Rocket Lab: 74,7-Milliarden-Bewertung im Test
Veröffentlicht am: 03.06.2026 um 06:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rocket Lab wächst rasant, der Kurs stolpert trotzdem. Nach der starken Frühjahrsrally kam am 1. Juni der Schnitt: Die Aktie verlor rund 14 Prozent. Seit Jahresanfang liegt sie aber weiter etwa 64 Prozent im Plus.
Am Dienstag schloss die Aktie bei 124,80 Dollar. Auf Wochensicht steht ein Minus von 16,93 Prozent, vom 52-Wochen-Hoch bei 150,23 Dollar ist sie spürbar entfernt. Der Rücksetzer trifft also nicht auf Schwäche aus dem Nichts, sondern auf eine zuvor extrem gelaufene Aktie.
Der längerfristige Trend bleibt auffällig stark. In den vergangenen 30 Tagen liegt Rocket Lab noch 55,40 Prozent vorne, auf Sicht von zwölf Monaten sogar 367,07 Prozent. Der RSI von 47,3 signalisiert dabei keine klassische Überhitzung mehr.
Der Raumfahrt-Trade kühlt ab
Der Abverkauf bei Rocket Lab war kein Einzelfall. Auch Intuitive Machines und AST SpaceMobile gaben deutlich nach. In der Breite verlor der Procure Space ETF fast 11 Prozent.
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Damit rückt die Bewertung der gesamten Raumfahrt-Story in den Vordergrund. Rocket Lab gilt an der Börse als einer der liquidesten Wege, um auf Startdienste, Satellitenbau und Verteidigungsprogramme im All zu setzen. Genau das hat die Aktie attraktiv gemacht. Genau das macht sie nun anfällig.
Bei einer Marktkapitalisierung von rund 74,7 Milliarden Dollar ist viel Zukunft eingepreist. Die operative Entwicklung muss dieses Vertrauen nun Schritt für Schritt einlösen. Kein Wunder, dass der Markt bei hohen Erwartungen schneller reagiert.
Wachstum ist da, Gewinne noch nicht
Operativ liefert Rocket Lab starke Daten. Im ersten Quartal stieg der Umsatz auf 200,3 Millionen Dollar. Das entspricht einem Plus von 63,5 Prozent, die GAAP-Bruttomarge lag bei 38,2 Prozent.
Der Auftragsbestand wuchs auf 2,2 Milliarden Dollar. Gegenüber dem Vorquartal ist das ein Anstieg von 20,2 Prozent. Das Startmanifest umfasst inzwischen mehr als 70 fest vereinbarte Missionen.
Diese Zahlen stützen die Wachstumsstory. Sie lösen aber nicht das zentrale Problem der Aktie. Rocket Lab wächst schnell, verdient nach GAAP aber noch kein Geld.
Für das zweite Quartal stellt das Management Umsatz zwischen 225 und 240 Millionen Dollar in Aussicht. Damit würde Rocket Lab das Niveau aus dem ersten Quartal erneut übertreffen.
Bei der GAAP-Bruttomarge peilt das Unternehmen 33 bis 35 Prozent an. Bereinigt sollen es 38 bis 40 Prozent werden. Das zeigt: Die Profitabilität bleibt ein wichtiges Thema.
Beim bereinigten EBITDA erwartet Rocket Lab einen Verlust von 20 bis 26 Millionen Dollar. Im ersten Quartal lag der Nettoverlust bei 45,022 Millionen Dollar. Ein Jahr zuvor waren es 60,616 Millionen Dollar.
Neutron wird zum Prüfstein
Der Auftragsbestand allein reicht nicht. Rocket Lab muss ihn nun sauber in Umsatz und bessere Margen umwandeln. Das gilt besonders für das neue Trägersystem Neutron.
Im ersten Quartal unterschrieb Rocket Lab 31 neue Verträge für Electron und HASTE. Hinzu kamen fünf dedizierte Neutron-Starts. Der Erstflug von Neutron ist für später im Jahr 2026 vorgesehen.
Das Unternehmen arbeitet an der Integration der Hardware für den Erstflug. Auch die Qualifikation des Archimedes-Triebwerks läuft. Dazu kommen Arbeiten an der zweiten Stufe und an wiederverwendbaren Nutzlastverkleidungen.
Der Bereich Verteidigung bleibt ein weiterer Stützpfeiler. Rocket Lab erhielt einen Auftrag der U.S. Space Force über 90 Millionen Dollar. Das Unternehmen soll zwei geostationäre Satelliten mit Heimdall-Nutzlast bauen und betreiben.
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Solche Regierungsaufträge helfen der Investmentstory. Sie können die Schwankungen im kommerziellen Raumfahrtgeschäft abfedern. Sie ersetzen aber nicht den Beweis, dass Rocket Lab profitabel skalieren kann.
Kapitalspielraum mit Nebenwirkung
Auch die Finanzierungsseite bleibt wichtig. Am 20. Mai meldete Rocket Lab eine Vereinbarung zum möglichen Verkauf eigener Aktien. Das Volumen kann bis zu 3,0 Milliarden Dollar betragen.
Das bedeutet keinen sofortigen Verkauf in voller Höhe. Es gibt dem Unternehmen aber Spielraum, Kapital über den Markt aufzunehmen. Bei einer volatilen Aktie kann genau diese Option in Bewertungsdebatten eine Rolle spielen.
Ende März verfügte Rocket Lab über 1,205 Milliarden Dollar an Barmitteln. Hinzu kamen kurzfristige marktgängige Wertpapiere von 177,9 Millionen Dollar. Separat ausgewiesene gebundene Barmittel lagen bei 5,5 Millionen Dollar.
Der operative Mittelabfluss betrug im ersten Quartal 50,3 Millionen Dollar. Die Liquidität ist damit komfortabel, aber nicht grenzenlos. Wachstum, Neutron-Entwicklung und mögliche neue Programme kosten weiter Geld.
Der Rücksetzer ist daher weniger eine Absage an Rocket Labs operative Fortschritte. Er ist ein Test für die Bewertung. In den nächsten Monaten zählen vor allem Neutron-Meilensteine, Startkadenz und sichtbare Fortschritte bei der Marge.
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