SAP und Telekom treiben Digitalisierung der Verwaltung voran
16.04.2026 - 06:21:27 | boerse-global.deNeue Vergaberichtlinien des Bundes beschleunigen den Abschied von veralteter Software.
Digitaler Aufbruch mit neuen Vergaberegeln
Die Bundesregierung setzt klare Signale für mehr digitale Souveränität. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hat am Montag, 14. April, aktualisierte EVB-IT-Vertragsmuster veröffentlicht. Diese fördern ausdrücklich den Einsatz von Open-Source-Software in der öffentlichen Verwaltung. Ziel ist es, die Abhängigkeit von monopolistischen Anbietern zu verringern. Eine aktuelle Studie zeigt das Ausmaß des Problems: 84 Prozent der deutschen Unternehmen sind bei Bürosoftware noch immer von Anbietern außerhalb der EU abhängig.
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Parallel dazu gehen Kommunen voran. Die Stadt Hanau führte bereits am Dienstag, 15. April, das europäische Bezahlsystem Wero ein. Bürger können damit Gebühren in Einwohnermelde- und Standesämtern zahlen. Die technische Abwicklung über die Plattform epay21 stellt sicher, dass alle Daten im europäischen Rechtsraum verbleiben. Auch der Landkreis Friesland modernisiert 2026 seine IT. Alte Windows- und Office-Versionen werden durch moderne Cloud-Alternativen ersetzt – unter strenger Beachtung der europäischen Datenschutzvorgaben.
Cloud-Payroll für den öffentlichen Dienst
Im Personalwesen vollzieht sich ein grundlegender Wandel. Seit Januar 2026 bietet SAP SuccessFactors Employee Central Payroll eine Cloud-native Lösung speziell für den öffentlichen Sektor an. Sie soll Behörden den Abschied von veralteten, lokalen Gehaltsabrechnungssystemen erleichtern. Noch im ersten Halbjahr 2026 plant SAP ein Update mit 14 neuen Funktionen. Dazu gehören KI-gestützte Gehaltsabrechnung und Erweiterungen für das Payroll Control Center, um komplexe gesetzliche Änderungen besser abbilden zu können.
Diese Cloud-Offensive führt zu einer Konsolidierung am Markt. Am 15. April gaben die Aconso Group und Centric Germany ihre Fusion bekannt. Das neue Unternehmen will zum europäischen Marktführer für HR-Dokumentenmanagement werden. Centric ist ein langjähriger SAP-Partner, der spezielle Zusatzmodule für SuccessFactors entwickelt. Aconso wiederum ist auf digitale Personalakten spezialisiert. Die Fusion soll die Nachfrage des öffentlichen Sektors nach integrierten Cloud-Lösungen bedienen. Selbst kleinere Stadtwerke wie Ellwangen und Giengen steigen von traditionellen SAP IS-U-Systemen auf moderne SaaS-ERP-Plattformen um.
Gehaltsreform erfordert flexible IT
Die digitale Modernisierung trifft auf tiefgreifende strukturelle Änderungen. Das Bundesinnenministerium (BMI) legte am 14. April einen Entwurf für eine umfassende Beamtenbesoldungsreform vor. Dieser sieht eine gestaffelte Gehaltserhöhung vor: 3,0 Prozent rückwirkend zum April 2025 und mindestens 2,8 Prozent ab 1. Mai 2026.
Zudem wird die Besoldungsstruktur grundlegend überarbeitet. Die niedrigste Besoldungsstufe entfällt, um ein höheres Einstiegsgehalt zu schaffen. Die Intervalle zwischen den Erfahrungsstufen werden vereinheitlicht. Für die Nachzahlungen der Jahre 2021 bis 2026 veranschlagt der Bund rund 736,65 Millionen Euro. Diese komplexen Berechnungen, die sich künftig an 80 Prozent des mittleren Äquivalenzeinkommens orientieren, erfordern leistungsfähige und flexible Personalsoftware.
Hinzu kommt die EU-Transparenzrichtlinie. Sie tritt am 7. Juni 2026 in Kraft und gibt Arbeitnehmern das Recht auf gleiches Entgelt bei gleicher Arbeit – inklusive rückwirkender Ansprüche. In Deutschland liegt die unbereinigte Gender Pay Gap aktuell bei 16 Prozent, die bereinigte bei 6 Prozent.
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„Deutschland-App“ als zentrale Bürgerplattform
Ein Herzstück der Digitalstrategie ist die im Februar 2026 angekündigte „Deutschland-App“. Sie soll zum zentralen digitalen Portal für Bürger werden. SAP und die Deutsche Telekom entwickeln die App gemeinsam. Ein erster Prototyp ist für Sommer 2026 geplant, die verpflichtende Einführung bei allen Behörden bis 2028. Vorbild ist die erfolgreiche BayernID mit über einer Million Nutzern. Experten warnen jedoch: Das Portal kann nur funktionieren, wenn auch die Verwaltungsprozesse im „Back-End“ vollständig digitalisiert sind.
Die Nachfrage nach entsprechenden Fachkräften ist hoch. Mitte April 2026 sind zahlreiche Stellen für Berater in SAP HCM und SuccessFactors ausgeschrieben, besonders in den Bereichen Talent Management und Cloud-Integration. Marktanalysten prognostizieren dem deutschen Markt für HR-Software bis 2033 eine jährliche Wachstumsrate von 5,6 Prozent – getrieben von Automatisierung, Selbstservice-Portalen und Datenanalysen.
Rechtliche Hürden und arbeitspolitische Neuerungen
Trotz des Modernisierungsschubs stehen Behörden vor komplexen Herausforderungen. Der Gewerkschaftsverband Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Nordrhein-Westphalia verweist auf den bürokratischen Aufwand bei der Höhergruppierung von Lehrkräften in die Besoldungsstufe A 13 zum 1. August 2026.
Auch Gerichte gestalten den digitalen Arbeitsplatz mit. Das Thüringer Landesarbeitsgericht entschied am 2. März 2026, dass Arbeitgeber Urlaubsanträge über zwei Wochen nicht pauschal mit „allgemeinem Personalmangel“ ablehnen dürfen. Es müssen konkrete, dringende betriebliche Gründe vorliegen.
Für Gewerkschaftsmitglieder gibt es eine steuerliche Neuerung. Durch das Steueränderungsgesetz 2025 sind Gewerkschaftsbeiträge ab dem Veranlagungszeitraum 2026 zusätzlich zum Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro absetzbar. Der Steuerzahlerbund rechnet deshalb mit mehr Steuererklärungen im Jahr 2027.
Ausblick: Von der Migration zur Optimierung
Die zweite Jahreshälfte 2026 wird diese digitalen Trends weiter festigen. Die Bundesregierung will am 29. April einen Entwurf für ein Krisenbonus-Gesetz vorlegen. Es soll Arbeitgebern ermöglichen, steuerfreie Prämien bis zu 1.000 Euro an Beschäftigte zu zahlen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gibt zu bedenken, dass vor allem große, tarifgebundene Unternehmen mit entsprechender Liquidität davon profitieren dürften.
Die Minijob-Grenze war bereits zum 1. Januar 2026 auf 603 Euro angehoben worden, 2027 soll sie auf 633 Euro steigen. Die Automatisierung von Lohnabrechnung und Compliance bleibt damit für alle Arbeitgeber ein Top-Thema. Der Erfolg der „Deutschland-App“ und der gesamten HR-Digitalisierung hängt letztlich davon ab, ob die Cloud-Migration die Brücke schlagen kann: zwischen komplexen gesetzlichen Vorgaben und dem dringenden Bedarf an effizienter Verwaltung.
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