Seehäfen warnen vor Eskalation im Tarifstreit
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 15:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Deutschland befindet sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Industrie und Exporte stehen unter Druck, Unternehmen überprüfen Standorte und Kosten", sagte ZDS-Verhandlungsführer Torben Seebold. Ein unbefristeter Streik wäre da ein unverhältnismäßiger Schritt.
Verdi fordert 8,2 Prozent höhere Löhne
Die Tarifverhandlungen hatten im Juli in Bremen begonnen. Die Gespräche betreffen rund 11.000 Beschäftigte in den Seehäfen Hamburg, Bremerhaven, Bremen, Wilhelmshaven, Brake und Emden. Verdi fordert 8,2 Prozent höhere Löhne. Der Vertrag soll ein Jahr lang laufen.
Der ZDS bietet einen Vertrag, der wie gefordert ein Jahr lang Bestand haben soll. Die Löhne sollen rückwirkend um 3,4 Prozent steigen. Zudem soll es 200 Euro zusätzliches Urlaubsgeld sowie eine weitere Zulage von 416 Euro für Beschäftigte in Containerumschlagbetrieben geben.
ZDS: Folgen einer Eskalation im Auge behalten
Die deutschen Seehäfen stehen laut ZDS im unmittelbaren Wettbewerb mit Rotterdam, Antwerpen-Brügge und weiteren europäischen Hafenstandorten. "Ladung, die ins Ausland abwandert, fehlt den deutschen Hafenbetrieben - und damit geraten auch Wertschöpfung und Arbeitsplätze unter Druck", warnte Seebold. Der ZDS appellierte deshalb an die Beschäftigten, bei der Urabstimmung die Folgen einer Eskalation zu berücksichtigen. "Die Auswirkungen eines längerfristigen Streiks würden weit über die Hafenbetriebe hinausreichen", sagte Seebold.
Verdi hatte bislang zu zwei Warnstreiks aufgerufen, einmal 24 und einmal 48 Stunden. Nachdem nach Gewerkschaftsangaben die Beschäftigten das jüngste ZDS-Angebot mit großer Mehrheit abgelehnt haben, läuft nun bis zum 1. Oktober eine Urabstimmung für mögliche unbefristete Streiks. Verdi-Verhandlungsführerin Sylvi Krisch gestand zwar ein, dass der ZDS die Laufzeit des Tarifvertrags gekürzt habe. "Die soziale Komponente, die sich verstärkt auf die unteren Lohngruppen auswirkt, fehlt jedoch."
