Rocket Lab: 2,2 Milliarden Dollar Auftragsbestand
04.06.2026 - 05:03:35 | boerse-global.de
Neun Archimedes-Triebwerke, ein Raketenrumpf, ein entscheidender Schritt: Rocket Lab hat am 3. Juni 2026 erstmals Bilder veröffentlicht, die zeigen, wie die methangetriebenen Motoren in die Primärstruktur der ersten Neutron-Stufe eingebaut werden. Das physische Hardware passt zu den digitalen Modellen — ein Nachweis, der in der Raumfahrtentwicklung mehr zählt als jede Präsentation.
Neutron kommt voran — trotz Rückschlag
Noch im Januar 2026 hatte ein Fertigungsfehler beim Drucktest einen Tank der ersten Stufe zum Bersten gebracht. CEO Peter Beck hält dennoch am Ziel fest: Erstflug im vierten Quartal 2026. Die jüngsten Arbeiten im Produktionskomplex in Virginia bestätigen, dass das überarbeitete Tankdesign stabiler und einfacher herzustellen ist — ohne dass die Archimedes-Triebwerke selbst verändert werden mussten. Verifiziert wurden Montageschnittstellen, isolierte Leitungen und Kabelbäume.
Mit neun Archimedes-Triebwerken soll Neutron bis zu 13 Tonnen in den niedrigen Erdorbit befördern. Als primäres Hindernis für den Flugplan gelten die noch ausstehenden Qualifikationstests der Triebwerke — das Management bezeichnet sie intern als "nasty tests", also besonders anspruchsvolle Belastungsproben.
Vom Nischenanbieter zum Verteidigungskonzern
Parallel zur Neutron-Entwicklung verändert sich das Geschäftsmodell fundamental. Der Auftragsbestand kletterte zum Ende des ersten Quartals 2026 auf einen Rekordwert von 2,2 Milliarden Dollar — ein Plus von 108 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Treiber ist zunehmend die Space-Systems-Sparte, nicht mehr allein das Raketengeschäft.
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Ein Vertrag mit der U.S. Space Force über 90 Millionen Dollar für zwei geostationäre Satelliten markiert dabei einen Einschnitt: Es ist das erste Produktionsprogramm des Unternehmens für dieses Orbitalregime. Analysten bei Seeking Alpha stuften die Aktie am 3. Juni auf "Buy" hoch und begründeten das mit der Transformation vom Nischenanbieter zum vertikal integrierten Rüstungskonzern.
Starkes Wachstum, volatile Kurse
Die Zahlen für das erste Quartal 2026 untermauern den Wandel: Der Umsatz wuchs um 63,5 Prozent, die GAAP-Bruttomarge stieg um knapp 9,4 Prozentpunkte auf einen Rekordwert von 38,18 Prozent. Höhermargige Satellitenfertigung und Systemgeschäfte treiben diese Verbesserung.
Der Kurs erzählt eine eigene Geschichte. Auf Jahressicht legte die Aktie rund 328 Prozent zu — vom 52-Wochen-Tief bei 25,55 Dollar bis zum Hoch von 151 Dollar Ende Mai. Seither hat sie rund 24 Prozent korrigiert und schloss zuletzt bei 115,20 Dollar. Ein Teil des Drucks kommt vom bevorstehenden SpaceX-Börsengang am 12. Juni 2026, der Anleger zur Neubewertung von Bewertungsmultiplikatoren im Sektor zwingt.
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Das zweite Halbjahr 2026 wird zeigen, ob Neutron den Zeitplan hält. Bis dahin füllt ein dichter Electron-Startkalender mit kommerziellen Erdbeobachtungsmissionen und NASA-Demonstrationsflügen den Betrieb — und die Kasse.
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