SGL Carbon: Short Interest explodiert um 196 Prozent
Veröffentlicht: 29.06.2026 um 09:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der Graphitspezialist SGL Carbon erlebt eine paradoxe Situation. Die Aktie notiert bei 4,20 Euro, knapp zwei Prozent ĂŒber dem Freitagsschluss. Doch die KursschwĂ€che der letzten Wochen beschĂ€ftigt vor allem eine Gruppe von Marktteilnehmern: LeerverkĂ€ufer. Deren Wetten explodieren.
Short Interest schieĂt um 196 Prozent nach oben
Aktuelle Daten zeigen: Bis Mitte Juni stieg die Zahl der leer verkauften SGL-Carbon-Aktien auf 6.680 StĂŒck. Ende Mai waren es erst 2.259 gewesen. Ein Anstieg von knapp 196 Prozent.
Dahinter steht ein Strukturproblem. Das Handelsvolumen ist an bestimmten BörsenplĂ€tzen extrem dĂŒnn. Rechnerisch wĂŒrde es 6.680 Tage dauern, um alle Short-Positionen glattzustellen. Die Jefferies Financial Group bleibt trotzdem neutral â und bestĂ€tigte ihr âHoldâ-Rating.
Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren.
Erholung nach Monatsverlusten
Auf den ersten Blick sieht die Jahresbilanz solide aus: plus 33 Prozent seit Januar. Auf den zweiten Blick zeigt sich ein AbwÀrtstrend. Allein in den letzten 30 Tagen verlor das Papier 23,6 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von 5,66 Euro liegt 25,8 Prozent entfernt.
Die technischen Indikatoren signalisieren AnnĂ€herung an ĂŒberverkaufte Niveaus. Der RSI steht bei 36,9 Punkten. Der 50-Tage-Durchschnitt (4,70 Euro) bleibt auĂer Reichweite. Der 200-Tage-Schnitt bei 3,74 Euro hĂ€lt als letzte UnterstĂŒtzung.
Die annualisierte VolatilitĂ€t liegt bei 67 Prozent â Ausdruck eines Papiers, das in beide Richtungen heftig ausschlagen kann.
Industrie unter Druck
SGL Carbon leidet unter den Rahmenbedingungen. Hohe Energiekosten und die schwache deutsche Konjunktur belasten den Sektor. Die Hoffnung auf Deeskalation im Nahen Osten stabilisiert zwar den Gesamtmarkt, doch die Branchenprobleme bleiben.
Der massive Anstieg der Short-Positionen erhöht das Risiko weiterer Kursverluste. Gleichzeitig wĂ€chst das Potenzial fĂŒr einen Short Squeeze â wenn sich die LeerverkĂ€ufer gegenseitig in die Enge treiben. Beides ist möglich. Entscheidend wird sein, ob der 200-Tage-Durchschnitt hĂ€lt.
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