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Rocket Lab Aktie: Archimedes besteht Langzeittest

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 20:06 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Erfolgreicher Triebwerkstest für Neutron-Rakete beflügelt Rocket Lab, während die Iridium-Übernahme die Anleger weiter verunsichert.

Rocket Lab Aktie: Neutron-Test treibt Kurs um 5,6 Prozent
Abstrakte Darstellung der Luft- und Raumfahrtindustrie mit einem starken Raketenmotorstrahl vor einem Sternenhimmel, der technologischen Fortschritt und erfolgreiche Tests symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Juli 2026 eine kräftige Erholung. Die Aktie springt um 5,62 Prozent auf 71,40 Euro, nachdem ein entscheidender Test für die neue Trägerrakete Neutron erfolgreich verlaufen ist. Der Kurs bleibt damit zwar noch 46,64 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro aus dem Mai, hat sich aber deutlich vom 52-Wochen-Tief bei 32,60 Euro aus dem November 2025 entfernt. Der RSI notiert bei 38,8 und deutet auf eine überverkaufte Ausgangslage hin, aus der der Titel nun ausbricht.

Archimedes-Triebwerk besteht Langzeitbrenntest

Auslöser der Rally ist der vollständige Langzeitbrenntest des Archimedes-Vakuumtriebwerks, kurz AVac, für die zweite Stufe der Neutron-Rakete. Das Triebwerk liefert rund 20 Prozent mehr Schub als die Erststufen-Variante und verfügt über eine 2,5 Meter höhere Düse. Neutron soll als 141 Fuß hohe, mittelschwere Rakete bis zu 13.000 Kilogramm in eine niedrige Erdumlaufbahn bringen, die erste Stufe ist wiederverwendbar konzipiert. Der Start soll von Wallops in Virginia erfolgen. Firmengründer und Vorstandschef Peter Beck peilt den ersten Neutron-Flug weiterhin für das vierte Quartal 2026 an.

Parallel dazu hat Rocket Lab mit der Mission Victus Haze für die US-Weltraumstreitkräfte einen weiteren Meilenstein gesetzt. Die Trägerrakete Electron brachte das Pioneer-Raumfahrzeug innerhalb von 16 Stunden und 42 Minuten nach Benachrichtigung ins All, die Inbetriebnahme gelang binnen 38 Stunden. Ein Rendezvous-Manöver mit dem Jackal-004-Satelliten von True Anomaly war in unter 59 Stunden nach Auftrag abgeschlossen. Die Mission ist Teil des Programms Tactically Responsive Space und unterstreicht die Fähigkeit des Unternehmens zu schnellen Reaktionszeiten im militärischen Auftragsgeschäft.

Iridium-Übernahme bleibt Belastungsfaktor

Trotz der operativen Fortschritte lastet die milliardenschwere Übernahme von Iridium weiter auf der Stimmung. Rocket Lab zahlt rund 8 Milliarden US-Dollar in bar und Aktien für den Satellitenbetreiber, der 66 Satelliten in der niedrigen Erdumlaufbahn sowie etwa 2,5 Millionen Abonnenten betreibt. Iridium erzielte 2025 einen Umsatz von 871,7 Millionen Dollar bei einer EBITDA-Marge von 57 Prozent. Die Konditionen enthalten eine Kurs-Kollar-Klausel: Notiert Rocket Lab zwischen 67,50 und 112,50 Dollar, erhalten Iridium-Aktionäre umgerechnet rund 54 Dollar je Anteil. Fällt der Kurs unter 67,50 Dollar, greift ein fest fixiertes Umtauschverhältnis von 0,4000. Finanziert wird der Deal unter anderem über einen Brückenkredit von 3,6 Milliarden Dollar durch Deutsche Bank und Wells Fargo, die Frist für den Abschluss läuft bis zum 28. Juni 2027.

Zusätzlich drückt der Auftragsbestand von 2,2 Milliarden Dollar auf die Erwartungshaltung der Anleger – darunter ein Raketenabwehr-Kontrakt über 816 Millionen Dollar und 18 Satelliten für die Space Development Agency. Im ersten Quartal war der Umsatz um rund 63 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die nächsten Quartalszahlen sind für den 6. August 2026 angesetzt.

Analystenmeinungen gehen auseinander

Die Einschätzungen der Analysten fallen uneinheitlich aus. Morgan Stanley hat sein Bull-Case-Kursziel auf 293 Dollar angehoben und bestätigt bei einem Basisszenario von 105 Dollar die Einstufung Overweight. Cantor Fitzgerald bewertet die Aktie mit Kaufen und einem Kursziel von 96 Dollar, Goldman Sachs bleibt bei Halten mit einem Ziel von 76 Dollar. Von 16 erfassten Analysten empfehlen 13 den Kauf, drei raten zu Halten, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 113 Dollar.

Für zusätzliche Diskussion sorgen Insiderverkäufe: Vorstandschef Beck hat rund 3 Millionen Aktien im Wert von 286 Millionen Dollar veräußert – nach eigenen Angaben ein kleiner Teil seiner rund 46 Millionen wandelbaren Aktien. Auf der Handelsplattform Stocktwits bleibt die Stimmung unter Privatanlegern trotz der jüngsten Nachrichten mehrheitlich negativ, das Nachrichtenvolumen zu Rocket Lab war zuletzt um 675 Prozent gesprungen. Der Kurs notiert derzeit 6,14 Prozent über der 200-Tage-Linie, liegt aber noch 24,50 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 94,57 Euro – ein Zeichen dafür, dass die kurzfristige Erholung den mittelfristigen Abwärtstrend bislang nicht durchbrochen hat. Die annualisierte Volatilität von 96,83 Prozent signalisiert, dass Anleger sich weiterhin auf heftige Kursausschläge einstellen sollten, bis am 6. August mit den Quartalszahlen mehr Klarheit über den Fortschritt bei Neutron und der Iridium-Integration vorliegt.

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