ROUNDUPWadephul, Ostsee

Ostsee wird zunehmend zur Konfliktzone

19.06.2026 - 12:30:13 | dpa.de

Russland sieht den Ostseeraum nach Ansicht von Bundesaußenminister Johann Wadephul zunehmend als Konfliktzone.

"Wir alle haben verstanden, dass die Ostsee selbst fĂŒr die Verteidigung des gesamten BĂŒndnisses von zentraler Bedeutung ist", sagte der CDU-Politiker zum Start der "Kiel Security Conference". Die Ostsee diene als strategischer Weg fĂŒr VerstĂ€rkung und Nachschub - dies wisse auch Russland.

Bei der Sicherheitskonferenz in Schleswig-Holsteins Hauptstadt sprechen politische EntscheidungstrĂ€ger, fĂŒhrende MilitĂ€rs und Experten ĂŒber die verĂ€nderte Lage im Ostseeraum. Daran nahm zum Start neben Wadephul auch RumĂ€niens Außenministerin Oana Toiu teil.

"Wir haben Sabotageakte, SpionageaktivitĂ€ten, GPS-Störungen, das Eindringen von Drohnen und Kampfflugzeugen in den Nato-Luftraum, die Durchfahrt der russischen Schattenflotte sowie das wiederholte Auftauchen russischer Forschungsschiffe in der NĂ€he kritischer Infrastrukturen beobachtet", fĂŒhrte Wadephul aus. Dies beweise, warum etwa das Nato-Marine-Manöver Baltops im Ostseeraum abgehalten und in die Sicherheit investiert werden mĂŒsse.

Wadephul: Zeiten haben sich grundlegend geÀndert

Daran zeigt sich laut dem Außenminister auch, dass das Nato-BĂŒndnis weiter eng zusammensteht. So werde das Marine-Manöver, das zum Beginn der Kieler Woche (20. bis 28. Juni) endet, zum 55. Mal von der US-Navy gefĂŒhrt. Wadephul erwarte, dass die Vereinigten Staaten auch in der Zukunft Engagement im Ostseeraum zeigen werden. "Ich glaube, dass die USA sehr genau wissen, dass das eine empfindliche Stelle im Nato-BĂŒndnis ist und dass wir gemeinsam gerade jetzt zeigen mĂŒssen, dass wir zusammenstehen."

Allerdings erwarteten die Vereinigten Staaten, dass die europÀischen LÀnder selbst in ihre Sicherheit investierten. Diese Idee gibt es nach den Worten Wadephuls nicht erst seit der aktuellen US-Regierung. Schon vor langer Zeit hÀtten die USA Europa dazu aufgefordert, Abschreckung und Verteidigung ernst zu nehmen. "Wir wollten davon nichts wissen", betonte der Minister. Doch die Zeiten hÀtten sich grundlegend geÀndert - heute investierten die meisten europÀischen LÀnder nachhaltig in ihre StreitkrÀfte.

"Was die Bundeswehr angeht, muss ich zugeben, dass wir noch nicht dort sind, wo wir hinwollen", erklĂ€rte Wadephul. Doch das MilitĂ€r werde jeden Tag stĂ€rker. Mehr Mittel in die Sicherheit zu investieren, sei angesichts der LĂ€nder, die sich einen Bruch der transatlantischen Beziehungen wĂŒnschten, unbestreitbar notwendig. Dazu gehöre auch Russland.

de | boerse | 69581691 |