Scottish Mortgage: 3,85 Mio. Aktien zu 1.545 Pence
03.06.2026 - 01:36:24 | boerse-global.deScottish Mortgage Investment Trust gibt Vollgas. Zwei Tage in Folge platzierte der von Baillie Gifford verwaltete Trust neue Aktien — und das zu Preisen deutlich über dem Nettoinventarwert. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bemerkenswerten Trendwende.
Am 2. Juni 2026 gab der Trust 3,85 Millionen Aktien zu je 1.545,42 Pence aus. Bereits am Vortag flossen 2,35 Millionen Aktien zu 1.516,50 Pence aus dem Treasury in den Markt. Beide Transaktionen erfolgten über dem NAV von 1.409,70 Pence — und ohne Verwässerung für Bestandsaktionäre, da der Trust lediglich eigene Papiere aus dem Bestand verkaufte.
Vom Rückkauf zur Ausgabe
Der Strategiewechsel ist drastisch. In den vergangenen zwei Jahren kaufte Scottish Mortgage rund 307,7 Millionen eigene Aktien zurück — etwa 22 Prozent des damals ausstehenden Kapitals — und zahlte dafür insgesamt 3,02 Milliarden Pfund. Allein im abgelaufenen Geschäftsjahr flossen 1,31 Milliarden Pfund in Rückkäufe.
Das Prinzip dahinter ist klar: Aktien kaufen, wenn der Trust mit Abschlag handelt. Ausgeben, wenn er mit Aufschlag handelt. Genau das passiert jetzt. Der Abschlag ist Geschichte, der Trust notiert im Aufgeld.
Kein Wunder, dass Privatanleger reagieren. Bei Interactive Investor belegt Scottish Mortgage den ersten Platz bei den Käufen — bereits im dritten Monat in Folge. Wachstumsorientierte Trusts ziehen derzeit die meiste Aufmerksamkeit auf sich.
Neues Risikorahmenwerk — mit SpaceX im Blick
Der Jahresbericht vom 1. Juni 2026 bringt mehr als Zahlen. Der Vorstand hat die Risikoarchitektur grundlegend umgebaut. Makroökonomische, geopolitische und regulatorische Faktoren gelten nicht länger als eigenständige Risikokategorien. Sie fungieren jetzt als Verstärker von Investitions- und Betriebsrisiken.
Das Rabattrisiko stuft der Vorstand als „sinkend und moderat" ein — eine klare Aufwertung. Neu auf der Risikoliste steht Cybersicherheit, da Angreifer zunehmend moderne Technologien einsetzen. Künstliche Intelligenz erscheint als Chance und Unsicherheitsfaktor zugleich.
Das Finanzrisiko bleibt „hoch, aber stabil". Grund dafür ist die wachsende Konzentration im Portfolio — insbesondere durch SpaceX, die größte Einzelposition. Das Unternehmen steht kurz vor einem Börsengang, was die Bewertungsfrage für den Trust neu stellen dürfte.
Langfristige Bilanz stützt das Aufgeld
Die Kursentwicklung spiegelt die Stimmung wider. Seit Jahresbeginn legte die Aktie rund 31 Prozent zu und notiert mit 18,19 Euro nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 18,85 Euro.
Die fundamentale Basis ist solide. Im Geschäftsjahr bis Ende März 2026 stieg der NAV um 27,4 Prozent. Über zehn Jahre summiert sich der NAV-Zuwachs auf 435,2 Prozent — der FTSE All-World kommt im gleichen Zeitraum auf 233,9 Prozent.
Die Dividende klettert zum 43. Mal in Folge, diesmal um 4,3 Prozent auf 4,57 Pence je Aktie. Auf der Hauptversammlung in den National Galleries of Scotland in Edinburgh stimmen die Aktionäre über eine Schlussdividende von 2,97 Pence ab. Die Quartalszahlen zum 30. Juni werden zeigen, wie stark SpaceX das Portfolio weiterhin dominiert — und ob der neue Risikorahmen bereits die Portfoliokonstruktion beeinflusst.
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