternehmen für große Pharmakonzerne als Plattformpartner interessant, weil bestehende Datenbestände mehrfach genutzt werden können.
Evotec als Plattform-Player in der Pharmaforschung
Wer PanHunter besser verstehen will, sollte sich Evotecs Gesamtmodell aus Labornetzwerk, digitalen Tools und Partnerschaften ansehen.
Schnittstelle für Partner und Projekte
PanHunter wird nicht als klassisches Lizenzprodukt vermarktet, sondern als Bestandteil von Evotecs Dienstleistungs- und Kooperationsgeschäft eingesetzt. Pharmaunternehmen und Biotechfirmen greifen im Rahmen von Projekten auf die Plattform zu, wenn sie gemeinsam mit Evotec an Wirkstoffen oder Targets arbeiten. So entsteht eine Art Daten-Drehscheibe, über die neue Hypothesen getestet und die attraktivsten Projektkandidaten ausgewählt werden können.
Für einen Projektleiter in einem Pharmaunternehmen bedeutet das: Statt einzelne Studienberichte von Hand zu vergleichen, stehen ihm konsolidierte Ansichten über alle relevanten Datensätze zur Verfügung. Ein Klick auf eine Heatmap, und die Software zeigt, wie ein bestimmter Kandidat im Vergleich zu früheren Programmen abschneidet. Dadurch gewinnt die Partnerauswahl an Tempo, was gerade in der frühen Forschung, in der viel verworfen wird, ein Wettbewerbsvorteil sein kann.
Technische Basis und Datenquellen
Evotec betont in seinen Technologiepräsentationen, dass PanHunter auf einer Cloud-fähigen Architektur aufsetzt, die große Datenvolumina verarbeiten kann. Die Plattform integriert verschiedene Omics-Technologien, etwa Next Generation Sequencing, Proteomics und Metabolomics, und ermöglicht eine gemeinsame Auswertung. Laut Unternehmensangaben werden die Daten dabei standardisiert, um Vergleiche zwischen unterschiedlichen Projekten und Partnern zu erleichtern.
Ein praktisches Beispiel: In einem neurodegenerativen Projekt werden RNA-Seq-Daten von Patientenmodellen mit Proteomics-Daten aus Zellkulturen verknüpft. PanHunter stellt diese Informationen in verknüpften Diagrammen dar, so dass Forscher sehen können, ob ein beobachteter Effekt in mehreren Datentypen konsistent ist. Für Biostatistiker und Bioinformatiker schafft das eine gemeinsame Arbeitsbasis, auf der sie Modelle trainieren und Hypothesen überprüfen können.
Datenqualität und Regulatorik
Damit PanHunter verlässliche Ergebnisse liefert, muss die Qualität der zugrunde liegenden Daten stimmen. Evotec verweist in seinen Berichten auf standardisierte Laborprozesse und Qualitätssicherung in den eigenen Einrichtungen. Dazu zählen validierte Assays, kontrollierte Probenlogistik und definierte Auswertungsprotokolle, bevor Daten in die Plattform eingespeist werden. Die Datenhaltung folgt laut Evotec den jeweils einschlägigen Datenschutz- und Regulatorikvorgaben.
Insbesondere bei patientenbezogenen Daten spielt Anonymisierung eine Rolle, die Evotec nach eigenen Angaben durch entsprechende Verfahren sicherstellt. In präklinischen Programmen stehen dagegen vor allem Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit im Vordergrund. PanHunter hilft dabei, Ausreißer und systematische Fehler schneller zu erkennen, weil Anomalien im Datenbestand visuell auffallen. Für Partnerunternehmen ist das ein Argument, sensible frühe Daten nicht nur im eigenen System zu behalten, sondern zur gemeinsamen Analyse zu teilen.
Wettbewerbsumfeld und Alternativen
Evotec ist mit PanHunter nicht allein im Markt für datengetriebene Forschungsplattformen. Große Pharmaunternehmen betreiben eigene Lösungen, und spezialisierte Bioinformatik-Firmen entwickeln Analyse-Tools für Omics-Daten. Der Unterschied bei Evotec: PanHunter ist eng mit einem breiten Labornetzwerk verknüpft, in dem sowohl chemische als auch biologische Experimente durchgeführt werden. Daduch kann das Unternehmen Datenströme aus unterschiedlichen Disziplinen in einer Infrastruktur bündeln.
Für Investoren ist relevant, dass solche Plattformen schwer zu kopieren sind, weil sie auf historisch gewachsenen Datenbeständen und praktischer Erfahrung mit vielen Projekten beruhen. Ein neues Softwareprodukt lässt sich programmieren, aber Jahre an Versuchsdaten und gescheiterten Projekten lassen sich nicht zurückholen. PanHunter wirkt damit wie ein digitaler Speicher für Evotecs kollektive Forschungserfahrung, die bei jeder neuen Kooperation mitschwingt.
Einbindung in Evotecs Geschäftsmodell
Evotec beschreibt sich selbst als Plattformunternehmen, das auf Basis von Forschungskapazitäten und Daten mit Pharma- und Biotechfirmen zusammenarbeitet. PanHunter ist eine zentrale Komponente dieser Plattform, zusammen mit Laborangeboten, klinischen Dienstleistungen und Produktionslösungen. Der Umsatz entsteht durch Projektverträge, Meilensteinzahlungen und im Erfolgsfall Lizenzbeteiligungen an zur Zulassung gelangenden Produkten.
In den Geschäftsberichten verweist Evotec darauf, dass der Ausbau der digitalen Infrastruktur dazu beitragen soll, die Anzahl paralleler Projekte zu erhöhen. PanHunter hilft dabei, die Verwaltungs- und Analysearbeit zu skalieren, ohne die Qualität zu verlieren. Je mehr Projekte über die Plattform laufen, desto wertvoller wird der Datenbestand, weil Muster über verschiedene Indikationen hinweg erkennbar werden können. Für Partner ist das ein Anreiz, Folgeprojekte ebenfalls mit Evotec abzuwickeln.
Praktische Nutzung im Alltag der Forscher
Zurück in den Fluren der Hamburger Labore: Auf dem Bildschirm von Dr. Schröder erscheinen farbige Cluster, die unterschiedliche Patientensegmente darstellen. Die Maus gleitet über eine Gruppe, die PanHunter als vielversprechend markiert, und ein kleines Infofeld zeigt die zugrunde liegenden Genexpressionsdaten. Die Oberfläche wirkt nüchtern, aber durch die klare Farb- und Strukturwahl sind Unterschiede sofort sichtbar.
Forscher können in PanHunter Filter setzen, etwa nach bestimmten Biomarkern oder nach Effekten eines Kandidaten in unterschiedlichen Modellen. Ein Projektteam im Bereich Onkologie könnte zum Beispiel gezielt nach Programmen suchen, bei denen ein bestimmter Signalweg verändert ist. Die Plattform zeigt dann, welche Kandidaten dazu passende Profile aufweisen und ob sich daraus Hypothesen für Kombinationstherapien ableiten lassen. Solche Funktionen machen PanHunter zu einem Arbeitswerkzeug, das täglich genutzt wird, statt nur als selten geöffnetes Reporting-Tool zu dienen.
Evotec Aktie und Börsennotierung
Evotec ist an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert, unter anderem im Xetra-Handel, und berichtet regelmäßig über Fortschritte in seinen Plattformen, darunter PanHunter. Die Evotec Aktie (ISIN DE0005664809) spiegelt dabei die Erwartungen des Marktes an die Skalierung des Plattformmodells und an den Erfolg laufender und zukünftiger Partnerschaften wider.
PanHunter von Evotec im Überblick
- Produkt: PanHunter
- Hersteller: Evotec SE
- Kategorie: Zubehoer & Komponenten (Forschungsplattform)
- Markteinfuehrung: schrittweise seit Mitte der 2010er Jahre im Rahmen von Partnerprojekten
- UVP / Preis: nicht öffentlich; Nutzung im Rahmen von Kooperations- und Dienstleistungsverträgen
- Verfuegbarkeit: weltweit für Pharma- und Biotechpartner über Evotec-Standorte
- Zielgruppe: Forschungsleiter, Datenwissenschaftler und Projektmanager in Pharma- und Biotechunternehmen
- Besonderheit / USP: Integration heterogener Omics- und präklinischer Daten mit direkter Anbindung an ein globales Labornetzwerk
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