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Partners Group Aktie: 3,8 Milliarden Abflüsse aus Evergreen-Fonds

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 23:28 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Partners Group verzeichnet Rekord-Neukundenzusagen, leidet aber unter Mittelabflüssen aus Evergreen-Fonds. Der Aktienkurs fällt deutlich.

Partners Group: Rekordzuflüsse und Evergreen-Abflüsse belasten Aktie
Abstrakte Darstellung von Kapitalabflüssen und Marktvolatilität in einem modernen, professionellen Finanzumfeld. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Partners Group hat für das erste Halbjahr 2026 gleich zwei gegensätzliche Nachrichten gleichzeitig präsentiert. Der Zuger Vermögensverwalter meldete laut eigenen Angaben Rekord-Neukundenzusagen von 16 Milliarden US-Dollar, nach 12 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Die verwalteten Vermögen kletterten dadurch auf 186 Milliarden US-Dollar. Zugleich musste das Unternehmen einräumen, dass die sogenannten Evergreen-Fonds im gleichen Zeitraum Mittelabflüsse von 3,8 Milliarden US-Dollar verzeichneten. Ein verhaltener Ausblick auf die Performance-Gebühren dämpfte die Stimmung zusätzlich.

Der Markt reagierte prompt: Am 16. Juli brach der Aktienkurs im Schweizer Handel um 4,8 Prozent ein, nachdem das Management gewarnt hatte, die erhöhten Rücknahmen aus reifen Evergreen-Vehikeln könnten das AuM-Nettowachstum im zweiten Halbjahr 2026 und im Jahr 2027 um ein bis zwei Prozent bremsen. Die Guidance für das Gesamtjahr mit Brutto-Kapitalzusagen zwischen 26 und 32 Milliarden US-Dollar bestätigte das Unternehmen dennoch.

Evergreen-Strukturen bleiben Belastungsfaktor

Die Probleme in den offenen Fondsstrukturen sind nicht neu. Bereits Mitte Juni hatte Partners Group Liquiditätsengpässe beim Global Value SICAV eingestanden, nachdem Rücknahmeanträge fast zehn Prozent des Nettoinventarwerts erreicht hatten. Die aktuellen Zahlen bestätigen, dass sich dieser Trend über das gesamte Halbjahr fortsetzte, statt abzuklingen. Genau dieses Risiko treibt derzeit die Diskussion unter Analysten an.

Infrastruktur-Programm übertrifft Vorgänger deutlich

Neben den Evergreen-Sorgen setzte Partners Group im institutionellen Geschäft ein Ausrufezeichen: Am 20. Juli schloss das Unternehmen sein viertes direktes Infrastrukturprogramm final mit über 15 Milliarden US-Dollar ab, wie Reuters berichtete. Der Fonds fällt damit rund 50 Prozent größer aus als die vorherige Vintage. Auch im Nischensegment Royalties wächst das Geschäft: Das verwaltete Vermögen dieser Strategie stieg im ersten Halbjahr um 50 Prozent auf 1,5 Milliarden US-Dollar. Nach acht neuen Transaktionen umfasst das Portfolio nun 53 Investments, darunter Lizenzrechte an der Serie "South Park" und an einem Herzmedikament. Anfang Juli investierte der Vermögensverwalter zudem 260 Millionen britische Pfund in eine britische Leasingplattform für Schienenfahrzeuge der nächsten Generation.

Analysten uneins über die Bewertung

Die widersprüchliche Nachrichtenlage spiegelt sich in den Einschätzungen der Banken. UBS senkte am 19. Juli das Kursziel von 840 auf 705 Schweizer Franken und beließ die Einstufung bei "Neutral"; die Analysten verweisen auf das Risiko anhaltender Rücknahmen in den offenen Fondsstrukturen. Bereits am 15. Juli hatte Barclays sein Kursziel deutlich von 1.200 auf 940 Schweizer Franken zurückgenommen. Die Zürcher Kantonalbank schlägt sich dagegen am gleichen Tag wie UBS auf die andere Seite: Sie bestätigte das Rating "Übergewichten" und bewertet die aktuelle Marktkapitalisierung angesichts robuster operativer Gewinne als technisch überverkauft.

Ein Blick auf die Kurscharts liefert dafür durchaus Argumente. Die Aktie notiert aktuell bei 733,20 Euro, nach einem Schlusskurs von 726,00 Euro am Vortag. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt liegt bei minus 9,08 Prozent – ein Niveau, das die Einschätzung der Zürcher Kantonalbank stützt, wonach der Titel technisch überverkauft erscheint.

Rechtsstreit im Hintergrund

Zusätzliche Unsicherheit brachte im Frühsommer eine juristische Auseinandersetzung: Ende Mai reichte Partners Group Klage gegen das Analysehaus Grizzly Research ein, das Ende April in einem Bericht Vorwürfe der Bilanzmanipulation und fehlerhaften Bewertung von Privatmarktanlagen erhoben hatte. Der Ausgang dieses Verfahrens bleibt offen, dürfte aber neben den operativen Themen ein Faktor für die Anlegerstimmung bleiben.

Für die nächste konkrete Standortbestimmung müssen Investoren bis zum 1. September warten. Dann will Partners Group den detaillierten Zwischenbericht samt Finanzergebnissen für das erste Halbjahr 2026 veröffentlichen. Erst dann dürfte sich zeigen, wie stark die Evergreen-Abflüsse die Ertragsseite tatsächlich belasten und ob das Rekordwachstum im institutionellen Geschäft dies kompensieren kann.

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