S&P 500: Rekordnähe trotz Ölpreissprung
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 11:20 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der S&P 500 stand am Freitag kurz vor einem neuen Rekord — dann kam das Wochenende, und mit ihm neue Angriffe zwischen den USA und dem Iran. Die Terminkontrakte auf den Index rutschten am Sonntagabend ins Minus. Ausgerechnet zum Start der Berichtssaison zeigt sich, wie schnell geopolitische Risiken die Stimmung drehen können.
Zum Wochenschluss hatte der Index noch mit 7.575,39 Punkten geschlossen, ein Plus von 0,42 Prozent und über die Woche gerechnet ein Zuwachs von 1,2 Prozent. Getragen wurde die Rally auch vom fulminanten Nasdaq-Debüt der SK-Hynix-Aktien. Die Wall Street ignorierte damit größtenteils, dass sich der Konflikt im Nahen Osten über das Wochenende weiter zuspitzte.
Öl treibt die Nervosität, Asien reagiert heftig
Nach neuen US-Luftangriffen und iranischen Vergeltungsschlägen zog der Ölpreis kräftig an — Brent verteuerte sich um 4,1 Prozent auf 79,12 Dollar je Barrel. Teheran erklärte die Straße von Hormus für den kommerziellen Schiffsverkehr als gesperrt, während das US-Zentralkommando das Gegenteil behauptete. Diese Unsicherheit reichte, um die Terminkontrakte auf den S&P 500 um 0,3 Prozent auf rund 7.598 Punkte zu drücken.
Besonders hart traf es Asien. Der südkoreanische Kospi brach um 8 Prozent ein und löste einen Handelsstopp aus, während Speicherchip-Werte wie SK Hynix und Samsung zweistellig nachgaben. Die vergleichsweise stabile "Old Economy" deutet auf eine Rotation weg von den zuletzt stark gelaufenen KI-Werten hin.
Bankenreigen eröffnet die Bilanzsaison
Ab Dienstag öffnen die großen US-Banken den Reigen der Quartalszahlen — JPMorgan, Bank of America, Goldman Sachs, Wells Fargo und Citigroup machen den Anfang. Mittwoch folgen Morgan Stanley und Bank of New York Mellon, dazu Johnson & Johnson, ASML und TSMC. UnitedHealth, GE Aerospace und Netflix runden die Woche ab.
Die Erwartungen sind hoch: Analysten rechnen für das zweite Quartal mit einem Gewinnwachstum von 23,6 Prozent im S&P 500, Flüsterschätzungen liegen sogar bei etwa 29 Prozent. Im ersten Quartal hatten die Unternehmen die Prognosen bereits um das Doppelte übertroffen — die Messlatte liegt also entsprechend hoch.
Parallel zur Bilanzsaison rückt am Dienstag die US-Inflationsdaten in den Fokus. Goldman Sachs rechnet mit einem moderaten Anstieg der Kerninflation von 0,17 Prozent im Monatsvergleich, unterhalb des Konsens. Die Bank verweist darauf, dass der S&P 500 zu Beginn früherer Fed-Straffungszyklen im Schnitt in den ersten drei Monaten rund 2 Prozent verlor, sich auf Zwölfmonatssicht aber meist deutlich erholte. Optionsmärkte preisen nach der CPI-Veröffentlichung eine Bewegung von etwa 0,8 Prozent ein, bis Wochenende rund 1,1 Prozent.
Die Fed selbst tagt erst am 28. und 29. Juli. Bis dahin dürfte der Markt zwischen Ölpreis-Schlagzeilen, Bankbilanzen und Inflationsdaten hin- und hergerissen bleiben — mit dem Rekordhoch vom Freitag als Referenzpunkt, der in dieser Woche auf die Probe gestellt wird.
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