Rohöl, RÀtselhafte

Rohöl: RÀtselhafte BestÀnde

16.04.2026 - 13:33:45 | boerse-global.de

Trotz der Blockade der Straße von Hormus sinken die Ölpreise, da die USA ĂŒberraschend hohe LagerbestĂ€nde aufbauen und die Nachfrageprognose fĂŒr 2026 halbiert wurde.

Rohöl: RĂ€tselhafte BestĂ€nde - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Die Welt blickt auf die gesperrte Straße von Hormuz, doch die Preise am Ölmarkt sinken. Am Donnerstag rutschte der WTI-Kurs um 2,28 Prozent auf 89,31 USD ab. WĂ€hrend die globale Versorgung durch die Blockade im Nahen Osten massiv gestört ist, bauen die USA ihre VorrĂ€te ĂŒberraschend aus. Dieser Puffer dĂ€mpft den Preisdruck vorerst ab.

US-Lager fĂŒllen sich trotz Krise

Die US-Energiebehörde EIA meldete fĂŒr die vergangene Woche einen Anstieg der kommerziellen RohölvorrĂ€te auf 464,7 Millionen Barrel. Damit liegen die BestĂ€nde rund 1,9 Prozent ĂŒber dem saisonalen Durchschnitt der letzten fĂŒnf Jahre. Parallel dazu lĂ€uft die heimische Förderung mit etwa 13,6 Millionen Barrel pro Tag auf einem extrem hohen Niveau.

Diese Entwicklung steht im krassen Gegensatz zur Lage am Persischen Golf. Dort brach die OPEC-Produktion im MĂ€rz auf ein 35-Jahres-Tief von 22,05 Millionen Barrel pro Tag ein. Der US-Zuwachs resultiert unter anderem aus einer geringeren Auslastung der Raffinerien, die wegen Logistikproblemen weniger Rohöl fĂŒr den Export verarbeiten.

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Nachfrage-Prognose radikal gekĂŒrzt

Ein weiterer Faktor belastet die Notierungen: Die EIA hat ihre Erwartungen fĂŒr das weltweite Nachfrage-Wachstum im Jahr 2026 halbiert. Statt der ursprĂŒnglich prognostizierten 1,2 Millionen Barrel pro Tag rechnet die Behörde nur noch mit einem Plus von 0,6 Millionen Barrel. Hohe Energiekosten im ersten Quartal haben in vielen Industrienationen bereits zu einer spĂŒrbaren Nachfragezerstörung gefĂŒhrt.

Besonders in Asien hinterlĂ€sst die Teuerung Spuren. Die Verknappung von Mitteldestillaten wie Diesel belastet die weltweite industrielle AktivitĂ€t. WĂ€hrend Rohöl in den USA durch hohe LagerbestĂ€nde ausreichend verfĂŒgbar scheint, fehlen dem Weltmarkt laut SchĂ€tzungen der IEA derzeit bis zu 9,1 Millionen Barrel pro Tag.

Hoffnung auf diplomatische Lösung

Der Markt reagiert aktuell sensibel auf Signale einer möglichen Entspannung. Diplomaten verhandeln derzeit ĂŒber eine VerlĂ€ngerung der zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. Diese Hoffnung auf Deeskalation bremst spekulative KĂ€ufe aus, obwohl die Straße von Hormuz fĂŒr den regulĂ€ren Tankerverkehr weiterhin faktisch geschlossen bleibt.

Die fĂŒr Mai angekĂŒndigte Fördererhöhung der OPEC+ um 206.000 Barrel pro Tag stufen Marktbeobachter als rein symbolisch ein. Die physische Infrastruktur im Nahen Osten ist durch vorangegangene Angriffe zu stark beschĂ€digt, um die LĂŒcke kurzfristig zu schließen. Die Folgetreffen in Genf in der kommenden Woche markieren den nĂ€chsten Termin, der ĂŒber eine dauerhafte Deeskalation und die mögliche Wiedereröffnung der Schifffahrtswege entscheidet.

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