Rheinmetall Aktie: Arminius unter der Lupe
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 20:43 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der NATO-Gipfel in Ankara hinterlässt Spuren am Aktienmarkt. Anleger hatten im Vorfeld auf neue Rüstungsaufträge gehofft. Das Ergebnis fällt jedoch mager aus. Die Folge: Rheinmetall rutscht heute um 4,42 Prozent auf 1.016,20 Euro ab.
Analyst Jens-Peter Rieck von MWB Research stuft das Papier auf "Hold" ab. Er kappt das Kursziel von 1.400 auf 1.150 Euro. Der Grund für die Skepsis liegt in einer strategischen Verschiebung. Verteidigungsausgaben fließen zunehmend in Luftabwehr und Drohnen. Klassische Landstreitkräfte verlieren an Bedeutung.
Großprojekt unter der Lupe
Rieck sieht besonders das Bundeswehr-Projekt Arminius kritisch. Der Markt bewertet dieses Beschaffungsvorhaben seiner Meinung nach zu hoch. Bisherige Schätzungen gingen von 40 Milliarden Euro Gesamtvolumen aus. Davon sollten rund 22 Milliarden Euro an Rheinmetall fließen.
MWB Research hält diese Dimension für überzogen. Die Analysten kalkulieren statt der erhofften 3.000 Systeme nur noch mit 1.800 Fahrzeugen. Verzögerungen in Deutschland und Estland stützen diese Sichtweise. Estland stoppte kürzlich einen Panzerkauf über 500 Millionen Euro. Das Land investiert das Geld lieber in Drohnen.
Bullen bleiben investiert
Andere Experten bewerten die Lage deutlich optimistischer. Berenberg empfiehlt die Aktie weiterhin zum Kauf und nennt ein Kursziel von 1.600 Euro. Bernstein sieht den fairen Wert sogar bei 1.900 Euro.
Der Konsens von 15 Wall-Street-Analysten liegt im Schnitt bei rund 1.737 Euro auf Sicht eines Jahres. Fundamental profitiert Rheinmetall von einem enormen Polster. Der Auftragsbestand übersteigt den Jahresumsatz fast um das Achtfache.
Parallel dazu baut der Konzern sein Auslandsgeschäft aus. Marokko bestellte kürzlich sieben hochmobile Feldhospitäler. Der Vertrag bringt einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag ein. Die Tochtergesellschaft liefert die Einheiten in den Jahren 2027 und 2028 aus.
Charttechnik und Ausblick
Charttechnisch hat sich das Bild eingetrübt. Mit dem heutigen Minus vergrößert sich der Jahresverlust auf 36,55 Prozent. Der Kurs notiert weit unter seinen wichtigen Trendlinien. Der 200-Tage-Durchschnitt verläuft aktuell bei 1.522,64 Euro.
Am 6. August 2026 präsentiert Rheinmetall die Zahlen für das zweite Quartal. Analysten erwarten einen Umsatz von 3,04 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie schätzt der Markt auf 7,10 Euro. Zu diesem Termin muss das Management konkrete Fortschritte vorweisen. Vor allem die jüngsten Lieferprobleme bei Munition und Lkws erfordern klare Lösungen.
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