Wachsender VerbraucherÀrger - Deutlich mehr Beschwerden bei Bafin
08.04.2024 - 10:13:13 | dpa.deDie Zahl der Beschwerden erhöhte sich zum Vorjahr deutlich um 62 Prozent auf 38 233 FĂ€lle. Besonders groĂ war der Unmut von Bankkundinnen und -kunden. "Ein wesentlicher Teil der Beschwerden ĂŒber Störungen im Privatkundenservice bei den Banken ging auf ein Finanzinstitut zurĂŒck", erlĂ€uterte Christian Bock, Leiter der Bafin-Verbraucherschutzabteilung am Montag.
Im Zusammenhang mit einer IT-Umstellung hatten sich bei der Postbank im vergangenen Jahr Beschwerden von Kundinnen und Kunden gehĂ€uft, die zeitweise nicht mehr auf Konten zugreifen konnten oder ĂŒber Verzögerungen bei Baufinanzierungen klagten. Im Rahmen einer IT-Umstellung waren zwölf Millionen Kunden der Postbank mit sieben Millionen Deutsche-Bank-Kunden in Deutschland auf einer Plattform zusammengefĂŒhrt worden. Seit vergangenem Herbst ĂŒberwacht ein Sonderbeauftragter im Auftrag der Bafin den Fortschritt.
Die Deutsche Bank DE0005140008 hat nach eigenen Angaben die Probleme bei der Postbank inzwischen abgearbeitet. "Wir haben zu Ende MĂ€rz wie zuletzt angekĂŒndigt den RĂŒckstau bei den kundenkritischen Prozessen, die auch Gegenstand der Anordnungen der Bafin waren, bewĂ€ltigt, und arbeiten weiter an Verbesserungen", sagte ein Bank-Sprecher. "Auch neu eingehende Anliegen unserer Kundinnen und Kunden in diesen Prozessen werden grundsĂ€tzlich in den erwarteten Servicezeiten bearbeitet." Gleichzeitig sei der Bank bewusst, "dass wir weiterhin Arbeit vor uns haben, um unseren Kundenservice und unsere Prozesse in den kommenden Monaten weiter zu verbessern."
Beschwerden von Bankkunden um 87 Prozent gestiegen
Insgesamt stieg die Zahl der Beschwerden von Bankkunden bei der Finanzaufsicht um fast 87 Prozent auf 27 536 FĂ€lle. Seit dem Jahr 2018 zeigen die Zahlen hier kontinuierlich nach oben. FĂŒr Unmut bei Kundinnen und Kunden sorgten den Angaben zufolge im vergangenen Jahr vor allem Probleme bei KontokĂŒndigungen, Störungen im Kundenservice, verspĂ€tet ausgestellte Jahressteuerbescheinigungen sowie unzulĂ€ssige GebĂŒhren bei BausparvertrĂ€gen. Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom November 2022 dĂŒrfen Bausparkassen von ihren Kunden auch in der Sparphase keine pauschale GebĂŒhr wie ein Jahresentgelt verlangen.
Ăber Versicherer und Wertpapierdienstleister hĂ€uften sich ebenfalls die Beschwerden. Bock fĂŒhrte dies auch auf die wachsende Bekanntheit der Bafin zurĂŒck. "Inzwischen kennen uns viel mehr Verbraucherinnen und Verbraucher. Das liegt unter anderem daran, dass wir ĂŒber unsere MaĂnahmen transparent berichten", erlĂ€uterte Bock im "Bafin-Journal". "Wir haben aber auch einige hohe BuĂgelder verhĂ€ngt und die Bestellung von Sonderbeauftragten bekanntgemacht." Zudem hĂ€tten die eigenen AktivitĂ€ten der Bundesanstalt fĂŒr Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in den sozialen Medien zur Sichtbarkeit beigetragen.
"Mehr Verbraucherinnen und Verbraucher denken also: Wenn ich mich ĂŒber meine Bank, den Versicherer oder mein Wertpapierdienstleistungsunternehmen beschweren will, kann ich das bei der Bafin tun", sagte Bock. Einzelne StreitfĂ€lle dĂŒrfe und könne die Finanzaufsicht allerdings nicht verbindlich entscheiden. "Hier sind ordentliche Gerichte die richtigen Ansprechpartner, auch an Ombudsleute und Schlichtungsstellen kann man sich wenden."
Schaden- und Unfallversicherer oft telefonisch schlecht erreichbar
Versicherungskunden beklagten sich der Bafin zufolge vor allem ĂŒber langsame Schadenbearbeitung und schleppende Auszahlung von Versicherungsleistungen. "Schaden- und Unfallversicherer waren zudem auffĂ€llig oft schlecht telefonisch erreichbar", berichtete Bock. Bei Lebensversichern hĂ€tten sich Kundinnen und Kunden vor allem an der Höhe der Versicherungsleistung gestört. Die Zahl der Beschwerden ĂŒber Versicherungen stieg insgesamt um gut 20 Prozent auf 7680 FĂ€lle.
Bei Wertpapierdienstleister stand hĂ€ufig der Kundenservice in der Kritik. Kunden klagten den Angaben zufolge ĂŒber lange Reaktionszeiten, unzureichende Antwortschreiben oder Schwierigkeiten im Zusammenhang mit DepotĂŒbertrĂ€gen. Die Zahl der Beschwerden stieg hier um insgesamt fast 18 Prozent auf 2835. Ăber Kapitalverwaltungsgesellschaften beschwerten sich Anlegerinnen und Anleger in 182 FĂ€llen (Vorjahr: 96 Beschwerden).
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