Ravensburger-Chef, Ravensburger-BeschÀftigten

Ravensburger-Chef: 'Es bleibt zunÀchst alles, wie es ist'

Veröffentlicht am: 18.06.2026 um 07:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
FĂŒr die Ravensburger-BeschĂ€ftigten soll sich nach der Übernahme von Steiff vorerst nichts Ă€ndern.

Das hat Vorstandschef Clemens Maier in einem Schreiben an die Belegschaft des Spielwarenherstellers klargestellt. "Es bleibt zunĂ€chst alles, wie es ist", schrieb Maier in einem Intranet-Beitrag, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Ravensburger hatte am Mittwoch bekanntgegeben, sich mit 60 Prozent an dem PlĂŒschtierhersteller zu beteiligen. Steiff soll weiter eigenstĂ€ndig am Firmensitz in Giengen an der Brenz gefĂŒhrt werden.

FĂŒr die BeschĂ€ftigten seien derzeit keine VerĂ€nderungen in den Strukturen oder Aufgaben geplant, schrieb der Manager. Durch die Beteiligung entstehe auch keine zusĂ€tzliche Arbeitsbelastung. Ob das auch in Zukunft so bleiben wird, ließ Maier allerdings offen: "Mittelfristig werden wir prĂŒfen, ob und wo sich sinnvolle Möglichkeiten der Zusammenarbeit ergeben."

Maier: Wir verdienen zu wenig Geld

Zugleich zeichnete Maier die Lage bei Ravensburger intern kritischer als bisher in der Öffentlichkeit bekannt - und lieferte gleich eine ErklĂ€rung, wie ein so großer Zukauf zur wirtschaftlichen Lage der Oberschwaben passe. "Wir haben ein Ertragsproblem, kein LiquiditĂ€tsproblem", schrieb der 55-JĂ€hrige. "Das heißt, wir haben genĂŒgend finanzielle Mittel und RĂŒcklagen, verdienen mit unserem GeschĂ€ft aber operativ zu wenig Geld. Daran arbeiten wir mit hoher PrioritĂ€t."

Ein bereits aufgelegtes Restrukturierungsprogramm ist laut Maier ein wichtiger Schritt auf dem Weg, Ravensburger wieder nachhaltig profitabel zu machen und damit langfristig wettbewerbsfĂ€hig und erfolgreich aufzustellen. Man verfolge drei Stoßrichtungen: "Wir wollen unsere Kostenstruktur verbessern, unser GeschĂ€ft skalierbarer machen und unser Wachstum stĂ€rken."

Die Beteiligung an Steiff dient demnach dem dritten Ziel. Dadurch solle die Umsatzbasis gestĂ€rkt werden. Man habe nach sorgfĂ€ltiger AbwĂ€gung entschieden, diese besondere Chance zu nutzen - und in ein profitables Unternehmen mit einer der renommiertesten und traditionsreichsten Marken der Spielwarenwelt zu investieren. "Möglich ist das, weil Ravensburger in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet hat", schreibt Maier. Der Manager ist der Urenkel von Otto Maier, der den Spieleverlag 1883 gegrĂŒndet hat.

Umsatz zuletzt rĂŒcklĂ€ufig

Ravensburger hatte fĂŒr 2025 einen UmsatzrĂŒckgang gemeldet - von einem Rekordwert von 790 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 742 Millionen Euro. Das lag vor allem am Abflauen des Hypes um das Sammelkartenspiel "Disney US2546871060 Lorcana". Das KerngeschĂ€ft mit Spielen, Puzzles und BĂŒchern legte zwar zu - reichte aber nicht aus, um den UmsatzrĂŒckgang aufzufangen. Zum Ergebnis Ă€ußert sich Ravensburger traditionell nicht.

Außerdem berichtete Ravensburger von einem steigenden Kostendruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Deshalb will der Konzern an Strukturen und Kosten arbeiten. Damit verbunden ist auch ein Stellenabbau im unteren zweistelligen Bereich. Zuletzt waren gut 2.500 Menschen bei dem Konzern beschĂ€ftigt, in Ravensburg selbst und einem Werk in Tschechien.

Zwei Traditionsunternehmen verflechten sich

Ravensburger und Steiff gehören zu den bekanntesten Spielzeugmarken in Deutschland. Von Ravensburger stammen etwa Klassiker wie "Memory", "Das verrĂŒckte Labyrinth" und "Scotland Yard". In vielen Kinderzimmern finden sich heute auch das Lernsystem "Tiptoi" und die Kugelbahn "GraviTrax". Zur Gruppe gehören ebenso Marken wie Brio, bekannt fĂŒr Holzeisenbahnen, und der Spielkartenverlag FX Schmidt. Steiff gilt als Erfinder des TeddybĂ€ren und steht seit 1880 fĂŒr hochwertige PlĂŒschtiere - erkennbar am Knopf im Ohr.

Mit dem Verkauf will die Steiff Beteiligungsgesellschaft, die von den Erben der GrĂŒnderin Margarete Steiff gehalten wird, nach eigenen Angaben die Weichen fĂŒr eine langfristige Perspektive des Unternehmens stellen. "FĂŒr uns war entscheidend, Steiff in verantwortungsvolle, unternehmerische HĂ€nde zu geben, die die Marke, die Werte und Geschichte verstehen und respektieren", teilte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Frederik Reimann mit. Außerdem erhofft sich das Unternehmen mehr Erfolg auf dem internationalen Markt.

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