ServiceNow Aktie: 4,38 Prozent auf 80,80 Euro
23.06.2026 - 01:37:03 | boerse-global.de
ServiceNow hat innerhalb weniger Tage fĂŒnf neue KI-Partnerschaften geschlossen. Trotzdem verliert die Aktie weiter an Boden. Der Markt schaut gerade auf andere Dinge.
Seit Freitag ist der Kurs um weitere 4,38 Prozent auf 80,80 Euro gefallen. Ăber sieben Tage summiert sich das Minus auf gut zehn Prozent. Der RSI liegt bei 39,8 â die Aktie nĂ€hert sich ĂŒberverkauftem Terrain.
FĂŒnf Partner in einer Woche
ServiceNow hat sein Ăkosystem fĂŒr agentische KI-Workflows deutlich ausgebaut. Wipro bringt Unternehmenskunden von KI-Pilotprojekten in den Produktivbetrieb. Digimarc integriert kryptografische Verifikation in ServiceNow-KI-Agenten, damit Ausgaben vollstĂ€ndig nachvollziehbar und auditierbar bleiben. HPE verbindet seine GreenLake-Plattform mit ServiceNow fĂŒr KI-gestĂŒtzten IT-Betrieb.
Hinzu kommen zwei weitere Kooperationen. The Hackett Group trat dem Partner-Programm bei, um Unternehmen bei der Identifikation hochwertiger KI-Initiativen zu unterstĂŒtzen. Aria Systems und ServiceNow stellten gemeinsam die erste agentische Abrechnungslösung fĂŒr Telekommunikationsanbieter vor.
Das Muster ist klar: ServiceNow positioniert sich als Kontrollschicht fĂŒr Unternehmens-KI â mit Fokus auf Governance, Nachvollziehbarkeit und operativer Skalierung.
Entlassungen und verzögerte VertrÀge
Die Partnerschafts-Offensive reicht nicht, um das Sentiment zu drehen. Mitte Juni bestĂ€tigte ServiceNow Stellenabbau in Vertrieb, Produktmarketing und Consulting. Das Unternehmen begrĂŒndete den Schritt mit KI-bedingten Effizienzgewinnen.
Schwerer wiegt ein anderes Problem. Verzögerte GroĂauftrĂ€ge im Nahen Osten kosteten das Abonnementwachstum 75 Basispunkte. Die im April abgeschlossene Armis-Akquisition belastet die Marge zusĂ€tzlich.
Zinsen als Hauptdruckfaktor
Hinter dem Kursverlust steckt auch Makro-Druck. Hochbewertete Wachstumswerte wie ServiceNow reagieren besonders empfindlich auf steigende Langfristzinsen. Höhere Renditen erhöhen den Diskontierungssatz fĂŒr weit in der Zukunft liegende Cashflows â und drĂŒcken damit die Bewertung.
Fed-Chef Kevin Warsh hat eine mögliche Zinserhöhung angedeutet. Neun von 18 Fed-Mitgliedern erwarten mindestens eine Anhebung bis Ende 2026. Kein Wunder, dass Wachstumstitel unter Druck stehen.
Fundamentaldaten bleiben stark
Die operative Basis ist intakt. ServiceNow erzielte im ersten Quartal 2026 Abonnementerlöse von 3,67 Milliarden Dollar â ein Plus von 22 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen lagen bei 12,64 Milliarden Dollar, ebenfalls 22,5 Prozent mehr als im Vorjahr.
FĂŒr das zweite Quartal peilt das Management Abonnementerlöse zwischen 3,815 und 3,820 Milliarden Dollar an. Das entspricht rund 21 Prozent Wachstum in konstanten WĂ€hrungen. FĂŒr das Gesamtjahr bleibt das Ziel bei 22 bis 22,5 Prozent.
Von 54 Analysten empfehlen 83 Prozent die Aktie zum Kauf. Allerdings haben sie ihre durchschnittlichen Kursziele in den vergangenen drei Monaten um 23 Prozent gesenkt.
Der nĂ€chste konkrete PrĂŒfstein kommt noch diese Woche: Die Mai-PCE-Daten â der bevorzugte Inflationsindikator der Fed â werden veröffentlicht. FĂ€llt der Wert höher aus als erwartet, dĂŒrfte der Verkaufsdruck auf ServiceNow und vergleichbare Wachstumswerte erneut zunehmen. Ein schwĂ€cherer Wert könnte die Lage vor dem Q2-Bericht zumindest kurzfristig stabilisieren.
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