Siemens Energy Aktie: JPMorgan bleibt, Fragen bleiben
28.05.2026 - 12:41:42 | boerse-global.deJPMorgan hält Kurs. Die US-Bank bestätigte gestern Abend ihr "Overweight"-Rating für Siemens Energy — Kursziel 225 Euro. Das klingt nach Rückenwind. Allerdings bleibt das Ziel unverändert, obwohl das jüngste Quartal mit einem Rekordauftragseingang von 17,7 Milliarden Euro die Analystenkonsensschätzung von rund 15,6 Milliarden Euro weit übertroffen hatte. Ein Detail, das nachdenklich stimmt.
Analyst Phil Buller berichtet nach Investorentreffen in Asien: Dort überwiegt langfristiger Optimismus bei KI- und Rechenzentrum-Themen — mit einem Vorbehalt. Kurzfristig blicken die asiatischen Anleger skeptisch auf die bereits hohen Bewertungen in diesem Bereich. Bei Siemens Energy selbst fühlen sie sich dennoch wohl. Wer nicht positioniert sei, halte GE Vernova oder Mitsubishi Heavy.
Starke Zahlen, hohes Preisschild
Der operative Unterbau ist eindrucksvoll. Der Umsatz erreichte im zweiten Geschäftsquartal 2026 rund 10,3 Milliarden Euro, der Gewinn je Aktie verdoppelte sich auf 0,89 Euro, und der Auftragsbestand kletterte auf 154 Milliarden Euro. Die Sparte Grid Technologies zieht besonders stark: Das Unternehmen erwartet dort nun ein Umsatzwachstum von 25 bis 27 Prozent und eine Ergebnismarge von 18 bis 20 Prozent.
Für das Gesamtjahr 2026 hebt Siemens Energy die Prognose an: 14 bis 16 Prozent Umsatzwachstum, eine Ergebnismarge vor Sondereffekten zwischen 10 und 12 Prozent sowie ein Nachsteuergewinn von rund 4 Milliarden Euro. Das ist eine deutliche Verschärfung gegenüber dem bisherigen Ziel von 11 bis 13 Prozent Wachstum.
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Wo die Bewertung Unbehagen auslöst
Das Analystenbild ist gespalten. Berenberg steht bei 200 Euro Kursziel und "Buy". Barclays dagegen sieht Chancen und Risiken ausgewogen, hob das Ziel zwar auf 110 Euro an — liegt damit aber weit unter dem aktuellen Kursniveau von rund 180 Euro. Das trailing KGV liegt über 60. Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2027 sinkt es auf knapp 30 — vorausgesetzt, der Gewinnsprung tritt tatsächlich ein.
Barclays-Analyst Vlad Sergievskii bringt es auf den Punkt: Die aktuelle Bewertung preise den besten Geschäftszyklus einer ganzen Generation ein, als ob er niemals ende.
Hinzu kommt die Windtochter Siemens Gamesa. Der Free Cashflow der Sparte lag im zweiten Quartal bei minus 654 Millionen Euro — nach minus 333 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das ist kein Schönheitsfehler. Gas Services und Grid Technologies überdecken den Abfluss derzeit, aber das Muster bleibt eine strukturelle Belastung.
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Am 5. August 2026 legt Siemens Energy den Bericht zum dritten Geschäftsquartal vor. Dann zeigt sich, ob der Auftragseingang die Rekorddynamik halten kann — und ob Gamesa endlich liefert, was die Trendwende verspricht.
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