Siemens Aktie: Skeptiker schwenkt um
Veröffentlicht: 03.07.2026 um 16:44 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Monatelang gehörte Kepler Cheuvreux zu den schärfsten Kritikern von Siemens. Heute vollzieht die Bank eine Kehrtwende – und schickt die Aktie auf ein neues Rekordhoch. Der Grund: Die Analysten sehen den Industriekonzern an einem Wendepunkt, noch bevor die Zahlen zum dritten Quartal überhaupt vorliegen.
Kepler Cheuvreux hebt Kursziel und Prognosen an
Kepler Cheuvreux stufte Siemens von "Reduce" auf "Hold" hoch und erhöhte das Kursziel von 255 auf 280 Euro. Die Bank bezeichnet die Zeit vor dem Quartalsbericht am 6. August als "pivotal point" und hat ihre Schätzungen für die Geschäftsjahre 2026 bis 2028 über den Marktkonsens hinaus angehoben. Bei Digital Industries erwartet Kepler Cheuvreux eine positive operative Hebelwirkung, bei Smart Infrastructure steigende Volumina – beides soll eine Gewinnüberraschung stützen und Raum für eine angehobene Margenprognose schaffen.
Besonders auffällig: Die Bank taxiert das bereinigte Ergebnis je Aktie für 2026 auf 12,21 Euro, deutlich über dem Konsens von 10,90 Euro. Für die Folgejahre klafft die Lücke ähnlich weit auseinander. Ab 2027 rechnet Kepler Cheuvreux zudem mit dem Abschluss der Entkonsolidierung von Siemens Healthineers – ein Schritt, der den Konzern nach Einschätzung der Analysten in eine neue Phase führt, fokussiert auf industrielle Software und Hardware mit Wachstumsraten im hohen einstelligen Bereich.
Die Aktie reagierte prompt: Nach einem Schlusskurs von 276,90 Euro am Vortag kletterte der Kurs um 2,2 Prozent und markierte bei 283,25 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Siemens war damit der stärkste Einzeltreiber im DAX.
Investition in Deutschland und Rally im Rücken
Verstärkt wurde der positive Impuls durch eine bereits in dieser Woche angekündigte Investition von 300 Millionen Euro in deutsche Standorte, mit der Siemens die Produktion von Technologien für Energiewende und KI-Rechenzentren ausbauen will. Bis 2030 sollen dadurch 700 neue Stellen entstehen. Hinzu kam eine breitere europäische Aktienrally, die sich von Technologiewerten auf Industrie- und Finanztitel ausweitete – begünstigt durch nachlassende Spannungen im Nahen Osten und einen schwächer als erwarteten US-Arbeitsmarktbericht, der Zinserhöhungssorgen dämpfte.
Nicht alle Häuser folgen der Euphorie. Die Royal Bank of Canada hat ihr Kursziel zwar ebenfalls angehoben, warnt aber vor überzogenen Erwartungen angesichts der bereits hohen Bewertung und bleibt vorsichtig positioniert.
Am 6. August zeigt sich, ob der von Kepler Cheuvreux erwartete Gewinnsprung tatsächlich eintrifft. Bis dahin bleibt die Diskrepanz zwischen optimistischen Neubewertungen und mahnenden Stimmen wie jener der Royal Bank of Canada das prägende Bild rund um die Aktie.
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