Scottish Mortgage: 6,3% Premium über NAV
26.05.2026 - 19:07:38 | boerse-global.deDer Scottish Mortgage Investment Trust notiert wieder mit einem deutlichen Aufschlag zum Nettoinventarwert (NAV). Am Dienstag lag der Aktienkurs bei 1.532 Pence, rund 6,3 Prozent über dem fairen Wert von 1.410 Pence. An der deutschen Börse gab die Aktie dagegen etwas nach – von 18,85 Euro am Montag auf 18,09 Euro. Der RSI von 40 signalisiert keine Überhitzung.
Doch der Blick auf den Tageskurs verdeckt die wichtigere Entwicklung: Der Trust handelt über dem Wert seiner zugrundeliegenden Beteiligungen. Das ist für einen Investment Trust nicht selbstverständlich. Denn Anteile können sowohl mit Abschlag (Discount) als auch mit Aufschlag (Premium) gehandelt werden. Der aktuelle Premium zeigt, dass Anleger bereit sind, mehr zu zahlen – für die Portfoliozusammenstellung, den Managerzugang und die langfristige Wachstumsstory.
Aktienrückkauf wird zur Aktienausgabe
Der Premium verändert die Handlungsspielräume des Managements. Solange der Trust unter NAV notiert, stehen Rückkäufe im Fokus. Im ersten Quartal führte Scottish Mortgage noch ein milliardenschweres Buyback durch. Im April wechselte das Blatt: Der Trust gab erstmals wieder neue Aktien aus – und nutzte die Nachfrage zur Emissionsaufstockung.
Für den gesamten Sektor ist das ein Signal. Nach Berechnungen von Branchenkennern stieg das Emissionsvolumen britischer Investment Trusts im ersten Quartal um 78 Prozent auf 303 Millionen Pfund. Der Trend setzte sich im April mit weiteren 248 Millionen fort. Wer jetzt zu einem Premium einsteigt, muss wissen: Weitere Ausgaben könnten den Kurs unter Druck setzen.
Performance rechtfertigt den Aufschlag
Die Nachfrage ist nicht ohne Fundament. Auf Ein-Jahres-Sicht erzielte Scottish Mortgage eine Gesamtrendite von 52,5 Prozent – deutlich mehr als der Sektor (35,1 Prozent) und der Vergleichsindex (28,5 Prozent). Auch über drei Jahre liegt der Trust mit 131,3 Prozent vorn. Die Fünf-Jahres-Bilanz fällt mit 30,9 Prozent dagegen mager aus. Über zehn Jahre steht aber ein Wert von 504,5 Prozent – Spitze.
Dazu kommen niedrige Kosten von 0,31 Prozent, eine moderate Verschuldung von acht Prozent und eine vernachlässigbare Dividendenrendite von 0,29 Prozent. Scottish Mortgage bleibt ein reiner Wachstumswert, kein Income-Titel.
Was bleibt, ist die Frage nach der Nachhaltigkeit
Der Premium steht und fällt mit der weiteren Kursentwicklung. Solange der Markt das Portfolio aus Tech-Werten und Wachstumsaktien mit einem Aufschlag belohnt, kann der Trust neue Anteile emittieren – die Liquidität steigt, gleichzeitig entsteht eine Obergrenze. Fällt der Premium, könnte der Druck zurück zu Rückkäufen wachsen.
Der nächste Lackmustest kommt mit den Quartalszahlen und der Entwicklung der Beteiligungen. Bis dahin bleibt der Aufschlag das zentrale Signal, das Anleger beobachten sollten – nicht den Tageskurs.
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