Praxissoftware, Psychotherapeuten

Praxissoftware bremst Psychotherapeuten aus

15.04.2026 - 17:52:18 | boerse-global.de

Digitale Anwendungen im Gesundheitswesen führen zu mehr Bürokratie und Frust. Viele Praxen klagen über technische Probleme und mangelnden Support bei der Telematikinfrastruktur.

Praxissoftware bremst Psychotherapeuten aus - Foto: über boerse-global.de

Statt zu entlasten, sorgen fehleranfällige Systeme und mangelhafter Support für mehr Bürokratie und Frust. Das zeigt sich in einer Zeit, in der die Fallzahlen pro Praxis seit 2013 um 40 Prozent gestiegen sind.

Jede dritte Praxis will Software wechseln

Die Unzufriedenheit ist tief verwurzelt. Laut dem PVS-Monitoring 2025 des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) denkt jede dritte Praxis aktiv über einen Anbieterwechsel nach. Die Gründe: hohe Fehleranfälligkeit und mangelnde Nutzerfreundlichkeit.

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Die Zahlen sind alarmierend. 82 Prozent der Praxen haben regelmäßig Probleme beim Auslesen der elektronischen Gesundheitskarte. Beim Verbindungsaufbau zur Telematikinfrastruktur (TI) klagen 81 Prozent über häufige Fehler. Selbst beim etablierten E-Rezept melden über 71 Prozent Schwierigkeiten.

„Eine funktionierende Software ist alternativlos“, sagt Zi-Vorstandsvorsitzender Dominik von Stillfried. Ein Ausfall könne die medizinische Versorgung zum Erliegen bringen.

Akzeptanz steigt – Stabilität bleibt fragil

Das „PraxisBarometer Digitalisierung“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeichnet ein zwiespältiges Bild. Die Nutzung digitaler Tools wie dem elektronischen Arztbrief ist auf 87 Prozent gestiegen. Die technische Basis bleibt jedoch brüchig.

Mehr als die Hälfte der Praxen kämpft täglich oder wöchentlich mit TI-Störungen. „Die Zufriedenheit steigt dort, wo Anwendungen stabil laufen“, erklärt KBV-Vorstandsmitglied Sibylle Steiner. Bei der TI-Stabilität gebe es aber erheblichen Nachholbedarf.

Besonders skeptisch blicken die Praxen auf neue Pflichtanwendungen. 90 Prozent befürchten einen hohen Verwaltungsaufwand durch die elektronische Patientenakte (ePA).

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Support-Mängel und undurchsichtige Preise

Eine Mitgliederbefragung der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) offenbart massive Service-Defizite. Rund 2.770 Therapeuten kritisierten schlechte Erreichbarkeit und langsame Problemlösung durch die IT-Anbieter.

Besonders marktführende Systeme wie „Elefant“ (Hasomed), Epikur und Psyprax schnitten bei Service und Preistransparenz schlecht ab. Kleinere Anbieter wie „Smarty“ oder „Psychodat“ kamen besser weg.

„Die Unzufriedenheit basiert nicht auf Digitalisierungs-Ablehnung“, stellt DPtV-Bundesvorsitzender Gebhard Hentschel klar. Die Therapeuten zeigten großes Interesse an zeitsparenden Lösungen. Die Realität sei jedoch ein erhöhter IT-Aufwand bei unklaren Kosten.

Wirtschaftlicher Druck durch Sanktionen

Seit Anfang 2026 zahlen Praxen eine monatliche TI-Pauschale von 263,62 Euro. Diese ist an strikte Bedingungen geknüpft. Wer Pflichtanwendungen wie E-Rezept oder ePA nicht unterstützt, riskiert Kürzungen um 50 Prozent oder den kompletten Wegfall der Zahlung.

Berufsverbände kritisieren diese Sanktionslogik scharf. Therapeuten würden für das Scheitern technischer Systeme verantwortlich gemacht, auf die sie keinen Einfluss haben.

„Es fließen erhebliche Mittel in eine ausfallende Infrastruktur, die Mehrarbeit verursacht“, kritisiert Rudi Bittner vom DPtV-Landesverband. Gleichzeitig gerieten Honorare unter Druck. Peter Andreas Staub von der KV Rheinland-Pfalz warnt: „An der falschen Stelle wird gespart. Die Leidtragenden sind die Patienten.“

Forderung: Stabile Standards statt digitalem Burnout

Die Zukunft hängt davon ab, ob die Fehlerquote der Systeme sinkt. Die KBV fordert transparentere Vergleiche und offene Standards, um Anbieterwechsel zu erleichtern. Viele Praxen scheuen den Umzug aus Angst vor Kosten, Datenverlust und Schulungsaufwand.

Die Softwareentwicklung müsse die realen Arbeitsabläufe stärker berücksichtigen. Das Ziel: eine Technik, die im Hintergrund funktioniert, anstatt mehrmals pro Woche zur Fehlerbehebung zu zwingen.

Solange jedoch mehr als die Hälfte der Systeme in Nutzerbefragungen als „nicht empfehlenswert“ gilt, bleibt die Praxissoftware ein Hemmschuh für die patientenzentrierte Versorgung.

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