Schweizer, Nachhaltigkeitsgesetz

Schweizer Nachhaltigkeitsgesetz: Große Unternehmen vor strengeren Pflichten

17.04.2026 - 14:39:57 | boerse-global.de

Der Schweizer Bundesrat legt einen Gesetzesentwurf vor, der umfassende Berichtspflichten für große Konzerne vorsieht. Die Regeln orientieren sich an EU-Vorgaben und sollen 2029 in Kraft treten.

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Die Schweiz stellt die Weichen für eine grünere Wirtschaft: Der Bundesrat hat einen Entwurf für ein Bundesgesetz über die nachhaltige Unternehmensführung vorgelegt. Damit will sich die Alpenrepublik an die strengeren EU-Regeln für Transparenz und Sorgfaltspflichten angleichen. Für viele Schweizer Konzerne bedeutet das mehr Aufwand – birgt aber auch Chancen.

Neue Schwellenwerte: Wer muss künftig berichten?

Der Gesetzesentwurf, der Anfang April 2026 in die Vernehmlassung ging, zieht klare Grenzen. Laut einer Analyse von BDO Schweiz trifft es vor allem große Unternehmen. Firmen mit über 1.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 450 Millionen Schweizer Franken müssen künftig umfassende Nachhaltigkeitsberichte erstellen. Diese müssen zudem von einem Prüfer mit einer „limited assurance“ testiert werden – eine deutliche Verschärfung gegenüber bisherigen Gepflogenheiten.

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Noch strenger wird es für die größten Player im Land. Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz über 1,5 Milliarden Franken unterliegen verpflichtenden Sorgfaltspflichten. Sie müssen Risiken in ihren globalen Lieferketten identifyzieren und mindern. Die Vernehmlassung läuft bis zum 9. Juli 2026. Das Gesetz soll voraussichtlich 2029 in Kraft treten.

Doch was bedeutet das für die vielen kleinen Zulieferer? Der Entwurf will KMU vor zu hohem bürokratischem Aufwand schützen. Große Konzerne dürfen von ihren Mittelstands-Partnern nur noch Daten anfordern, die dem freiwilligen VSME-Standard entsprechen. So soll der „Trickle-Down-Effekt“ – die Weitergabe der Berichtspflichten in die Lieferkette – beherrschbar bleiben.

Innovation statt Bürde: Technologie als Schlüssel

Die neuen Regeln werden oft als Kostenfaktor gesehen. Für führende Unternehmen sind sie aber ein Innovationsmotor. Das belegt der „Sustainable Procurement Barometer 2026“ von EcoVadis und Accenture. Demnach sehen rund 80 Prozent der leistungsstärksten Firmen in der Nachhaltigkeit eine primäre Quelle für Rendite. Bei anderen Unternehmen sind es nur 54 Prozent.

Die Studie zeigt auch den finanziellen Druck: Störungen in den Lieferketten kosten die globale Wirtschaft jährlich Wachstum im Wert von über 1,6 Billionen US-Dollar. Die Antwort darauf ist Technologie. Bereits 72 Prozent der Einkaufsprofis setzen Künstliche Intelligenz (KI) für Analysen ein, 64 Prozent für das Risikomanagement.

Am Markt haben sich spezialisierte Tools wie ESG Lift, Tanso oder Karomia etabliert. Sie helfen Unternehmen, die komplexen Anforderungen von CSRD und VSME zu bewältigen. Einige Lösungen schaffen es, bis zu 80 Prozent der Berichte automatisiert zu füllen – eine enorme Entlastung besonders für KMU.

Globale Risiken: Sanktionen und Lieferketten unter Druck

Die Nachhaltigkeitsdebatte findet in einer angespannten geopolitischen Lage statt. Schweizer Dienstleister wie 360core weisen darauf hin, dass robuste Due-Diligence-Systeme und Sanktionsprüfungen unverzichtbar werden. Diese Softwarelösungen gleichen Geschäftspartner in Echtzeit mit internationalen Warnlisten ab, etwa von den Vereinten Nationen oder dem US-Finanzministerium (OFAC).

Aktuell zeigt sich die Komplexität solcher Regime in der EU. Mitte April berichteten Diplomaten, dass die EU-Außenminister in Luxemburg über ein 20. Sanktionspaket gegen Russland beraten. Verhandlungen sind schwierig, da Länder wie die Slowakei oder Ungarn Bedenken haben. Für Schweizer Firmen, die eng mit dem EU-Markt verflochten sind, ist die Einhaltung dieser sich ständig ändernden Sanktionen eine zentrale Aufgabe.

Doch auch abseits von Geopolitik gibt es Herausforderungen. Eine Studie zu ESG-Sorgfaltspflichten in chinesischen Lieferketten zeigt: Der Wille der Zulieferer zur Compliance ist groß, aber es hapert an den Fähigkeiten. Unternehmen, die die Regeln kennen, führen fast fünfmal häufiger formale Risikobewertungen durch. Hier sind Schulungen und standardisierte Tools gefragt.

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Der Domino-Effekt: Warum auch KMU betroffen sind

Das geplante Gesetz adressiert direkt nur große Konzerne. In der Praxis bleibt aber kaum ein Unternehmen verschont. Der Grund: Der „Trickle-Down-Effekt“. Banken und große Geschäftskunden, die selbst berichten müssen, geben die Anforderungen an ihre Partner weiter. Kredite werden oft an Nachhaltigkeitskennzahlen geknüpft, und große Auftraggeber brauchen Daten von ihren Zulieferern, um selbst ihre Scope-3-Emissionen zu berechnen.

Genau hier setzt der VSME-Standard an. Dieses von der EU-Kommission empfohlene Rahmenwerk bietet KMU mit bis zu 250 Mitarbeitern ein vereinfachtes Modul. In Deutschland und der Schweiz umfasst der Basisteil etwa 11 Offenlegungspflichten, die oft in wenigen Arbeitstagen erledigt sind. So können KMU die Datenwünsche ihrer Großkunden erfüllen, ohne die aufwändigen Materialitätsanalysen der Konzerne durchführen zu müssen.

Die Investition in resiliente und nachhaltige Lieferketten lohnt sich laut Studie finanziell. Unternehmen, die hier Vorreiter sind, erzielten eine um 3,6 Prozentpunkte höhere Umsatzrendite als der Durchschnitt. Die Regulierung könnte also langfristig die Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Ausblick: Schweizer Wirtschaft im Transformationsmodus

Bis zum Inkrafttreten des Gesetzes 2029 wird sich die Unternehmensführung in der Schweiz stark verändern. Die laufende Vernehmlassung bietet der Wirtschaft die Chance, die Regeln mitzugestalten.

Der Zeitplan ist voll: Bereits 2026 starten auf EU-Ebene neue Vorgaben wie der Digitale Produktpass für Textilien und Elektronik. Im September 2026 kommen zudem Meldepflichten aus dem Cyber Resilience Act hinzu. Für Schweizer Exporteure bedeutet das zusätzlichen digitalen Dokumentationsaufwand.

Für Vorstände wird es künftig weniger um bloße Compliance gehen, sondern um strategische Integration. Globale Studien mit über 400 börsennotierten Firmen zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen guter Unternehmensführung und finanzieller Performance, gemessen etwa an der Gesamtkapitalrendite. Für den Wirtschaftsstandort Schweiz wird die erfolgreiche Umsetzung des neuen Gesetzes entscheidend sein, um seinen Ruf als verantwortungsvoller und leistungsstarker Hub zu festigen.

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