Rente grundsÀtzlich erst ab 64
Veröffentlicht: 22.06.2026 um 15:08 Uhr, dpa.deIm Abschlussbericht, der der Deutschen Presse-Agentur in vorlĂ€ufiger Fassung vorliegt, schlĂ€gt das Gremium deutliche EinschrĂ€nkungen bei beliebten Modellen fĂŒr Altersteilzeit und FrĂŒhrente vor. An diesem Dienstag ĂŒbergibt die Rentenkommission ihren Bericht offiziell der Bundesregierung, die darauf ihre Reform der Alterssicherung aufbauen will. Bereits bekannte VorschlĂ€ge stoĂen auf unterschiedliche Reaktionen von Politik, Gewerkschaften und Arbeitgebern.
Rente erst ab 64
Der 76 Seiten starke Bericht umfasst auch einige wichtige Details, die bisher weniger diskutiert wurden. Bisher nutzen etwa Hunderttausende die Option, nach 35 Berufsjahren mit 63 mit AbschlĂ€gen in Rente zu gehen. "Die Kommission empfiehlt, die Altersgrenze fĂŒr die Rente fĂŒr langjĂ€hrig Versicherte zeitnah von 63 auf 64 Jahre zu erhöhen", heiĂt es im Bericht. Danach soll die Altersgrenze parallel zur Regelaltersgrenze weiter steigen.
Dieser Punkt hat ĂŒbrigens nichts mit der abschlagsfreien Rente nach 45 Berufsjahren zu tun, bekannt als "Rente mit 63". Sie soll abgeschafft werden. Im Rentendeutsch heiĂt diese Option "abschlagsfreie vorgezogene Rente fĂŒr besonders langjĂ€hrig Versicherte", die andere ist fĂŒr "langjĂ€hrig Versicherte".
Kein Blockmodell mehr fĂŒr Altersteilzeit
Bei der Altersteilzeit empfiehlt die Kommission Ănderungen, um Menschen lĂ€nger im Job zu halten: Die Altersgrenze soll von 55 auf 58 Jahre angehoben und das Blockmodell abgeschafft werden. Das sieht bisher vor: Man arbeitet in der ersten HĂ€lfte der Altersteilzeit voll, bekommt aber nur einen Teil des Gehalts. In der zweiten HĂ€lfte lĂ€uft es in gleicher Höhe weiter, ohne dass man arbeiten muss. Das soll es nicht mehr geben. Zudem sollen Langzeitarbeitslose nicht mehr verpflichtet werden, mit AbschlĂ€gen in Rente zu gehen.
Keine BeitrĂ€ge auf andere EinkĂŒnfte
GrundsĂ€tzlich soll es nach Empfehlung der Kommission beim einheitlichen Beitragssatz auf Löhne und GehĂ€lter bleiben. Andere Einkunftsarten wie KapitalertrĂ€ge oder Mieteinnahmen sollen nicht fĂŒr BeitrĂ€ge herangezogen werden. Die Beitragsbemessungsgrenze soll auch weiter jĂ€hrlich gemÀà der Lohnentwicklung angepasst werden. Bis zu der Grenze werden auf das Gehalt RentenbeitrĂ€ge fĂ€llig. Eine Erhöhung ist nicht vorgesehen.
Schon seit dem Wochenende werden andere zentrale Punkte diskutiert:
Die Kapitalrente
Das Rentenniveau soll durch eine neue Kapitalrente langfristig gesichert werden. Gemeint ist, dass ein Teil der RentenbeitrÀge am Aktienmarkt angelegt wird. Konkret geht es um zwei Prozent vom Bruttolohn, aufwachsend von anfangs 0,5 Prozent. Davon soll je die HÀlfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern kommen. Vorbild ist Schweden.
Steigendes Rentenalter
Das gesetzliche Rentenalter steigt heute bis 2031 auf 67 Jahre. Nach den Empfehlungen der Kommission soll es danach je Jahrzehnt um ein halbes Jahr weiter hochgehen. Das heiĂt, ab 2041 wĂ€ren es 67,5 Jahre und so weiter. FĂŒr ein heute vierjĂ€hriges Kind könnte demnach sogar die "Rente ab 70" kommen.
SelbststÀndige und Politiker in die Rentenkasse
KĂŒnftig sollen nach Empfehlung der Kommission auch SelbststĂ€ndige in die gesetzliche Rente einzahlen, wenn sie nicht schon etwa berufsstĂ€ndisch abgesichert sind. Das soll ab einem bestimmten Stichtag verpflichtend sein. Wer schon heute selbststĂ€ndig ist, soll ebenfalls einbezogen werden, kann sich aber mit einem Opt-Out dagegen entscheiden.
Laut Kommission sollen auch Politikerinnen und Politiker in die Rentenkasse einzahlen mĂŒssen, also Abgeordnete aus dem Bundestag und den Landtagen. Eine Einbeziehung der Beamten in die gesetzliche Rente soll es so bald nicht geben. Doch soll das Pensionsniveau abgeschmolzen werden. RĂŒckstellungen fĂŒr Pensionen sollen verpflichtend und weniger BeschĂ€ftigte Beamte werden.
Nachhaltigkeitsfaktor und BeitrÀge
Bis 2031 ist ein Rentenniveau von 48 Prozent festgeschrieben. Danach soll der "Nachhaltigkeitsfaktor" wieder greifen, der die jĂ€hrliche Rentensteigerung dĂ€mpft. Mittelfristig soll die Kapitalrente das ausgleichen. FĂŒr Menschen, die schon recht nah am Rentenalter sind, ist ein "Ăbergangsfaktor" vorgesehen, der das Rentenniveau nahe 48 Prozent hĂ€lt.
Schon ohne Reform gibt es eine Prognose, dass der Beitragssatz 2028 von heute 18,6 sprunghaft auf 19,9 Prozent ansteigt. Daran wird sich nach Angaben aus der Kommission auch mit den Neuerungen nichts Ă€ndern. ZusĂ€tzlich kĂ€men die paritĂ€tischen PflichtbeitrĂ€ge fĂŒr die KapitalsĂ€ule von letztlich 2 Prozent.
Kritik und Lob
Gewerkschaften und Linke kritisieren vor allem die weitere Erhöhung des Rentenalters und die Abschaffung der "Rente mit 63". Juso-Chef Philipp TĂŒrmer sagte der Funke Mediengruppe: "Die Kopplung des Renteneintrittsalters an die allgemeine Lebenserwartung ist sozial ungerecht und geht zulasten derjenigen, die gerade in ein Leben voll harter Arbeit starten." ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger lobte Teile des Konzepts. "Insgesamt hĂ€tten wir uns mehr Ambition vorstellen können", sagte er aber.
Die Vorsitzende des SachverstÀndigenrates, Monika Schnitzer, lobte die Empfehlungen im "Handelsblatt". Die Reform weise in die richtige Richtung, sagte auch der "Wirtschaftsweise" Gabriel Felbermayr dem Deutschlandfunk.
