Stromausfall nach Feuer - Hinweise auf Brandbeschleuniger
08.06.2026 - 20:37:11 | dpa.de(neu: Aktualisiert.)
REUTLINGEN (dpa-AFX) - Ermittler haben nach dem nĂ€chtlichen Brand in einem Umspannwerk mit groĂflĂ€chigem Stromausfall in Reutlingen einen möglichen Brandbeschleuniger gefunden. "Es gibt Anzeichen, dass ein Brandbeschleuniger benutzt wurde", sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes in Stuttgart. Am Brandort seien Spuren gesichert worden. Diese mĂŒssten nun ausgewertet werden.
Nach Auskunft von Innenminister Manuel Hagel (CDU) haben Staatsschutz und Antiterrorismuszentrum beim Landeskriminalamt in Stuttgart die Ermittlungen ĂŒbernommen. Es sei eine Ermittlungsgruppe "Fischer" gegrĂŒndet worden, sagte Hagel in Reutlingen. Eine Einsatzhundertschaft der Polizei sei nach Reutlingen verlegt worden, um PolizeiprĂ€senz zu zeigen an kritischer Infrastruktur und den Bereichen, in denen es immer noch keinen Strom gebe.
Nach Hagels Angaben waren etwa 7.600 GebÀude und rund 40.000 Menschen von dem Stromausfall betroffen.
Innenminister will TĂ€ter zur Rechenschaft ziehen
Das Ermittlungsverfahren wird laut Hagel mit Hochdruck verfolgt - "vor allen Dingen wegen des Verdachts der vorsÀtzlichen Brandlegung und der Störung öffentlicher Betriebe." Man ermittle ergebnisoffen in alle Richtungen. "Unsere Ermittlungsgruppe wird jeden einzelnen Stein umdrehen, und wir werden den TÀter auch mit aller HÀrte zur Rechenschaft ziehen", sagte Hagel.
Das Landeskriminalamt teilte mit: "Hinweise zu möglichen TatverdĂ€chtigen oder Motiven liegen aktuell noch nicht vor. Die Ermittlungen der Spurensicherung einschlieĂlich des Einsatzes eines BrandmittelspĂŒrhundes sowie unter Einbeziehung von SachverstĂ€ndigen sind noch nicht abgeschlossen." Ab wann die Stromversorgung wieder vollstĂ€ndig hergestellt sein werde, sei unklar.
Sicherheitskreise gehen von Brandstiftung aus
Nach EinschÀtzung aus Sicherheitskreisen könnte der Brand gezielt gelegt worden sein. Die Vorgehensweise deute auf linksextremistische TÀter hin und weise Parallelen etwa zu entsprechenden Taten in Berlin auf, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur. Hinweise auf einen möglichen Drahtzieher im Ausland gebe es nicht.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sagte im ZDF: "Wir gehen davon aus, dass es sich hier aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Brandanschlag handelt." Notwendige Spuren seien ermittelt worden. "Jetzt geht es darum, dass man in alle Richtungen weiter ermittelt, um die Grundlage dieses Brandanschlags und die TĂ€ter entsprechend auch zu ermitteln", betonte der CSU-Politiker.
Zehntausende Menschen fĂŒr Stunden ohne Strom
In der Nacht hatte es im Umspannwerk Reutlingen-West gebrannt, so dass dieses ausfiel und eine weitere Anlage in Mitleidenschaft zog. Die Folgen: Zehntausende Menschen waren zunÀchst ohne Strom, auch ein Krankenhaus war betroffen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur entstand durch den Brand und den Stromausfall ein Schaden von mehreren Millionen Euro.
Am Morgen waren Teile der Kernstadt wieder mit Strom versorgt, darunter auch das Krankenhaus. Am Nachmittag wurde ein groĂer Teil der Privathaushalte in Betzingen und Ohmenhausen wieder an die Stromversorgung angeschlossen, wie eine Sprecherin der Stadt Reutlingen mitteilte. Auch Schulen und KindergĂ€rten seien dort wieder mit Strom versorgt. "Noch nicht wieder an die Stromversorgung angeschlossen sind die betroffenen Unternehmen in diesem Gebiet. Hier wird mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet."
Noch ist unklar, wann wieder alle Haushalte mit Strom versorgt werden. Die Behörden rechnen aber wohl nicht allzu bald damit. FĂŒr die Nacht sollte ein Notfalltreffpunkt eingerichtet werden, sagte Finanz- und WirtschaftsbĂŒrgermeister Roland Wintzen, der den Verwaltungsstab leitet. Dort sollen Menschen zum Beispiel ihr Handy aufladen oder Babynahrung erwĂ€rmen können. Ziel sei es, die EinschrĂ€nkungen fĂŒr die Menschen so gering wie möglich zu halten.
Erinnerungen an Berliner BrandanschlÀge
Der Vorfall erinnert an zwei mutmaĂlich linksextremistische BrandanschlĂ€ge auf die Stromversorgung in Berlin. Nach dem Anschlag am 9. September 2025 auf zwei Strommasten waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und rund 2.000 Gewerbebetriebe vom Stromausfall betroffen. Der Ausfall dauerte rund 60 Stunden, erst am Nachmittag des 11. September waren wieder alle Haushalte am Netz.
Beim zweiten Anschlag am 3. Januar wurden fĂŒnf Hoch- und zehn Mittelspannungskabel auf einer KabelbrĂŒcke zerstört. Erst am 7. Januar und damit nach rund 100 Stunden war die Stromversorgung wieder fĂŒr alle Betroffenen hergestellt. Damals herrschte eisige KĂ€lte und es lag Schnee - und der Stromausfall sorgte auch dafĂŒr, dass viele Zentralheizungen nicht mehr liefen. Tausende Berliner flĂŒchteten zu Freunden, Bekannten und in Hotels.
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