ROUNDUP, Zweifel

Zweifel in der Koalition an erschwerter Krankmeldung

Veröffentlicht am: 06.07.2026 um 18:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
(neu: SPD im 3. Satz und Abs.

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BERLIN (dpa-AFX) - Die schwarz-roten PlĂ€ne fĂŒr erschwerte Krankmeldungen im Job stoßen auch in der Koalition selbst auf teils heftige Vorbehalte. Der CDU-ArbeitnehmerflĂŒgel forderte die Streichung des Vorhabens der Koalitionsspitzen. Die SPD sprach sich nach einer Vorstandssitzung fĂŒr "grĂ¶ĂŸtmögliche Freiheit in der Umsetzung" aus, wie GeneralsekretĂ€r Tim KlĂŒssendorf deutlich machte.

Der Vize-Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian BĂ€umler, sagte dem "Tagesspiegel": "Die Koalition muss dieses völlig unnötige Thema schnell abrĂ€umen." Die meisten Menschen, mit denen er darĂŒber gesprochen habe, seien entsetzt von der angekĂŒndigten Pflicht zu einer Krankschreibung an Tag eins. "Es gibt einen Riesen-Unmut darĂŒber." Laut einer SchĂ€tzung könnte es zu Millionen zusĂ€tzlichen Praxisbesuchen kommen.

Der Koalitionsausschuss von Union und SPD hatte vereinbart, die Möglichkeit telefonischer Krankschreibungen abzuschaffen. Außerdem soll die verpflichtende Vorlage einer Ă€rztlichen ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag als gesetzliche Regel eingefĂŒhrt werden - statt wie bisher am vierten Tag. In Betrieben sollen abweichende Regeln vereinbart werden können. Arbeitgeber können auch jetzt eine frĂŒhere Vorlage verlangen.

SchÀtzung: Millionen Praxisbesuche mehr

Nach einer groben SchĂ€tzung der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung (KBV) wĂŒrden Krankschreibungen ab dem ersten Tag erheblichen Aufwand auslösen. Zu rechnen sei konservativ geschĂ€tzt mit mindestens 30 Millionen zusĂ€tzlichen Praxisbesuchen im Jahr, teilte die KBV auf Anfrage mit. Bei einer Behandlung von zehn Minuten fĂŒr Untersuchung und GesprĂ€ch ergĂ€be dies demnach 208.000 Arbeitstage. Basis sind den Angaben zufolge Krankenkassendaten, wonach 36,5 Prozent der Krankschreibungen fĂŒr ein bis drei Tage ausgestellt werden - und die Annahme, dass bisher etwa so viele Versicherte ohne eine Bescheinigung fehlen. Zuerst berichtete das "Deutsche Ärzteblatt" darĂŒber.

Kanzler will Krankenstand senken

Kanzler Friedrich Merz (CDU) begrĂŒndete die geplanten strengeren Regeln damit, dass der Krankenstand gesenkt werden solle. Er machte deutlich, das heiße nicht, dass man am ersten Tag in die Praxis gehen mĂŒsse. Bereits möglich ist, dass Ärzte den Beginn einer ArbeitsunfĂ€higkeit rĂŒckdatieren - aber "nur ausnahmsweise und nur nach gewissenhafter PrĂŒfung und in der Regel nur bis zu drei Tagen", wie eine Richtlinie festlegt. Aus der SPD kamen Mahnungen zu einer praktikablen Umsetzung der Vereinbarungen des Koalitionsausschusses.

CDA-Vize BĂ€umler sagte: "Die Koalition sollte sich anderen Themen zuwenden, statt das Signal an die Menschen in Deutschland zu senden, dass sie ihnen misstraut."

SPD und CDU: Firmen sollen entscheiden

SPD-GeneralsekretĂ€r Tim KlĂŒssendorf verwies auf viele kritische RĂŒckmeldungen auch der Basis. "Alle haben jetzt gezeigt, dass sie die Zeichen auch verstanden haben, das Feedback auch verstanden haben, dass es eine sehr pragmatische, auch praxisnahe Umsetzung jetzt braucht." Sein Ziel wĂ€re es, dass die Arbeitgeber ĂŒber eine Betriebsvereinbarung oder einen Tarifvertrag selbst entscheiden, sagte KlĂŒssendorf. Es gebe Arbeitgeber, die bereits gesagt hĂ€tten, sie wĂŒrden weiter erst am dritten Tag eine Bescheinigung verlangen. Andere tĂ€ten dies bereits heute schon ab Tag eins. KlĂŒssendorf brachte auch Videosprechstunden als Umsetzungsmöglichkeit ins Spiel.

CDU-GeneralsekretĂ€r Carsten Linnemann verteidigte die PlĂ€ne. Es gehe um einen gesetzlichen Rahmen, der dann austariert werden mĂŒsse, sagte er nach Sitzungen der CDU-Spitzengremien. Unternehmen könnten entscheiden, wie sie ihn mit Leben fĂŒllen. Es gebe auch die Idee, dass man es mit einer Bescheinigung rĂŒckwirkend machen könne.

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