Iran-Krieg, Eskalation

Sechs Monate Iran-Krieg: Eskalation oder Frieden?

Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 06:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Wenige Wochen sollte der Krieg im Iran nach Wunsch von US-PrÀsident Donald Trump dauern - doch auch ein halbes Jahr spÀter liegen zentrale Kriegsziele in weiter Ferne.

Das Mitte Juni unterzeichnete Rahmenabkommen wurde als diplomatischer Durchbruch gefeiert, aber schon wenig spÀter flammte der Krieg von Neuem auf.

Wo steht der Konflikt nach einem halben Jahr?

Aktuell gibt es keine wesentlichen Kampfhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Das US-MilitĂ€r bleibt jedoch in der Region prĂ€sent. Dabei setzt die Marine die Seeblockade iranischer HĂ€fen durch, um Teheran von wichtigen Einnahmequellen abzuschneiden. Zugleich hilft sie nach US-Angaben Tankern bei der Passage durch die Straße von Hormus.

Ohne einen dauerhaften Waffenstillstand droht der Konflikt jederzeit wieder aufzuflammen, wie zuletzt Mitte Juli. Seitdem sind auf diplomatischer Ebene keine erkennbaren Fortschritte erzielt worden. Im Iran haben sich inzwischen Politiker durchgesetzt, die Verhandlungen mit den USA skeptisch sehen und stattdessen auf eine erneute militĂ€rische Eskalation vorbereitet sein wollen. Zugleich will die iranische FĂŒhrung die Straße von Hormus, die vor dem Krieg fĂŒr den Schiffsverkehr offen war, weiter als Druckmittel nutzen.

Die angespannte Lage am Ölmarkt verteuert das Tanken auch in Deutschland und den USA. FĂŒr Trump könnte das bald auch politisch Folgen haben: In rund zwei Monaten finden in den Vereinigten Staaten Kongresswahlen statt.

Welche Schritte plant Trump - kann er seine Kriegsziele erreichen?

US-PrĂ€sident Donald Trump will den Iran nun mit einem "Wirtschaftskrieg" in die Knie zwingen. DafĂŒr hat seine Regierung neue Sanktionen angekĂŒndigt. Schon jetzt ist das Land mit weitreichenden Strafmaßnahmen belegt und vom internationalen Finanzsystem weitgehend abgeschnitten. Unter den Folgen des Kriegs und der hohen Inflation leidet vor allem die einfache Bevölkerung.

Trump hatte seit Jahresbeginn immer wieder unterschiedliche Kriegsziele genannt - neben einer bedingungslosen Kapitulation und einem "Regime Change" besonders hĂ€ufig, dass der Iran niemals Atomwaffen besitzen dĂŒrfe. Dies ist seit Jahrzehnten ein umstrittener Punkt, der vor allem fĂŒr Israel große Bedeutung hat.

Einen Durchbruch haben die USA bislang bei keinem Thema erreichen können. Israels Luftwaffe hatte sich nach der im April vereinbarten Waffenruhe nicht mehr an den Attacken gegen den Iran beteiligt - mit Ausnahme eines kurzen Vergeltungsangriffs im Juni als Reaktion auf iranische Raketenangriffe.

MilitĂ€risch ist der Iran zwar geschwĂ€cht, sein Raketenprogramm aber nicht vollstĂ€ndig zerstört. Experten fĂŒhren die festgefahrene Lage am Persischen Golf auch darauf zurĂŒck, dass der Trump-Regierung eine klare Strategie fehlt.

Welche Rolle spielen die "Midterms" in den USA?

Am 3. November stehen in den USA Kongresswahlen an: Das gesamte ReprĂ€sentantenhaus sowie rund ein Drittel der Sitze im Senat werden neu gewĂ€hlt. Sollten Trumps Republikaner eine oder beide Kammern verlieren, könnten sie keine grĂ¶ĂŸeren Gesetzesvorhaben mehr durchbringen.

Trump hatte vor seiner Amtszeit versprochen, keine Kriege mehr zu fĂŒhren. Dass er den Iran-Krieg zum einen begonnen und zum anderen immer noch nicht beendet hat, lĂ€sst ihn nun mit offener Flanke in den Wahlkampf gehen. Der Krieg war bei den US-Amerikanern von Beginn an unbeliebt.

Was spricht fĂŒr eine neue Eskalation?

Die USA hatten Ende Februar gemeinsam mit Israel ihren Krieg gegen den Iran begonnen und das Land fast 40 Tage lang aus der Luft angegriffen. Zahlreiche einflussreiche GenerĂ€le und Spitzenpolitiker wurden gezielt getötet, darunter bereits am ersten Kriegstag Irans oberster FĂŒhrer Ajatollah Ali Chamenei. Die Tötungen haben anders als von Trump in Aussicht gestellt keinen "Regime Change" herbeigefĂŒhrt. Vielmehr hat der Krieg die Macht radikaler KrĂ€fte und des einflussreichen MilitĂ€rapparats im Iran gefestigt.

Irans FĂŒhrung misstraut den USA und wirft Regierungsvertretern in Washington vor, kein Interesse an der Einhaltung der im Juni unterzeichneten Vereinbarung zu haben. Der Machtapparat stimmt die Bevölkerung daher zunehmend auf eine neue Eskalation ein. Beobachter halten es fĂŒr möglich, dass Irans StreitkrĂ€fte wenige Wochen vor den Wahlen in den USA mit militĂ€rischem Druck versuchen könnten, Washington weitere ZugestĂ€ndnisse abzuringen. "Iraner waren frĂŒher professionelle Schachspieler, heute sind sie auch gute Pokerspieler", sagte Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai am Montag mit Blick auf die Lage.

Gibt es Zeichen fĂŒr Diplomatie?

Unklar ist, wie stark der wirtschaftliche Druck durch die neuen US-Sanktionen und die bestehende Seeblockade in den kommenden Wochen noch zunimmt. Irans WĂ€hrung, der Rial, fiel Anfang der Woche auf ein Rekordtief. Bewohner großer StĂ€dte berichten seit Monaten von massiven Preissteigerungen im Alltag. Viele Menschen haben ihren Konsum deshalb eingeschrĂ€nkt und kaufen nur noch das Nötigste. Die schwere Wirtschaftskrise setzt auch die Regierung unter Druck, die neue Proteste fĂŒrchtet.

Die Regierung im Nachbarland Pakistan, das in dem Konflikt zwischen Teheran und Washington vermittelt, sprach am Dienstag nach einem Besuch in der iranischen Hauptstadt von "sehr positiven und produktiven GesprĂ€chen". Die pakistanische Delegation unter Leitung des Armeechefs Asim Munir habe sich zudem mit Mohsen Resai, dem neu eingesetzten Chef des nationalen Sicherheitsrats, ParlamentsprĂ€sident Mohammed Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi getroffen.

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