ROUNDUP, Rabattwelle

Rabattwelle und Brauereisterben - Bierbranche in der Krise

Veröffentlicht am: 10.07.2026 um 13:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Brauwirtschaft gerĂ€t tiefer in die Krise: Der Bierkonsum in Deutschland geht 2026 weiter zurĂŒck.

Das hat Auswirkungen auf das Sortiment im Handel und die Preise. Insolvenzen, Schließungen und VerkĂ€ufe von Brauereien werden an immer mehr Standorten ein Thema.

"Tatsache ist, dass es die Branche weniger mit einer Absatzdelle als mit einer echten ZĂ€sur zu tun hat", sagt Holger Eichele, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen Brauer-Bundes. Der deutsche Biermarkt schrumpfe nach minus 6 Prozent 2025 um gut 5 Prozent in den ersten fĂŒnf Monaten 2026.

"Seit Mai 2019, dem letzten Jahr ohne externe EinflĂŒsse durch Corona-Pandemie oder den Krieg gegen die Ukraine, hat die Branche somit 550 Millionen Liter Bier verloren, das sind rund 18 Prozent des frĂŒheren Gesamtmarktes", verdeutlicht Eichele das Ausmaß des AbwĂ€rtstrends.

Das hat gravierende Folgen, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen: Der Braukonzern um Warsteiner gab einen KapazitÀtsabbau um fast ein Drittel mit Kahlschlag bekannt. Die Brauerei in Herford wird geschlossen. Falls sich kein KÀufer findet, wird auch die Brauerei in Paderborn dicht gemacht.

Was bedeutet das fĂŒr die Verbraucher?

Die großen Anbieter besitzen Skaleneffekte, können also Bier gĂŒnstiger produzieren, wie Veltins-Chef Volker Kuhl erklĂ€rt. Das RĂŒckgrat der Branche, mittlere und kleinere Betriebe, gerieten am stĂ€rksten in die Zange. Die Traditionsmarken blieben aber oft erhalten, wenn Produktion abwandere.

Auch im Handel finde eine Marktbereinigung statt. Die Regale seien lange mit Hellbieren "geflutet" worden. Inzwischen gewinne das alkoholfreie Segment an Vielfalt hinzu, sagt Veltins-Marketing-Manager Fabian Veltins. Alkoholfreie GetrĂ€nke hĂ€tten im Handel den Umsatzanteil von 50 Prozent ĂŒberschritten, wĂ€hrend der von Bier auf unter 22 Prozent gesunken sei.

Handel wirbt mit hohen Rabatten

Mit der Fußball-WM startete eine Rabattwelle mit PreisabschlĂ€gen von bis zu knapp 40 Prozent: "Um die tief sitzende Verbraucherunsicherheit zu durchbrechen und die eigene Marktposition zu verteidigen, reaktivierte der Handel vermehrt die psychologisch kritische Kampfgrenze von unter 10 Euro pro Kasten Bier", beschreibt Veltins-Vertriebsmanager Rainer Emig.

Laut Marcus Strobl, GetrĂ€nkeexperte des Marktforschungsunternehmens NIQ, hat der AbsatzrĂŒckgang bei Bier von 4 Prozent in den ersten sechs Monaten 2026 im Handel die gleiche GrĂ¶ĂŸenordnung wie die im Vorjahr.

Der durchschnittliche Bierpreis erhöhte sich von 1,59 Euro je Liter im ersten Halbjahr 2025 auf 1,64 Euro je Liter im ersten Halbjahr 2026. Deshalb sei der Umsatz im Handel nicht erneut so stark zurĂŒckgegangen wie im Vorjahr. Die Juni-Aktionspreise seien im WM-Umfeld höher gewesen als die im Vorjahr.

Kaum Effekte auf Braubranche

"Von der Fußball-WM hatten wir nichts erwartet und wurden auch nicht enttĂ€uscht", meint Eichele. Mit Blick auf hohe Produktionskosten und den RĂŒckgang des Bierkonsums "ist leider damit zu rechnen, dass die Anzahl der Brauereien in Deutschland weiter abnehmen wird". Ein Lichtblick sei der wachsende Anteil alkoholfreier Biere und deren Spitzenstellung in Europa.

Als GrĂŒnde fĂŒr den starken AbwĂ€rtstrend fĂŒhrt der Verbandsvertreter das schlechte Konsumklima an, das durch anhaltende politische Unsicherheit verursacht sei. Außerdem wirkten sich die Bevölkerungsentwicklung, Post-Pandemie-Effekte wie die anhaltende Krise der Gastronomie, das verĂ€nderte Ausgehverhalten, die Digitalisierung des Alltags mit Lieferdiensten aus. Auch konsumierten junge Leute deutlich weniger Alkohol als Ă€ltere Menschen.

"Es wird weiter weniger Bier getrunken in Deutschland", stellt auch Niklas Other, Herausgeber des GetrÀnkemarkt-Magazins "Inside" fest. Die Braubranche befinde sich in einer Konsolidierungswelle, bei der sicherlich noch einiges kommen werde. Das sei ein zÀher und schmerzlicher Prozess. "Man wird nicht mehr alle Standorte retten können in der Braubranche."

Veltins wÀchst nur mit Zukauf

Die Großbrauerei Veltins hat nur durch den Zukauf der Marke Karamalz ihren Wachstumskurs fortsetzen können. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der GetrĂ€nkeabsatz zwar um 1,3 Prozent auf 180 Millionen Liter. Aber ohne die Übernahme des MalzgetrĂ€nks von der Brauerei Eichbaum in Mannheim wĂ€re der Absatz Sauerland um 2,5 Prozent gesunken. Die Stammmarke Veltins Pils verlor im ersten Halbjahr 4,3 Prozent Absatz. Dabei habe auch eine vollzogene Preiserhöhung eine Rolle gespielt, erlĂ€uterte der Veltins-Chef.

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